Sie sind hier: Chronik. Schule.
1612 Der erste namentlich genannte Schulmeister. Johannes Wilhelm.
1895 Das alte Schulhaus wird abgerissen und das heutige errichtet. Das Gebälk des alten Schulhauses wird nach Wingershausen verkauft und dort wieder aufgebaut. Bild des Gebäudes heute.
1926 Renovierung der Schule.
16.10.1955 Renovierung und Umbau der Schule. Ein neuer Saal wird im Pavillon Stil gebaut und aus 3 kleinen Räumen im Hauptgebäude werden 2 grosse.
1985 Das Dach der Schule wird instandgesetzt und mit Schiefernplatten eingedeckt. 1 Jahr später erfolgte die Sanierung der Aussenfassade. (Pausenhof)
01.07.1995 Jubiläumsfest zum 100jährigen bestehen des Schulgebäudes.
22.06.2011 Schließung der Schule.
Wilhelm Würz 1923 - 1954 Schulleiter, Ferdinand Hermann 1948 - 1964, Gertraud Tannert 1949 - 1964, Arthur Knetsch 1956 - 1960 Schulleiter, Rudolf Mehlig 1960- 1961, Hans-Werner Knaus 1961 - 1988, Erich Stötzel 1964 - 1965 Schulleiter, Joachim Gottwald 1965 - 1977, Joachim Pollmar 1965 - 1968, Almut Küchler 1965 - 1969, Brigitte Pollmar 1968 - 1978, Herbert Schenk 1969 - 1973, Patricia Rausch 1973 - 1977, Kurt Brauer 1974 - 1977, Andrea Hess 1978 - 1990, Liselotte Knaus-Weitz 1977 - 1984, Renate Kroh iiH 1984 - 1988, Patricia Rausch 1988, Joachim Gottwald 1988 Schulleiter, Renate Fey 1990.
Ein besonderes Anliegen als Heimatforscher und Lehrer konnte Wilhelm Würz nicht verwirklichen: eine umfassende Schulgeschichte von seinem Heimatort Eichelsdorf zu schreiben. Seine Quellensuche brachte wenig zutage, die Gemeindeakten, und damit die Unterlagen über die Schulverhältnisse, sind nicht erhalten. Hinweise finden sich nur spärlich im Staatsarchiv, in der hiesigen Pfarrchronik und im "Hessischen Lehrerbuch" (Hassia sacra X). Auf eine chronologische Darstellung müssen wir daher verzichten und uns auf einige "Bilder" beschränken. Die Volksschule in Hessen, wie überhaupt in Deutschland, entwickelte sich erst aus Denkanstößen und Forderungen der Reformation. Martin Luther machte in seinen Schriften, u.a. im "Sendschreiben an die Bürgermeister und Ratsherren" 1524, der Obrigkeit zur Pflicht, Schulen einzurichten und ihre Untertanen zu zwingen, die Kinder zur Schule zu schicken. Die Gedanken und Vorstellungen des Reformators fanden bei dem hessischen Landgrafen Philipp (dem Großmütigen) großes Verständnis, denn dieser Fürst war den sittlichen und erzieherischen Grundsätzen viel mehr zugeneigt als den theologischen. Doch brachten es die unsicheren Zeitverhältnisse mit sich, dass er dem Schulwesen nicht die notwendige Teilnahme widmen konnte.
