Sie sind hier: Erzählungen. Große Wäsche anno dazumal.
"Gewaschen, gebacken, geschlachtet und die alte Eller begraben alles in einer Woche!" Diesen Seufzer kann man gelegentlich noch hören, wenn jemand eine arbeitsreiche Zeit glücklich hinter sich gebracht hat. Dass das Backen im Backhaus, das Hausschlachten und das Begraben mit viel Mühe verbunden war, liegt auf der Hand. Das Waschen als mühsam zu bezeichnen, das leuchtet uns Heutigen nicht sofort ein. Schließlich erledigt das ja die Waschmaschine. Wie gestaltete sich die Reinigung der Wäsche aber in früheren Zeiten?
Vor etwa einhundertfünfzig Jahren noch wusch man nur einmal im Jahr. Das war eine längerdauernde und anstrengende Prozedur, bei der man einige Tage strahlenden Sonnenschein brauchte. Deswegen lag der Termin für die große Wäsche im Sommer nach der Heuernte, aber noch vor dem Schnitt der Wintergerste. Jeder Haushalt verfügte über genügend Bett- und Leibwäsche für ein ganzes Jahr. Verschmutzte Wäsche wurde bis zum nächsten großen Waschtag, also manchmal fast ein Jahr lang aufbewahrt. Zudem hatte man seinerzeit andere Vorstellungen über Hygiene und Sauberkeit, so dass man die Wäsche nicht so häufig wechselte, wie das bei uns heute der Fall ist.
Bei der großen Wäsche von anno dazumal wurden alle Stücke tags zuvor im Waschkessel in der Waschküche eingeweicht. (Der Waschkessel diente auch zum Wurstkochen beim Schlachten oder zum Kochen von Pflaumenmus.) Als es noch nicht üblich war, Kernseife zu verwenden, stellte die Hausfrau sich ihre Waschbrühe aus Buchenholzasche selbst her. Die Wäsche wurde im Waschkessel tüchtig gekocht. Anschließend wusch man Stück für Stück mit den Händen durch. Waschbretter sollen im Hüttenberger Land kaum gebräuchlich gewesen sein. Nun wurde die Wäsche getrocknet, sah dann aber grau aus, was zum Teil auf die Buchenholzaschenwaschbrühe zurückzuführen gewesen sein dürfte. Die grauen Wäschestücke wurden im Sonnenschein auf dem Rasen ausgebreitet und immer wieder mit Wasser übergossen; auf diese Weise bleichte man sie. Nach einiger Zeit war die Wäsche dann wieder weiß. Manche Wiesen heißen bis heute "die Bleiche", ein Hinweis darauf, dass man dort Wäsche zum Bleichen auslegte. Die "große Wäsche" konnte eine ganze Woche lang dauern. Später wusch man dann einmal monatlich. Dadurch fiel nicht so viel Wäsche an. Man verwendete dazu Kernseife und hatte in zunehmendem Maße einfache Bottichwaschmaschinen, die man zu zweit mit Hilfe von Kurbeln bedienen konnte. Der "Waschtag" war bei Kindern meist sehr unbeliebt. Im Haus roch es dann nach Waschbrühdampf, und zum Mittagessen gab es meist nur dünne Suppen, weil die Mutter wegen der Arbeit in der Waschküche keine Zeit zum Kochen hatte.
Von Heinz- Lothar Worm.
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