Der Wald um Eichelsdorf.

1. Natürliche Grundlagen

Das Wissen über den Wald um Eichelsdorf geht bis ins 17.Jahrhundert zurück, über die Bewaldung des Vogelsberges können wir bis zum 8. Jahrhundert durchaus Aussagen treffen. Der Vogelsberg gehört zu jenem großen Waldgebiet, das den größten Teil der Mittelgebirge zwischen Weser, Rhein und Main bedeckte und von den Mönchen "Buchonia" genannt wurde. Noch zu Zeiten des HI. Bonifatius war das Gebiet um Fulda von einem undurchdringlichen Urwald bedeckt, ein Rest jenes großen Buchenwaldes "Buchonia". In diesen Rahmen ist der Ursprung und die Entwicklung des Waldes um Eichelsdorf einzuordnen.

Die Waldungen um Eichelsdorf liegen in ca. 200- 400 m über NN auf den Höhenzügen beiderseits der Nidda, die die Ausläufer des Vogelsberges nach Südwesten bilden. Es sind wärmere Lagen mit Jahresdurchschnittstemperaturen zwischen 8,5 und 8,00 C und Durchschnittstemperaturen in der Vegetationszeit von 15,3 und 14,5° C. Die Niederschläge sind im langfristigen Mittel für ein gutes Waldwachstum ausreichend und betragen im Jahresdurchschnitt zwischen 720 bis 790 mm, in der Vegetationszeit jedoch nur um 360 mm. Die bewaldeten Rücken und Hänge werden ausschließlich vom Basalt des Vogelsberger gebildet, der mehr oder weniger tief verwittert und durch Lößbeimengungen in den Hanglagen oder auch Lößablagen in Hangmulden und ebeneren Flächen verändert wird. Tertiärer Basalt und nacheiszeitliche Lößeinwehungen bestimmen also die Landschaft und mit dem Klima zusammen die Bodenbildung. Es sind bei dem sehr nährstoffreichen Ausgangsmaterial gut Nährstoffversorgte, meist auch tiefgründige und frische Braunerden oder Parabraunerden entstanden, das sind beste Böden für das Waldwachstum.

Zusammen mit dem warmen Klima entsteht der Eindruck einer "Riviera des Vogelsberges", in der insbesondere die Buch optimale Wachstumsvoraussetzungen findet. Aber auch die Eiche, Linde, Kirsche sind als Mischbaumarten anzutreffen, insbesondere auf den Kuppenlagen. Insgesamt handelt es sich somit um die untere Buchenmischwaldzone, in der von Natur aus eben ein gemischter Buchenwald mit ganz überwiegender Buche zu Hause ist. Pflanzensoziologisch handelt es sich dabei um den Zahnwurzbuchenwald mit Eiche und Edellaubholz oder den Waldschwingelbuchenwald auf besser Wasserversorgten Standorten und Flatterhirsenbuchenwald auf den weniger gut Wasserversorgten Standorten. Dies ist aber nur ein grober Rahmen.


2. Nutzungswandel im Laufe der Geschichte

Die ursprüngliche Nutzung des Waldes für Bauholz und Brennholz wurde im frühen Mittelalter schon und bis in die Zeit des Absolutismus zunehmend ergänzt durch landwirtschaftliche Nutzung, die Waldweide mit Streunutzung. Insbesondere die Streu des Waldes benötigte der Bauer als Futter und Einstreu in den Ställen, und die Eichelmast war von besonderer Bedeutung für die Schweinehaltung. Aus diesem Grunde wurde der gezielten Nachzucht der Eiche im Raume Eichelsdorf ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt und man kann deshalb den "Politischen Landesvisitationsacta der Grafschaft Nidda Anno 1629" entnehmen, dass seinerzeit der gesamte Forst Eichelsdorf ein fast reiner Eichenwald war, "mit wenig Buchenholz gemengt". Der Name dieser Baumart bestimmt manche Forstbezeichnung. Von der Nutzung der Hiebsreifen Eichen 150-200 Jahre später und der Neubegründung mit Kiefern (damals "Dannen" genannt), wird in der Chronik des Heinrich Bircks in Eichelsachsen berichtet. In den Jahren gegen Ende des 18. Jahrhunderts haben die Holländer viel Eichenholz zum Schiffsbau gekauft und jährlich musste die Bevölkerung im Walde hacken und "Dannensamen" beisäen. Nun dürfte sich allmählich eine geregelte Waldwirtschaft mit der standortgerechten Buche durchgesetzt haben. Die Unduldsamkeit der Buche in ihrem Optimum hat die Eiche schon in der Verjüngungsphase weitgehend verdrängt. Dies wird auch deutlich aus den Schriften der forstlichen Klassiker wie Georg- Ludwig Hartig oder Carl Heyer, der Mitbegründer der Forstwissenschaft heutiger Prägung. Sie propagierten den dunklen Samenschlag und beachteten nicht den hohen Lichtbedarf der jungen Eiche, was zu fast reinen Buchenbeständen auf großer Fläche geführt hat. Im Zuge geordneter Forstwirtschaft breiten sich nun auch die Nadelhölzer im­mer weiter aus. Dabei muss man wissen, dass zunächst Kiefern (Dannen) in verlichtete und verwüstete Bestände eingesät wurden, um später nach Besserung des durch Streunutzung und Schweinemast völlig verarmten Bodenzustandes wieder Laubwald und insbesondere Eichenbestände begründen zu können. Dies alles geschah in erster Linie aus ganz großer Angst vor Holznot, weil es am nötigen Brennholz und Bauholz für die Landbevölkerung zu fehlen drohte. Die Wälder waren total verwüstet. Erst nach 1820 wird auch Fichte angebaut, jedoch noch in sehr bescheidenem Umfang. Die beginnende Industrialisierung mit gleichzeitigem zusätzlichen enormen Holzverbrauch für Verhüttung, Papierherstellung und vieles mehr, brachte den Durchbruch der raschwüchsigen Baumarten, insbesondere der Fichte.