1567 waren in der Landgrafschaft Hessen- Darmstadt noch keine Volksschulen vorhanden, 1596 im Darmstädter Land aber schon 27. Dort bestand ein gewisser Zwang zum Schulbesuch, da ohne genügende Kenntnisse in Religion, Lesen und Schreiben ein Kind nicht zur Konfirmation zugelassen wurde. Als Georg II. (der Gelehrte) 1626 die Regierung übernahm, tobten schon die Stürme des 30 jährigen Krieges über Deutschland. Trotzdem war der erst 21 Jahre alte Fürst nicht gewillt, das Werk der Volksschule untergehen zu lassen, sondern im Gegenteil vorwärts zu treiben. Um eine feste Grundlage für seine Arbeit zu erhalten, ließ er von 1627-1629 eine "Generalkirchenvisitation" vornehmen, die sich eingehend auch mit dem Schulwesen zu befassen hatte. Aufgrund einer "Instruktion" waren genaue Fragen zu beantworten über den Schulmeister, das Schulgebäude und das Schulleben. Dazu erschien die Kommission in den Dörfern und informierte sich über die Verhältnisse vor Ort. Das Ergebnis der Besichtigung ist in einem umfangreichen Protokoll vom 15.11.1628 über das Kirchspiel "Eygelsdorff" festgehalten. Als damaliger Pfarrer wird Tobias Plaustrarius, zu deutsch "Wagner" genannt, der Schulmeister hieß Hans Commen (Kammer), die Senioren (Kirchenvorsteher) Peter Diel und Conradt Blum zu Eichelsdorf, Johann Schmitt und Peter Rau von der Ober- Schmitten. Der Ausschuss bestand aus Wolf Scheffer und Georg Nagel von hier, Jakob Bernhard und Peter Seiler aus Ober- Schmitten. Als Kastenmeister (Rechner) amtierten Peter Wertz und Johannes Schmitt. Auch der Förster Matthäus Bilhardt wird erwähnt. Der Gemeinde stellte die Kommission für das Katechismus-Examen ein betrübliches Zeugnis aus: "seind insgemein Alt und Jung schlecht bestanden, derowegen ihr Unfleiß und Unwissenheit gescholten und sie zur embsigen Lernung des Katechismus, wie auch fleißiger Anhörung der sonntäglichen Predigten ermant worden." Wer trug Schuld an dieser Misere? Die Ausschussmitglieder der Gemeinde klagten über den Pfarrer, er lese die Predigten aus einem Brief, halte zu wenig Gottesdienst und keine Kinderlehre, auch seien keine Betstunden. Der Schulmeister wurde auch in die Verantwortung genommen, es heißt, er sei unfleißig und könne nicht schreiben. Er wurde wohl deshalb abgelöst, denn 1629 ist von einem Schulmeister Gerlach Kopel die Rede. Ein Schulhaus war hier nicht vorhanden, und nur im Winter fand Unterricht statt, das Schulgeld betrug pro Kind im Jahr 1 fl(Gulden). Aus diesen Unterlagen wird ersichtlich, dass das Schulwesen auf dem Lande dringend besserer Förderung und Aufsicht bedurfte.
Nach dem "Hessischen Lehrerbuch" gab es in Eichelsdorf schon vor 1600 "Schule". Der erste namentlich genannte Schulmeister war Johannes Wilhelm. Er bittet 1612 (laut Pfarrchronik) um Gewährung von Brennholz und Mastfreiheit für seine Schweine, das Einkommen aus der Schule sei "nit über 15 Gulden". Sein Nachfolger Johannes Götz starb am 22. Februar 1622, wie ein aufgefundener Grabstein in der Kirche aussagt. Auf der Inschrift beklagt der "ehrbare" Schulmeister sein Schicksal: "Ich hat vil Bekümernis in meinem Leben, aber Herr Dein Vertröstung ergetzet mein Sele." Man fragt sich, wie es überhaupt möglich war, dass ein Lehrer amtieren konnte, ohne die Kunst des Schreibens zu beherrschen? Dieser merkwürdige Hinweis führt uns zu den Anfängen der Geschichte des Lehrerstandes, der aus dem Stande der Kirchendiener hervorgegangen ist. Als die Kirche sich entschloss, ihren jungen und alten Gemeindegliedern die Kunst des Lesens beizubringen, griff sie auf geeignete Kirchendiener zurück. Schreiben, Rechnen und andere Fächer waren für die Kinder und Erwachsenen nicht so wichtig, wie das Lesen, das zur Benutzung von Bibel, Katechismus und Gesangbuch unbedingt erforderlich war. So wird verständlich, dass ein Dorf einen Schulmeister haben konnte, der das Schreiben nicht beherrschte. Und das fehlende Schulhaus? Der Unterricht wird wohl in einer grossen Stube im Hause des Kirchendieners erteilt worden sein, vielleicht in Schichten. Das erste hessische Schulpflichtgesetz von 1634, nach dein "alle Knaben und Mägdlein, sie seien arm oder reich, die nur das Alter erreicht haben, dass sie etwas fassen und erhalten können, zum wenigsten, bis sie lesen und schreiben können, in die Schule müssen", ließ sich vorerst nicht realisieren, denn die schreckliche Pestseuche 1635 und die Kriegswirren dezimierten die Bevölkerung um fast die Hälfte, und die Menschen plagten andere Sorgen.
Im Herbst 1648 fand eine "Politische Visitation" statt, und ein Lehrer wird erwähnt, (wahrscheinlich) Hermann Kommer (Kummer), der bis 1660 hier amtierte. Der "gottlose" Mann erlangte eine traurige Berühmtheit. Er ist der erste urkundlich vermerkte Tabakanbauer im Gebiet des Vogelsberges und ein fahrlässiger Brandstifter, der den Brand des Kirchenspeichers und des Kirchturmes verschuldete (19. Sept. 1657). Er benutzte den Dachboden der Kirche zum Trocknen seiner Tabakblätter - und seine Dienstboten hatten wohl geraucht. Sein folgenschweres Verhalten büßte er auf ungewöhnliche Weise. Mehrmals wanderte er durch halb Deutschland und sammelte Geld für seine Heimatkirche. Zu dem Thema "Rauchen", heute ganz aktuell, schreibt der Dichter Gustav Freytag von seinen Anfängen: "Das Tabak-Rauchen, oder wie man damals sagte, Tabak Trinken, Essen und Schnupfen verbreitete sich schnell in allen Heeren, und die Wachstuben wurden dem Nichtraucher ein beschwerlicher Aufenthalt. Dieser Brauch, im Anfang des Krieges durch die Holländer und englische Hilfstruppen zu den deutschen Soldaten gekommen, war am Ende des Krieges so gewöhnlich, dass in jedem Bauernhaus eine Pfeife zu finden war, dass die Lehrjungen und von zehn Tagelöhnern neun während der Arbeit rauchten." In der Aufbauzeit nach dem großen Krieg packten die Eichelsdorfer und Ober Schmittener ihre gemeinsamen Probleme energisch an, "kratzten ihr weniges Bargeld zusammen" und brachten schrittweise ihre Kirche wieder in Ordnung. Sie errichteten zudem noch ihr erstes Schulhaus. Die Zeit der Entstehung (um 1670) und der genaue Standort bleiben allerdings ungeklärt, die Erwähnung des Gebäudes findet sich in einem Bericht über ein Unwetter: "Am 29. August 1674 hat sich in der Nacht ein großer Regen und Wasserguss erhoben, da dann das Gewässer im Dorf dermaßen angelaufen und gewachsen, dass es häusertief beim Pfarrhaus gewesen, warf das Neuerbaute Schulhaus über einen Haufen, dass die Schulmeisterin samt 2 Kindern im Wasser gestorben, der Schulmeister samt 2 Kindern lebendig erhalten worden; fing um 10 Uhr an zu regnen, um 12 Uhr lag schon das Schulhaus über einen Haufen!" Der bedauernswerte Mann war sicher Johannes Orth, seit 1673 hier tätig und bis 1897 im Dienst. Der Nachfolger Johannes Myll (Mühl) blieb nur bis 1703 und ging deshalb weg, weil er einen Teil seiner Einkünfte an seinen Vorgänger (gestorben 1705) abtreten musste, es gab damals noch keine Pensionierung eines alten Beamten. Nach den Akten zu urteilen, war die Zeit um 1690 für Kirche und Schule in Eichelsdorf ein erfreulicher Abschluss der Entwicklung in den Nachkriegsjahren. 1693 konnte die neue "Orgel geschlagen werden, von dem Meister selbst zu Florstadt", und aus demselben Jahr erfahren wir durch eine "Schulbestallung", dass wieder ein Schulhaus gebaut war, mit Glockenturm und Uhr.