Unter dem Zwang der Maximierung des Bodenreinertrages wurde der Anbau der Fichte auf nach heutigen Gesichtspunkten falschen Standorten von höchsten Stellen angeordnet, weil sie einen höchstmöglichen Ertrag versprach. Die Risiken, die damit einhergingen Sturmwürfe, Käferbefall, Trocknis , kannte man noch nicht oder erachtete sie gering. So ging der Wald um Eichelsdorf dann durch das 20. Jahrhundert: Massen und Wertsteigerung durch Nadelholzanbau, Ausländeranbau (Douglasie, Amerikanische Tannen, Weymouthskiefer, Sitkafichte, Roteiche, Lärche und japanische Lärche) sowie Maschineneinsatz und Rationalisierung in allen Bereichen sollten die Rentabilität der Forstwirtschaft sicherstellen. Fortwissenschaft und Forstwirtschaft arbeiteten Hand in Hand bei der Einführung vorteilhafter genetischer Beeinflussung der Wälder im Zuge der Forstpflanzenzüchtung. Die Forstwissen­schaft ist zu einer hochkomplexen Wissenschaft um das Ökosystem Wald geworden, das in all seinen Teilen eine menschliche Schöpfung über die Jahrhunderte geworden ist. Nur wenige kleine Flächen in der Bundesrepublik können noch als ursprünglicher Wald angesehen werden, um Eichelsdorf gibt es so etwas nicht. Und dennoch ist unser heutiger Kunstwald den Menschen mehr ans Herz gewachsen als die allermeisten Kulturgüter unseres Landes. Wir leben mit dem Kunstwald unserer Zeit, weil die Natur und damit auch wir den Wald brauchen.


3. Die Jagd

Eichelsdorf muss über Jahrhunderte jagdlich bedeutsam gewesen sein, denn die frühzeitige Förderung der Eiche hatte auch den Sinn, Nahrung für das Wild zu schaffen. Wir können hier aber nur die Zeit der Landgrafen, der Großherzöge und die heutige Situation betrachten.

Für die Landgrafen waren der Raum Nidda, Eichelsdorf und Eichelsachsen neben Romrod ein jagdliches Zentrum. Die kleinen Jagdschlösser der Gegend geben hiervon Zeugnis: Jagdschlösser zu Bingenheim, Nidda, Zwiefalten, die Gierhäuser. Die Wildbestände waren für die Landwirtschaft und für den Wald zu hoch, sie gefährdeten teilweise landwirtschaftliche Existenzen. Diese Existenzbedrohung für die Landwirtschaft durch die hohen Wildbestände war häufig auch ein Grund für Bauernaufstände und die Freiheitskämpfe schon im Mittelalter und sogar Auswanderung 1766, aber besonders in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Nicht umsonst wurde nach der Reichsgründung von 1848 in der Paulskirche zu Frankfurt die freie Jagd verkündet, was zu einem gewaltigen Rückgang aller Schalenwildarten führte. Im Großherzogtum Hessen und damit auch in Eichelsdorf hat es so gut wie nie diese sog. freie Jagd gegeben. Es wurden zwar Gemeindejagden eingerichtet, aber der Großherzog hatte die Jagd auf seinem Besitz streng geregelt und fest in der Hand. Im hiesigen Raum wurde das Jagdschloss Konradsdorf 1819 gebaut und war seitdem Angelpunkt des gesamten jagdlichen Geschehens dieser Gegend, auch von Eichelsdorf. Forstverwaltung und Jagd waren nicht in einer Organisation vereinigt. Die Forstverwaltung des Großherzogs war bis 1917 bei der Finanzverwaltung angesiedelt, die Jagdverwaltung beim Großherzog unmittelbar und persönlich. Durch die Tatsache allerdings, dass die Beamten der Jagdverwaltung Forstleute waren, kam es nicht zu Spannungen zwischen beiden Verwaltungen, was für den Wald nur förderlich war. Nach dem 1. Weltkrieg ging die Jagdverwaltung auf die Forstverwaltung des Volksstaates Hessen über, und der Wald wurde Eigentum des Landes. Es begann eine planmäßige, auch auf forstliche Belange konkret abgestellte Bewirtschaftung der Wildbestände, wobei in Eichelsdorf damals das Rotwild noch eine relativ große Rolle spielte. In strenge Gesetzesform wurde die Jagd- und die Wildbewirtschaftung erst mit dem Reichsjagdgesetz von 1936 gefasst, das in seinen Grundzügen noch heute als "Bundesjagdgesetz" und "Hess. Ausführungsgesetz zum Bundesjagdgesetz" gilt. Entscheidend ist die Bindung des Jagdrechtes an Grund und Boden und gleichzeitig die Bindung des Jagdausübungsrechtes an Mindestflächen. Auf diese Weise entstanden der Gemeinschaftliche Jagdbezirk Eichelsdorf und die Staatsjagd Eichelsdorf. In diesen Jagden spielt Rotwild heute keine Rolle mehr, sondern Schwarzwild und Rehwild sind die dominierenden Wildarten. Das sonstige Niederwild ist so erschreckend zurückgegangen, dass es z.Zt. überhaupt keine Rolle mehr spielt. Das heute dominierende Rehwild kann für den Wald sehr gefährlich werden, wenn es sich zu stark vermehrt. Denn es ernährt sich gerne von Knospen und jungen Trieben der Waldbäume und insbesondere können ganze Laubholzverjüngungen durch den Verbiss von Rehen verloren gehen. Es ist daher in Eichelsdorf wegen des hohen Laubholzanteils besonders wichtig, ein gesundes Verhältnis zwischen Wald und Wild zu erhalten.


4. Forsthoheit und Forstorganisation

Solange wir zurückblicken können, haben sich Menschen besonders mit dem Wald beschäftigt. Dies war ganz sicher auch um Eichelsdorf so, und es waren die sog. "Holzgerechten Jäger", die neben ihrer beruflichen Jagdausübung Holzdiebstahl und ähnliche Freveltaten verhindern sollten. Auch die Pflanzung und Saat von Eichen wurde von ihnen überwacht, aber zuallererst waren sie natürlich Jäger im Dienste des Landesherren. Die Macht der Holzgerechten Jäger wurde durch die mittelalterlichen "Weisthümer" gestärkt, in denen die Landes­herren Weisungen erteilten, wie die Nutzung des Waldes zu regeln sei. Nachfolger dieser "Weisthümer" waren dann die "Forstordnungen" des Spätmittelalters und des Absolutismus. Eine solche Forstordnung hat für den Eichelsdörfer Raum mit Sicherheit auch existiert, ich habe sie jedoch noch nicht ausfindig gemacht.