Der Vertrag hat folgenden Wortlaut: "Ein Schuldiener zu Eichelsdorf hat laut Erklärung der Gemeinde Anno 1693 beschehen: 1. Von jeglichem Kind, das in die Schule gehet, 1/2 fl (Gulden) an Geld, der fl zu 30 Albus, der alb. zu 8 Pfg. gerechnet. NB. Zuvor hat ein Kind 1 Gulden geben müssen nach Fürstlicher Kirchenordnung. Weilen aber mancher Mann viel Kinder hat und es ihm schwer fiel 2...3... oder mehr Kinder in die Schule zu schicken, hat man zwar zuvorgemeldeten Gulden gesetzt, aber doch mit denjenigen, die keine Kinder haben und doch beitragen müssen, auch im anderen ihn wieder ersetzt. 2. Von jeglichen Mann 1/2 Meste Korn hiesigen Maßes, welches Korn jedes Mal durch die Bürgermeister und Vorsteher soll erhoben werden. 3. Von der ganzen Gemeinde 2 Gäng Brot. 4. 6 fl. von Stellung der Uhr, den fl. zu 27 alb., der alb. zu 8 Pfg. gerechnet. Was zuvor an Wieswachs, Glocksichling auf dem Ulfer Berg und in der Artzbach und Accidentien gewesen, bleibet ungekränkt. Eine Wiese, die Glock-Wiese genannt, liegt an Herrn Oberforstmeisters Herr von Bobenhausen adeliger Heiligenwiese, beiläuftig 1 Morgen haltend (heute Glokkenacker). 1 Morgen Wiesen vor dem Buchwald. 1 Gärtchen nahe bei dem Kirchhof, worauf etliche Kirschbäume stehen. 1 Lappen in der Motzengasse. Der ganze Kirchhof gehört dem Schuldiener zu grasen. Seine Behausung. Die Orgel muss er schlagen, den Klingelbeutel umtragen und das Geläut in Kirche und Schulhaus versehen und die Uhr stellen. An Accidentien (d.h. Gebühren für besondere Amthandlungen): Von einer Kindtauf, ohne wenn ihm der Pfarrer etwa einen alb. von dem Opfer vor die Armen reichet. 10 alb. Von einer Hochzeit, da dann die Schüler auch 10 alb. von einer gar armen, von einer mittelmäßigen oder reichen ihre Suppe bekommen, wie dieses vor diesem jederzeit bräuchlich gewesen. Will einer die Orgel geschlagen haben, lebet er gegen den Schuldiener erkenntlich. 10 alb. von einer Leich, die Schüler aber bekommen Weißbrot und genießt der Schuldiener die Mahlzeit ohne Abkürzung seines Lohnes. Von jedem Haus hat der Schuldiener 9 Pfg. von Eichelsdorf und Ober-Schmitten, der Glockschilling genannt. 3 Schilling vom Opfersäcklein herumzutragen, gibt der Kastenbau (Kirchenkasse) 2 fl. Zuschuss aus dem Kastenbau. Ein Stück Wiese vor demBuchwald. NB. Wann er mit den Schülern auf Begehren nachher Ober-Schmitten gehet, eine Leich da abzuholen, muss ihm selbiges sonderlich verlohnet werden, sonsten er oben im Dorf bei der Linde den Toten mit den Schülern erwarten muss. Ober- Schmitten hat sich beschweret bei dem Herrn Superintendenten wegen de 1/2 Meste Korn, weil sie weiter in die Kirch hätten als Eichelsdorf und geben nun noch einen Vierling Korn."
Diese Schulbestallung ist aufgesetzt und unterschrieben von den Bürgermeistern. Und als Ergänzung: "Anno 1699, den 27. Oktober ist Herr Johannes Myll, Schuldiener allhier zu Eichelsdorf und Ober-Schmitten, bei Ihrer Fürstlichen Durchlaucht.. mit einem untertänigsten Memorial (Gesuch) einkommen und haben Ihre Fürstliche Durchlaucht die Schul mit zwei Klaftern Holz jährlich begnadiget laut Fürstl. Decret." Jeder Ort hatte damals für Schulgebäude und Bezahlung der Schulmeister selber aufzukommen. Eine wohlhabende Gemeinde konnte demnach mehr für die Ausbildung ihrer Kinder tun als eine arme Gemeinde, die räumlich und personell nur das Nötigste zu bieten hatte. Die Bahrentlohnung war mehr schlecht als recht, Pfarrer und Lehrer hatten einen Teil ihres Lebensunterhaltes mit eigener Landwirtschaft zu bestreiten. Das zählte mit zur Besoldung und wurde angerechnet, ebenso wie die Befreiung von allen Gemeindelasten, Wach- und Frondiensten. Um sein Einkommen zu erhöhen, versah der Schulmeister den Glöcknerdienst oder entwickelte eigene Initiativen, wie Schreiberdienste. Zu seinen Pflichten gehörte auch das Vorsingen im Gottesdienst und bei Beerdigungen. An bestimmten Feiertagen erhielt er zusätzliches Geld aus der Kirchenkasse. Zwischen Kirche und Schule bestand also ein enges Arbeitsverhältnis, und die Kirche trug einen Teil der Kosten für den Schulmeister. Die