Für den hiesigen Raum spielen aber ganz gewiss die Anordnungen der Landgrafen von Darmstadt insgesamt eine entscheidende Rolle. In der Beschreibung der "Niddaer Sauhatz von 1633" auf Veranlassung des Landgrafen Philipp wird schon ein Forstmeister Gall aus Nidda erwähnt, auch dessen Frau, die Verängstigten Schutz bietet; und der Forstmeister Gall ist der Einzige, der bei der Jagd schon ein Gewehr benutzte. Der Forstmeister war nicht nur für die Jagd zuständig, er war auch verantwortlich für den Wald des Landgrafen und er war offensichtlich eine wichtige und geachtete Persönlichkeit. Es gab also auch in Eichelsdorf ab dem 17. Jahrhundert eine geordnete Forstverwaltung, auf die die Landgrafen deutlich Einfluss nahmen. Erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wird das Bild um die Männer und die Organisation klarer, die sich um den Wald in Eichelsdorf kümmern. Um die Jahrhundertwende gab es im hiesigen Raum eine ganze Reihe von Oberförstereien, aus damaliger Sicht vergleichbar mit den heutigen Forstämtern: Bingenheim, Bad Salzhausen, Nidda, Eichelsdorf, Schotten, Ortenberg. Die Oberförsterei Eichelsdorf speziell hatte ihre Organisationsstruktur Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten, als die Oberförsterei Eichelsachsen im Zwiefalterhof aufgelöst wurde. Obwohl rundherum ständige Organisationswechsel stattfanden (Auflösung von Bingenheim, Bad Salzhausen und Zuschlag zu Nidda; Auflösung von Ortenberg und Neuorganisation von Konradsdorf) konnte die Flächenzuteilung zu Eichelsdorf bis auf kleine Veränderungen bis 1964 erhalten bleiben. Für den Wald war dies von großem Vorteil, weil entsprechend auch keine besondere Veranlassung bestand, häufige Personalwechsel vorzunehmen. Die Beständigkeit und Stetigkeit auch des Forstpersonals ist der Beständigkeit und Stetigkeit im Wald alleine angemessen.

1964 wurde das Forstamt Eichelsdorf aufgelöst im Zuge einer ersten Organisationswelle, die einerseits durch die schlechte Ertragslage bei steigenden Personalkosten, andererseits aber auch durch die allgemeine Motorisierung und der dadurch gewonnenen Zeit hervorgerufen worden war. Eichelsdorf kam zum Forstamt Nidda. Damit war die Neuorganisation jedoch noch nicht abgeschlossen. Der kommunalen Gebietsreform in den ersten 70er Jahren musste eine forstliche Gebietsreform folgen. Sie wurde im Jahre 1974 vollendet, brachte für den Wald in der Gemarkung Eichelsdorf zwar keine Änderungen mehr, wohl aber für das Forstamt Nidda, das den Wald von Eichelsdorf betreut. Danach umfasst das Forstamt Nidda den Gesamtbereich der Großgemeinden Nidda, Echzell und Ranstadt und betreut incl. landwirtschaftlicher Domänenflächen ca. 5.880 ha. In Eichelsdorf ist die Revierförsterei, die dort schon im vorigen Jahrhundert bestand, erhalten geblieben und hat heute eine Fläche von 959 ha zu betreuen, wovon ca. 940 ha Waldflächen sind. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Staatswaldflächen, die den Alteberg, den Auerberg, die Irrhausköpfe, den Rotenberg, den Schmitterhang, Sandkaute, Friedrichsberg, die Struth und Tiefstruth, Rödernkopf und Totenlache und Lohwald bedecken. Einziger Stadtwald ist der Weinberg mit seinen heutigen Eichendickungen. Es handelt sich also um ein sehr großes, sehr ertragreiches, aber auch außerordentlich arbeitsreiches Revier, in dem Buchenbestände dominieren. Aber auch Mischbestände mit hohem Eichenanteil und Eichenbestände prägen das Bild.


5. Forstleute

Es waren starke Persönlichkeiten, die den Wald um Eichelsdorf geprägt haben. Die Wälder und Bestände, die wir heute sehen und bestaunen, die uns ans Herz gewachsen sind, wurden vor langer Zeit begründet, lange Zeit gepflegt und der Blick des Forstmannes geht weit in die Zukunft, wenn er jungen Wald entstehen lässt.

Eine ganz außerordentlich wichtige Persönlichkeit war in dieser Hinsicht der Forstrat Trautwein, der von 1885-1907 Forstrat in Eichelsdorf war. Insbesondere die großen Mischbestände der Tiefstruth sind sein Werk. Ebenso fällt in seine Zeit ein deutlicher Schwerpunkt des Ausländeranbaus, also des Pflanzens von Stroben, Douglasien, Lärchen, jap. Lärchen, verschiedenen Tannen und ausländischer Fichtenarten, auch Schwarzkiefern und insbesondere Roteichen. Forstrat Trautwein muss ein geistig außerordentlich reger und energischer Mann gewesen sein, denn seine "Handschrift" springt dem Kundigen überall im Wald ins Auge. Aus diesem Grund heißen die großen Eichenmischbestände in der Tiefstruth heute noch Trautweineichen. Von 1912-1921 verwaltete das Forstamt Eichelsdorf der Forstrat Walter. Über ihn ist wenig überliefert, es gibt auch keine Wege- oder Baumbezeichnung nach ihm. Forstrat Walter wurde Ende 1921 nach Lengfeld bei Darmstadt versetzt. Ihm folgte der bekanntere Forstrat Bechtel von 1922-1926, nach dem trotz seines kurzen Wirkens der Bechtelweg benannt wurde. Weiterhin kurze Zeit nur war dann der Forstrat Chantre von 1926 bis 1929 Forstamtsvorstand, und er ist heute bei den älteren Eichelsdörfern noch bekannt. Ein Segen für den Wald, das Forstamt und die Bevölkerung war die lange Amtszeit des Forstmeisters Bruchhäuser von 1929-1962. Forstmeister Bruchhäuser war ein Vogelsberger, mit Land und Leuten verwachsen und voller Hingabe für seinen Wald und für alle, die mit ihm darin und daran gearbeitet haben. Bruchhäuser war ein begnadeter Waldbauer, der die Beobachtung der Natur nutzte, den Wald zu formen und insbesondere zu verjüngen. Etwa 1200 ha Naturverjüngung entstanden unter seiner Führung, der Schmitterhang ist für uns das augenfälligste Beispiel. Er war Praktiker, nicht der große Redner oder Theoretiker. In diesem Punkt wurde er von dem bekannten Forstmeister Dr. Künanz aus Konradsdorf ergänzt, der ja auch seiner Generation angehörte. Es entstand unter der Führung dieser beiden großen Forstleute eine regelrechte "Oberhessische Buchenschule", die quasi als geistige Nachfolgeinstitution des großen forstlichen Klassikers Georg-Ludwig Hartig angesehen werden konnte, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Hungen eine sog. Forstliche Meisterschule betrieb. Viele junge Forstleute kamen zu Bruchhäuser und wurden von ihm fachlich unterwiesen aber auch menschlich geformt. Es ist schon tragisch, dass sein berufliches Wirken in Bitternis endete, weil die Praxis der Verwaltung sein Le­benswerk im Walde nicht mehr durch eine Beförderung zum Oberforstmeister krönte. Nach der Verwaltungsvorschrift war er dafür zu alt, man beförderte jüngere Kollegen. Das machte Bruchhäuser wirklich alt und so verbittert, dass sein letzter beruflicher Wunsch darin bestand, nichts im Walde nach ihm zu benennen! Wir Forstleute heute sind darüber eigentlich etwas traurig, aber wir ha­ben Respekt vor diesem großen Vorbild!

1962 übernahm Forstmeister Blum das Forstamt Eichelsdorf. Er musste die erste einschneidende Organisationsänderung, nämlich die Auflösung des Amtes verkraften. Er schaffte dies in großer Menschlichkeit und genoss ganz rasch auch im Forstamt Nidda überall großes Ansehen. Sein Schicksal als Forstmann war, dass er die Zeit der rasch rückläufigen Erträge, insbesondere im Kommunalwald, bewältigen musste, die Zeit, als man glaubte, durch Entfeinerung des Waldbaues, Maschineneinsatz und Rationalisierung die steigenden Verluste ausgleichen zu müssen und zu können. Er hat es insofern als Forstmann sehr schwer gehabt. Leider hat er die neuerliche Gebietsreform im Forstamt Nidda nicht mehr erlebt, allzu früh erlag er einem Herzinfarkt im Jahre 1972. Neuer Forstamtsleiter wurde mit Abschluss der Gebietsreform und Auflösung des Forstamtes Konradsdorf 1974 der hier allerorten bekannte Forstdirektor Erich Katzenmayer. Er hatte das Glück, hier geboren, zur Schule gegangen und erwachsen geworden zu sein. Wer also könnte gerade im Sinne Bruchhäusers dessen Werk besser fortsetzen? Ein Stein im Wellerberg der Revierförsterei Ober- Lais an der Grenze zwischen den früheren Forstämtern Konradsdorf und Eichelsdorf erinnert den Wanderer und Forstmann an sein Wirken, würdigen wollen wir es später. Am 1.1.1985 übernahm der Verfasser das Forstamt Nidda.

Die Forstamtsleiter alleine können einen Wald nicht gestalten. Dies gelingt nur in Gemeinschaft mit den Revierleitern und Waldarbeitern. Zurzeit des Forstrates Trautwein, nämlich 1898 übernahm der Revierförster Nicolaus Schmitt die Revierförsterei Eichelsdorf und blieb dort im Dienst bis 1934. In dieser, für den Wald so vorteilhaften, langen Zeit widmete sich Revierförster Schmitt insbesondere der Walderschließung, dem Wegebau. Von Jahr zu Jahr wurde ein Stück neuen Weges damals noch in Handarbeit gestückt fertig gestellt. Forstrat Bechtel unterstützte diese Arbeit in besonderer Weise. Der heutige Schmittweg soll an dieses Wirken des Forstmannes erinnern. Dessen Nachfolger war der Revierförster Friedrich Reeg von 1934 bis 1948. Forstmeister Bruch­häuser und Revierförster Reeg begannen mit dem großen Werk der Buchenna­turverjüngungen, jedoch kamen in dieser Hinsicht besondere Aufgaben auf den Oberförster Walter Ruppert zu, der die Revierförsterei Eichelsdorf von 1948 bis 1964 betreute. Es galt in dieser Zeit, die großen Verjüngungsflächen aus den ersten Nachkriegsmasten um 1947 zu pflegen, und es besteht kein Zweifel, dass Oberförster Ruppert hierbei sich große Verdienste unter der Führung von Forstmeister Bruchhäuser erworben hat.

Von 1964- 1968 hatte der Forstamtmann Karl Fritz die Stelle der Revierförsterei Eichelsdorf inne, nachdem er seit 1958 Revierförster in Michelnau gewesen war und im Zuge der Umorganisation diese Stelle aufgelöst worden war. Forstamtmann Fritz wurde rasch aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten zum Amtsrat befördert und als Assistent dem Oberforstmeister Blum in Nidda zur Seite gestellt. Deshalb übernahm 1969 der damalige Revierförster Nestl die Revierförsterei Eichelsdorf, die er auch heute als Forstamtmann leitet. Wieder ein glücklicher Umstand, dass ein Revierleiter langfristig ein Revier betreut, was man dem gepflegten Walde ansieht. Durch diese Personalkontinuität im 20.Jahrhundert hat die Försterei bisher nur 5 Revierförster erlebt und das trotz Umorganisationen. Dies ist ein heute leider seltenes Beispiel dafür, wie sich Tüchtigkeit und Kontinuität im gepflegten Waldzustand widerspiegelt. Viele Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter haben das Werk der Forstleute ausgeführt. In früheren Zeiten waren es mehr als heute, noch früher nahm das ganze Dorf Anteil an der Waldarbeit. Stellvertretend für all die fleißigen Hände möge hier des Haumeisters Heinrich Luft gedacht sein: Er entstammte einer Familie mit 9 Kindern, die der Vater durch sein Schusterhandwerk ernährte. Er wurde 1922 als Waldarbeiterlehrling eingestellt, nachdem er die Volksschule in Eichelsdorf absolviert hatte. Schon 1939 wurde er zum Haumeister ernannt, was damals eine besondere Auszeichnung und Ausdruck höchster Wertschätzung war. 1952 und 1954 absolvierte er nochmals Haumeister und Meisterlehrgänge, wurde Lehrmeister und Gerätepfleger, dann Maschinenführer und Einsatzleiter beim Mitte der 60er Jahre gegründeten Maschinenbetrieb Nidda. Gleichzeitig war er über viele Jahre Vorsitzender des Personalrates beim neu gebildeten Forstamt Nidda. Heinrich Luft konnte sogar das 50 jährige Dienstjubiläum feiern und in Würdigung seiner großen Verdienste war von der Verwaltung beabsichtigt, ihn für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes vorzuschlagen. Dies hat er abgelehnt. Die Gründe hierfür mögen schon damals seine übergroße Sensibilität gewesen sein, die Organisationsänderungen und Veränderungen allgemein mit großem Misstrauen begleitete. Seine beispielhafte Treue und Hingabe für den Wald schien ihm missachtet zu sein. Er wurde krank, verschlossen und abgekapselt, so starb er auch. Aber er lebt in seinen alten Mitarbeitern und der Bevölkerung des traditionsreichen Forstortes Eichelsdorf fort.