Schule unterstand dem Pfarrer und hatte vor allem die Aufgabe, über das Lesen und Schreiben Bibelkenntnisse und Sittenregeln zu vermitteln, sowie Kirchenlieder zu lernen. In kleinen Gemeinden fehlten meist qualifizierte Lehrkräfte für dieses Amt, so dass man auf "Gehilfen" angewiesen war, die Pfarrer sollten in diesem Fall darauf sehen, dass "taugliche Männer erwählt werden, welche die Kinder zu guten Sitten und zu löblichen Studien mit Erfolg anhalten können". Erst ab dem 18. Jahrhundert mussten sich die Schulmeister einer Prüfung unterziehen und ihre Lehrbefähigung nachweisen. Das bekannte Lied "vom armen Dorfschulmeisterlein" bringt in seinen spöttischen Versen die Meinung der Leute über das geringe Ansehen der Lehrer dieser Zeit zum Ausdruck. Die Oberschmittener Kinder gingen bis dahin nach Eichelsdorf zur Schule. Sie wollten aber eine eigene und machten Eingaben bei den Behörden. Zunächst wurde es der Gemeinde gestattet, einen Winterschulmeister anzunehmen. Nach einem Vertrag mit Johann Heinrich Götz aus Eichelsdorf vom 4. November 1730 hatte er "morgens früh auf die Oberschmitte zu kommen und die dasigen Kinder treu und fleißig zu informieren." Dagegen "versprachen die Oberschmitter so Kinder schicken, von jedem Kind 20 alb. und des Tages einmal zu essen zu geben". Die Winterschule ging vor Ostern zu Ende, dann begann wieder der Schulgang nach Eichelsdorf. Um 1750 bekam die Nachbargemeinde ihre eigene Schule.
Für die nächsten Jahrzehnte sind von der Eichelsdorfer Schule keine nennenswerten Ereignisse hinterlassen. Ein Lehrer unterrichtete die Schüler in einer Klasse, vom 1.- 8. Schuljahr. Sicher lag die Zahl unter 100, denn diese Richtzahl galt lange Zeit als Grenze. Eine zweite Klasse musste dann 1871 eingerichtet werden. Den Unterricht der "Kleinen" verlegte man in das alte Forstamt in der Eichköppelstraße (heute Haus Schmittberger), aber das konnte keine Dauerlösung sein. Das Schulgesetz von 1874 regelte für das ganze Land den Bau von Schulen und Lehrerwohnungen. Danach durfte der Platz für das Schulhaus nicht in der Mitte der Wohnbezirke liegen, nicht an verkehrsreichen Straßen oder in der Nähe von Gewässern und Gewerbeanlagen. Gefordert wurden Massivbauten. Die Schulzimmer sollten hell und freundlich sein. Auf mindestens 3,50 m war die Höhe der Schulräume festgelegt. Auch die Zahl und Größe der Fenster und sogar die Höhe der Schulbänke bestimmte die Baubehörde. Abweichungen von diesen Richtlinien bedurften der Genehmigung der Abteilung für Schulangelegenheiten beim Minister des Innern. Das Hauptgebäude unserer Schule ist das "neue Schulhaus von 1895", und die Vorschriften wurden strikt eingehalten - bis auf den Standort. Welche Gründe die Aufsichtsämter bewogen, die Lage an der Eichel und im Wohnbereich als Ausnahme zu genehmigen, sind nicht bekannt. Vielleicht bestanden die Eichelsdorfer darauf, dass sie statt der Kirche wenigstens "die Schule im Dorf lassen" wollten, sie galt, wie gesagt wird, als "Zierde des Dorfes". Das 200 Jahre alte Schulhaus an derselben Stelle, ein Fachwerkbau, hatte ausgedient, wurde abgerissen und das Gebälk nach Wingershausen verkauft. Mit dem Neubau schienen die Schulsorgen der Gemeinde auf längere Sicht beseitigt. Einige Jahre nach dem 1. Weltkrieg läutete die neue Turmglocke (1921 gekauft von der Kirche in Gersdorf an der Oder) schon wieder über vollbesetzten Schulsälen. 70-80 Schüler saßen in jeder Klasse, nach dem Schulgesetz sollten es höchstens 50 sein. Das Schulgebäude wurde zwar 1926 renoviert, doch fehlte für die Einrichtung eines zusätzlichen Unterrichtsraumes auf dem kleinen Schulgrundstück der dazu benötigte Platz, und auch die Geldmittel waren nach der Inflation äußerst knapp. Lehrer Würz, 1923 an unsere Schule versetzt, beurteilte die billigste Lösung des Problems so: "Ohne Einspruch der Behörde wurden aus den 2 geräumigen Schulsälen 3 zu kleine Räume geschaffen, die modernen Ansprüchen nicht genügen." Mit diesen beengten Schulverhältnissen musste man sich bis 1955 behelfen, und mancher ehemalige Schüler kennt sie noch aus eigenem Erleben.