6. Der Waldbau als zentrale Aufgabe in der Zusammenfassung

All diesen Menschen, die sich um den Wald im Raume Eichelsdorf bemüht haben, war der Waldbau zentrale Aufgabe. Der Waldbauer lebt dabei in der Erkenntnis, für die Zukunft zu arbeiten und die Ernte den Enkeln und Urenkeln überlassen zu müssen, dabei ist alles Tun dennoch von der Vergangenheit ge­prägt. Die Langfristigkeit forstlichen Wirkens zwingt zum weiten Blick auch zu­rück in die Vergangenheit, denn so wie der Wald heute ist, hat ja irgendwo seinen Grund. Da lässt sich dann, wie zu Beginn dieser Abhandlung schon einmal erwähnt, auch im Wald um Eichelsdorf die historisch bedeutsame Phase der Waldverwüstung feststellen ein zentrales Thema, wenn man über den Waldbau von heute sprechen will.

Hier soll einmal zitiert werden, wie es 1777 in einem Bericht über den "Hohe Markwald" in Taunus und Wetterau heißt: "Nirgends ist mehr ein Bau- oder Maststamm zu erblicken, kaum ist ein abgestumpfter alter Stummel noch übrig geblieben. In der ebenen Gegend des besten Bodens sind große Striche von mehreren tausend Morgen mit Heide und Wacholder bedeckt. Mehr nach dem Gebirge zu sind vielfache abgebissene Rauschen von denen die besten harten Laubholzarten ausschlagen, und ohne erachtet aller Misshandlung durch die Vieh-Weyde übrig geblieben.." Dieser beklagenswerte Zustand bestand auch im Wald von Eichelsdorf und es musste eine Phase energischen Waldaufbaus zur Minderung der Holznot folgen. Dies konnte nur durch einfache Mittel und bei weitgehender Unkenntnis der tatsächlichen Verhaltensweisen der Baumarten auf verschiedenen Standorten und in Mischung derselben geschehen. Der beginnende Waldaufbau war die Geburt der Forstwissenschaft.

Ganz deutlich werden diese Zusammenhänge um die Jahrhundertwende unter der Amtszeit von Forstrat Trautwein. Er hat das zentrale Thema Waldbau voll aufgegriffen und die historische Phase des Waldumbaus eingeleitet. Ihm kam es darauf an, durch die Umgestaltung von reinen Buchenbeständen, die durch die klassischen und einfachen Methoden des Waldaufbaus zwangsläufig entstanden waren, Mischbestände höchster Ertragsleistung zu schaffen. Besonders gute Beispiele sind die großen Bestände in der Tiefstruth. Dies waren um die Jahrhundertwende reine Buchenbestände, von denen heute noch der eine oder andere Altbaum vorhanden ist. Diese Bestände wurden unter Traut­wein stark gelichtet und zunächst gruppen- und Kleinflächenweise Traubeneichen eingebracht. Dazu samte sich dann die Buche und Fehlstellen wurden mit Roteiche, Weymouthskiefer (Strobe), Douglasie, Lärche und Fichte ergänzt. Die Förderung der Eiche ging in dieser Zeit soweit, dass sogar Buchenköpfungen vorgenommen wurden, um den Eichen Freiraum in der Krone zu geben, und es ist von daher ein einprägsamer Begriff für eine solcherart behandelte Abteilung geblieben: "Chirurgische Abteilung". Aber der Waldbau als zentrales Thema entwickelt sich weiter, die wissenschaftlichen Erkenntnisse reifen heran. So konnte es nicht ausbleiben, dass schon zur Zeit Bruchhäusers der pflanzensoziologische Gedanke einer Waldgesellschaft im Naturraum und auf gegebenem Standort deutlicher hervorgehoben wurde und Forstmeister Bruchhäuser hat hier in konsequenter Weise reagiert. Er hatte erkannt, es müsse Wille der Natur sein, dass der Buchenwald in den Oberhessischen Basaltgegenden absolut vorherrschend wäre. Die Buchenverjüngung war daher Hauptziel, die Mischbaumart blieb völlig untergeordnet und gesellt sich natürlich oder künstlich nebenher dazu. Der Waldbau auf wissenschaftlich fundierter ökologischer und pflanzensoziologischer Grundlage unter Wahrung der technischen Notwendigkeiten der Forstwirtschaft waren die Leitlinien. Sie sind es bis heute geblieben und es besteht kein Anlass, von diesen Prinzipien abzuweichen. Wir Forstleute von heute müssen leider jedoch einiges der Natur künstlich nachmachen, weil die Natur uns aus einer schwachen, wohl kranken Position heraus, nicht mehr so vital bedient, wie unsere Altvorderen dies gewöhnt waren. Wir müssen heute die "Naturverjüngung pflanzen". Der Wanderer im Wald um Eichelsdorf hat dies sicher schon gesehen, wenn unter alten Buchen die junge Waldgeneration geduckt, aber in Reih und Glied, auf ihr Fortkommen wartet.


7. Die Baumarten

Unter dem Aspekt der waldbaulichen Vorbemerkungen gedeihen im Wald um Eichelsdorf folgende wirtschaftlich bedeutsamen Baumarten:

Buche

Sie ist die Hauptbaumart auf fast allen Standorten.

Eiche

Es handelt sich in der Regel um die Traubeneiche des Hügel- und Bergwaldes, die relativ langsam wächst und nur schwer gegen die rasch wachsende Buche ankommen kann. Auf flachgründigeren Oberhang- und Kuppenlagen ist sie häufiger bestandsbildend und wird dort auch nachgezogen. Sie wird allgemein gefördert, wo dies sinnvoll ist.

Hainbuche

Sie ist eine Mischbaumart, insbesondere in kälteren Unterhang- und Muldenlagen. Sie eignet sich besonders als Mischbaumart zur Eiche, weil sie auf Dauer ein geringeres Höhenwachstum hat und daher mit zunehmendem Alter des Bestandes die Eichen nicht in der Krone bedrängt.

Edellaubhölzer

Esche, Ahorn, Kirsche, Linde, Elsbeere, u.a.

Sie alle eignen sich ausschließlich im Mischbestand und regelmäßig auf den flachgründigen Kuppenlagen. Sie stellen eine teilweise Konkurrenz zur Eiche dar. In Edellaubholzmischbeständen darf die Buche in gehörigem Anteil als flexible Raumfüllerin und Bodenpfleger nie fehlen. Umgekehrt darf der Anteil an sog. Edellaubhölzern, insbesondere an Esche und Ahorn, in Buchenbeständen nicht zu hoch sein, um eine genügende Verjüngung der Buche für die nächste Generation sicherzustellen.

Fichte

Die Fichte ist im Vogelsberg nicht heimisch. Sie gedeiht jedoch auf besser Wasserversorgten Standorten sehr gut. Insbesondere muss ihre hohe Wuchsleistung und Qualität als Mischbaumart in Buchenbeständen hervorgehoben werden. In geschützten Lagen muss sie als Alternative zum Laubholz in begrenztem Umfang ernst genommen werden.

Kiefer

Die Kiefer ist hier nicht heimisch. Sie wurde im vorigen Jahrhundert flächig in Laubholzverjüngungen eingebracht, ebenfalls nach dem 2. Weltkrieg. Sie ist auf den guten Standorten um Eichelsdorf jedoch nicht in der Lage, Wertholz zu liefern und ist wegen der Nassschneehäufigkeit zu schneebruchgefährdet. Sie wird nicht mehr angebaut.

Lärche

Die Lärche ist hier ebenfalls nicht zu Hause. Sie zeigt jedoch allgemein hervorragendes Wachstum, wenngleich die Qualität des Holzes allgemein nur Mittelmaß erreicht. Sie wurde lange Jahrzehnte in die Buchennaturverjüngungen gepflanzt, um diese dicht erziehen zu können. Sie galt als Amme der Buche. Ihr Anbau wird heute vermindert zugunsten einer künstlichen Ergänzung der Naturverjüngung mit der Buche selbst.

Ausländeranbau:

Jap. Lärche, Strobe, Douglasie, Roteiche, Tannen

Von den sog. Ausländern haben sich in Eichelsdorf ausschließlich die Roteiche und die Douglasie bewährt. Sie werden in begrenztem Umfang weiter angebaut. Die Douglasie kann als Einmischung in die Buche sehr nützlich sein oder auf kleineren Flächen im Reinbestand zur Angleichung der Bewirtschaftung mit den Nachbarbeständen, die künftig eine Einheit werden sollen. Der frühere Anbau der Roteiche in Eichelsdorf hat zu sehr ermutigenden Waldbildern geführt. Insbesondere in Mischung mit Gleichalter, jedoch in den Unterstand absinkender Buche, bildet sie ökologisch stabile und gleichzeitig wertvolle Bestände. Sie wird kontinuierlich auf geeigneten Standorten in Mischung mit Buche weiterhin angebaut. Das Spektrum der hiesigen Wirtschaftsbaumarten ist also außerordentlich breit gefächert und bei deutlicher Dominanz der Buche ein Zeichen für die außerordentliche Standortgüte der Waldstandorte um Eichelsdorf.


8. Die Waldarbeit

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Waldarbeit nur "Knochenarbeit" war. Sie war eben reine Handarbeit mit einfachen Geräten wie Axt, Zugsäge, Schäleisen, Wendehaken. Der Holzrücker arbeitete alleine mit dem Pferd und alles war sehr mühsam. Entsprechend gering war natürlich die Arbeitsproduktivität, d.h. die Leistung/Zeiteinheit. Umgekehrt war der körperliche Verschleiß der Waldarbeiter sehr groß. Es gibt heute noch kaum einen Waldarbeiter, der bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres durcharbeiten kann. Zu hart waren die Arbeitsbedingungen für die jungen Waldarbeiter, und der Beginn der Motorsägenzeit war in diesem Punkt keineswegs besser. Die Zeit der Handarbeit hatte aber auch ihre Vorteile: Gerade im großflächigen Buchenverjüngungsbetrieb des Forstmeisters Bruchhäuser oder früher im Verjüngungsbetrieb des Forstrates Trautwein war die Handarbeit wegen der Minimierung der Schäden segensreich. Die moderne Forstwirtschaft hat Jahrzehnte gebraucht, um Maschinen und Methoden zu entwickeln, die massiveren Maschineneinsatz in solchen Verjüngungsbetrieben überhaupt erst zulassen. Die Zwischenergebnisse eines übertriebenen Maschinenglaubens in unseren Wäldern sind erschreckend. Aber es war wichtig, solche Erfahrungen zu machen und insbesondere war es wichtig, dass zur Entlastung des Waldarbeiters die Maschine in den Wald kam. Abgesehen davon, dass das Auto unser aller Leben verändert hat, brachte die Einmannmotorsäge eine Revolution im Walde. Im Verein mit der Arbeitswissenschaft, die sich ja auch mit dem effektiven Einsatz der Maschinen mit dem Ziel der Schonung von Waldarbeitern befasst, haben wir heute eine Maschinenausrüstung erreicht, die die Leistung gegenüber den ersten Nachkriegswaldarbeitern ca. verzehnfacht. Ein Waldarbeiter sollte heute mit 2 Einmannmotorsägen ausgerüstet sein und mit sonstigem technischen Kleingerät, so dass er auf jede Anforderung des Arbeitsauftrages ergonomisch und für seine Verdienstmöglichkeit flexibel reagieren kann. Waldarbeiter werden heute hochqualifiziert in dem anerkannten Ausbildungsberuf Forstwirt 3 Jahre bis zur Forstwirtprüfung ausgebildet und bei entsprechender Eignung kann sich eine Fortbildung zum Forstwirtschaftsmeister anschließen. Dem Forstmann stehen damit hochqualifizierte Facharbeiter zur Seite. Auch in der Revierförsterei Eichelsdorf wird eine solche Ausbildung betrieben. Das hat natürlich zur Folge, dass nur noch relativ wenige Waldarbeiter benötigt werden, unter hiesigen Verhältnissen etwa 1 Mann / 100 ha, das sind für die Revierförsterei Eichelsdorf 9- 10 Forstwirte. Zu der technischen Entwicklung im Fällungs- und Aufarbeitungsbereich gehört zwangsweise die Entwicklung im Rückebereich also dem Vorliefern an feste Wege hinzu.

Hier stehen heute in Eichelsdorf modernste Rückeschlepper zur Verfügung. Aber modernste Schlepper müssen nicht immer die besten sein, weil die großen Maschinen erhebliche Schäden an Boden und Bestand anrichten können. Sie müssen behutsam eingesetzt werden. Und dennoch ist die Entwicklung zu diesen Maschinen richtig und besonders die neuen Rückezüge sind von ganz großem Vorteil, weil sie das Holz nicht wegschleifen, sondern fahren und mit entsprechenden Kränen vorsichtig heben und ablegen können. Die Entwicklung wird hier weitergehen, aber das Pferd ist deshalb lange nicht vergessen, im Gegenteil. Heute wird im Schwachholzbereich wieder verstärkt mit dem Pferd gearbeitet.


9. Die Gesamtbedeutung des Waldes in der Gesellschaft

Alle bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass der Wald ein wichtiger Faktor in der Gesellschaft ist, auch in Eichelsdorf. Der Wald ist ein Wirtschaftsfaktor, weil er Holz in verschiedene Industriezweige liefert und Geld in Umlauf hält. Er ist auch in Eichelsdorf ein Arbeitsplatz, der sicher ist und andere Arbeitsplätze sichern hilft.

Der Wald von Eichelsdorf ist ein wichtiger Wasserspeicher zur Sicherstellung der Wasserversorgung und zur Abmilderung von Wasserabflussspitzen und Hochwassergefahren, er mildert die klimatischen Extreme zum Nutzen der Landwirtschaft und zum Wohle der Bevölkerung, er reinigt die Luft und fördert den Luftaustausch zwischen Siedlung und freier Landschaft. Der Wald wird somit zu einem nicht wegzudenkenden Faktor einer gesunden Umwelt, deren Regulationsmechanismen funktionieren sollen. Er ist in hohem Maße verantwortlich für unser Wohlbefinden. Das ist er auch für das Auge in der Landschaft, wenn er das Landschaftsbild prägt oder für unser seelisches Befinden, wenn wir den Buchendom betreten oder alte Eichen uns ihre Geschichte erzählen, die auch die Geschichte von Eichelsdorf ist.


10. Gefährdung und Schutz des Waldes

Doch dieser Wald ist auch im Raume Eichelsdorf gefährdet. Da treten Schäden durch Naturereignisse auf, wie im Winter 1984 durch den Sturm, aber es können auch schleichende Schäden durch die Luftbelastung und Grundwasserabsenkung nicht übersehen werden. Es ist schwer zu sagen, wie krank der Wald um Eichelsdorf ist, aber gesund ist er auch nicht mehr. Insbesondere die Rückenlagen sind deutlich betroffen, am deutlichsten der Wald auf dem Alteberg. Es gibt natürlich auch Schäden durch unsachgemäße Behandlung aus welchen Gründen auch immer. Meist werden solche objektiven Fehler durch andere Dinge erzwungen und können dann subjektiv nicht als Fehler empfunden werden. Dies trifft zum Beispiel zu für einen nicht standortgerechten Anbau der Fichte nach den angeordneten Waldbaugrundsätzen von 1906 für das gesamte Großherzogtum Hessen, nach denen die Fichte auf trockene Kuppenlagen gepflanzt werden sollte. Eine besondere Gefährdung stellt jedoch der Mensch selbst dar, wenn er nicht anerkennen will, dass der Wald in seinem Eigenleben nicht ständig gestört werden kann. Der Wanderer soll auf den festen Wegen bleiben und er soll die Gemeinschaft von Wald und Wild nicht stören. Feuer ist die große Gefahr, insbesondere im Frühjahr. Die nicht restlos geklärte Krankheit des Waldes ist eine ganz komplexe Stresskrankheit, und da kann eben jeder mithelfen, den Wald zu entlasten, wir alle müssen ihn in unserem eigenen Interesse schützen!

Der Forstmann muss den Wald insbesondere pfleglich behandeln; die älteren Bestände sind sehr empfindlich, sie müssen vielleicht früher, als vor den großen Waldschäden üblich, einer neuen Waldgeneration weichen. Gleichzeitig müssen die jungen Bestände so rechtzeitig und intensiv gepflegt werden, dass sie gesund und vital allen Angriffen mit zunehmendem Alter widerstehen können. Das alles bedarf großer Anstrengungen und der Hilfe und des Verständnisses aller Bürger.


11. Schlussbemerkung

Wenn die Dorfgemeinschaft von Eichelsdorf in ihre Festschrift zum 800-jährigen Bestehen eine Abhandlung über ihren Wald aufnimmt, so ist dies ein Zeichen dafür, dass die Eichelsdorfer ihren Wald schätzen und seine Bedeutung über die Jahrhunderte bis heute und in Zukunft erkannt haben. Es gibt da vielseitige Wechselbeziehungen zwischen allen Dorfgemeinschaften und den Wäldern, und in der deutschen Volksseele ist ja deshalb der Wald so tief verwurzelt. "Oh Täler weit, oh Höhen du schöner grüner Wald." Der Romantiker Eichendorff spricht uns auch heute noch aus der Seele.

Von Forstdirektor Dr. Ulrich Kappes.



Über die Pflanzen- und Tierwelt in der Umgebung von Eichelsdorf.

Bedingt durch die geographische Lage und die Geologie weist die Umgebung Eichelsdorfs recht unterschiedliche Lebensräume auf. Die phonologische Karte von Hessen (Wiesbaden 1974) gibt einerseits "ziemlich kühle" Regionen an den Nordseiten von Eichköppel und Kuhtrieb an, andererseits sind die Südlagen von Weinberg, Kleeberg, Eichköppel und Alteberg "mild" bis "sehr mild" eingestuft.

Hier ist das Untersuchungsgebiet einer Reihe von Wissenschaftlern, z.B. des "Künanzhauses" auf dem Hoherodskopf, denen wir eine Anzahl von Informationen, besonders über die Tierwelt (speziell Kleintiere), verdanken. Veröffentlicht sind diese in den "Hessischen Faunistischen Briefen" und den "Beiträgen zur Naturkunde der Wetterau".

So sind besonders am Eichköppel, aber auch an der Nidda, eine Reihe von Spinnentieren und Pseudoskorpionen festgestellt worden, die hier ihr nördlichstes Verbreitungsgebiet haben, Tiere, die eigentlich im mediterranen (Mittelmeer-) Bereich ihren Lebensraum haben. Diese Arten sind für Laien allerdings nur schwer zu erkennen und zu unterscheiden. Einfacher wird es mit den Wirbeltieren. Hier sollen nur einige Arten genannt werden, vielleicht kann der Leser, der mit offenen Augen durch die Landschaft geht, die eine oder an­dere Tierart entdecken.

So hat man am Niddalauf das geographisch höchste Vorkommen des Gelbspötters festgestellt (Heerde, Naturkunde der Wetterau, 1/83): "Hier hat die Nidda schon den Charakter eines schnell fließenden Mittelgebirgsbaches. Statt der Nachtigall tritt die Gebirgsstelze in der Nachbarschaft des Gelbspötters auf. Er ist hier nur in den Bachbegleitenden Gehölzen zu finden, im Gegensatz zu den breiten Tälern des Nidda- Unterlaufes, wo er auch entfernt vom Fluss in den Gehölzen am Rande des Tales vorkommt." Gebirgsstelze, Bachstelze, aber auch die seltene Wasseramsel und den Eisvogel kann man mit einiger Geduld am Eichelbach oder manchmal auch an der Nidda beobachten. Die Nachtigall kann man im Frühsommer am Eichköppel hören. Diese Vogelarten kommen in einigen Brutpaaren hier vor.

Die kleine Graureiherkolonie am Rande des Eicheltales existierte leider nur etwa 4 Jahre, man kann aber immer wieder diesen größten Schreitvogel unserer Gegend im Eichelbachtal beobachten oder den Ort überfliegen sehen. Brutvogel in den angrenzenden Waldgebieten ist auch der Rotmilan, ein Zugvogel, der in Deutschland auf der "Roten Liste der bedrohten Vogelarten" steht (wie auch die vorher genannten Vogelarten). Den Rotmilan kann man bereits früh im Jahr, in diesem Jahr trotz langem Winter Ende Februar, über dem Tal kreisen sehen.

Andere seltene hier vorkommende Brutvogelarten sind der Neuntöter, ein Bewohner der Heckengebiete, der Steinkauz, der alte Obstbaumbestände bevorzugt und die hier ebenfalls beheimateten Grünspechte und großen Buntspechte. Grauspecht und Schwarzspecht bevorzugen größere Waldbestände und sind im Frühjahr um Eichelsdorf zu hören. Viele Singvogelarten können bei den jährlichen Vogelstimmenwanderungen der Vogelschutzgruppe Eichelsdorf bestimmt werden: Hausrotschwanz, Grasmückenarten, verschiedene Meisen, Teichrohrsänger, Ammern, Kleiber, Baumläufer und viele mehr. Oftmals sind es auch noch Durchzügler, die hier im Frühjahr auf ihrem Weg zu den weiter nördlich gelegenen Brutgebieten rasten: Pirol, Flussuferläufer, Fischadler, Schellente, Tafelente, Zwergtaucher, Waldschnepfe, Raubwürger u.s.w. Das Niddatal ist Teil des europäischen Zugwanderweges unserer Zugvögel. Mitte Dezember 1986 wurden hier etwa 250 durchziehende Kraniche beobachtet, die nach Mitteilung von Beobachtern auf dem Höhenzug in Richtung Ulfa auch rasteten.

Um Eichelsdorf gibt es eine Reihe kleinerer Gewässer, so genannte "Feuchtbiotope"; darunter versteht man Gräben, Tümpel, Teiche, Fischteiche, Fahrspuren, kleine Hangquellen, feuchte Wiesen, die lebensnotwendige Laichplätze für Amphibien sind. In einer Amphibienkartierung wurden innerhalb von 3 Jahren folgende Arten ermittelt: Grasfrosch, Erdkröte, Grünfrösche, Teichmolche, Bergmolche, Fadenmolch, Gelbbauchunke und Feuersalamander (Kahmmolch). Dies sind eigentlich alle die Arten der 16 in Deutschland vorkommenden Amphibienarten, die in unserer Region vorkommen könnten. Die Vorkommen dieser 9 Arten in der Umgebung Eichelsdorfs sind trotz allem stark gefährdet.


Die Pflanzenwelt weist auch einige Besonderheiten auf:

Der Niddalauf oberhalb von Eichelsdorf ist ein in Hessen kaum noch vorkommender "Erlen-Sumpfwald der Tieflagen", die Vegetationskarte der Bundesrepublik Deutschland bescheinigt auch dem Eichelbach einen sehr seltenen "fast lückenlosen Bachbegleitenden Erlenwald mit Bruchweiden (Salix fragilis)" (Bonn, 1981, S. 300, bzw. Begleitkarte). Beide Lebensräume prägen die Umgebung und beheimaten eine große Anzahl von Tieren und Pflanzen. Der natürliche Bachlauf, der bisher gottlob noch nicht verbaut oder begradigt wurde, ist außerdem unbedingt notwendig für die Selbstreinigung des Fließgewässers. Untersuchungen der Pflanzenwelt an der Eichelbachmauer sind an einer anderen Stelle beschrieben.

Nährstoffarme Magerrasenflächen an Alteberg, Eichköppel und am Kuhtrieb, Feuchtwiesen in der Haisbach und den Bornwiesen, Wallhecken auf dem Eichköppel bieten einer Reihe selten gewordener Pflanzen einen Lebensraum: Wacholder, Orchideen (Geflecktes Knabenkraut, Kleines Waldvögelein), Trollblumen, Schlüsselblumen, Immergrün sind einige Arten, die in der Umgebung Eichelsdorfs zwar noch vorkommen; sie zeigen aber auch immer wieder, wie anfällig die Natur gegenüber den menschlichen Eingriffen ist. Dieser kleine Überblick zeigt einen Ausschnitt aus der Vielfalt der Natur, dem eigentlichen Kapital unserer Gegend. Dieses Kapital sollten wir nicht vergeuden. Die Natur beginnt vor unserer Haustüre.

Literatur:

Schriftenreihe für Vegetationskunde, Heft 15

(Vegetationskarte der Bundesrepublik Deutschland) Bonn-Bad Godesberg 1981)

- Hessische Faunistische Briefe, Darmstadt- Hessische Floristische Briefe, Darmstadt

- Beiträge zur Naturkunde der Wetterau, Friedberg- Amphibienkartierung des Landes Hessen - Wuchsklima- Gliederung von Hessen, Wiesbaden 1974

Von Kurt Brauer.


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