Bei Wiederbeginn des Schulbetriebes nach dem 2. Weltkrieg standen zunächst die Probleme der wirtschaftlichen Not der Menschen im Vordergrund. Wichtig für die Schule war, dass Unterricht wenigstens regelmäßig und ohne großen Stundenausfall erteilt werden konnte und der Staat sich um mehr Einstellungen von Lehrern bemühte. Nach der Phase des Provisoriums musste man sich den Fragen einer Zielgerichteten Bildung stellen. Die Einwohnerzahl hatte sich durch die neu eingebürgerten Heimatvertriebenen beträchtlich vergrößert, das hieß auch mehr Schüler (1949 = 174 Schüler). Die Notwendigkeit zu bauen stand nicht zur Diskussion, nur in welcher Größe und damit verbunden die Finanzierung. Anfang der 50er Jahre ließ sich die Entscheidung nicht mehr hinausschieben: Neue Schule oder Erweiterung der bestehenden? Der "Kreisanzeiger" berichtete am 16.10.55: "Die Gemeinde entschloss sich zu einem großzügigen Um- und Neubau der Schule. Bürgermeister Meuer hatte viel Arbeit, jetzt ist das Werk vollendet. Die Gemeinde kann stolz sein auf das, was in verhältnismäßig kurzer Zeit geschaffen worden ist. Das alte Schulhaus wurde gründlich renoviert und umgebaut, ein neuer Saal wurde im Pavillon-Stil gebaut. Aus drei Räumen wurden zwei geräumige. Für die Neubauten und den Schulhof stand nur ein langes, schmales Gelände zur Verfügung. Es wurde eine Lösung gefunden, die den Verhältnissen gerecht wird. Der neue Pavillon teilt den Schulhof in zwei miteinander verbundene Spielplätze. Er hat nach Westen zu große Fenster, die den Raum mit Licht durchfluten. Die Außenwand zeigt ein sehr schönes Sgrafitti- Bild. Hinter der Pausenhalle liegen die sanitären Anlagen, Waschräume, Badeanlagen, Garderoberäume. Diese Räume haben ihre Entlüftung oberhalb des Daches der Pausenhalle, dadurch hat diese ein ganz eigenartiges Bild bekommen. Man muss schon sagen, dass die neue Schule mit viel Liebe und Sorgfalt ausgedacht (Architekt Wolf, Hirnbach) und ausgebaut ist. Die Schulkinder werden an den neuen Räumen ihre Freude haben."
Rückschauend wissen wir, dass die "Erweiterung" sich lediglich auf das Schulgrundstück und die Vergrößerung der Schulräume beschränkte, für den Unterricht standen wie vorher nur 3 Klassenzimmer zur Verfügung. Mit einem vierten Schulsaal, der ursprünglich eingeplant war, hätten sich keine Raumprobleme in absehbarer Zeit ergeben. Die Schwierigkeiten begannen in den 60er Jahren, als durch Senkung der Klassenfrequenzzahl der Schule die vierte Stelle zugewiesen wurde. Um Schichtunterricht zu vermeiden, diente die Bühne im Neuerbauten Bürgerhaus einer Klasse als Ersatzschulraum. Im Rahmen der Schulreform bildeten 15 Gemeinden im Umkreis im August 1966 einen Schulverband mit dem Ziel der Errichtung einer Mittelpunktschule in Nidda. Nach der Satzung sollten u.a. die Hauptschüler ab 5. Schuljahr zentral unterrichtet werden. Der Abschluss der erforderlichen Baumaßnahmen verzögerte sich aufgrund unterschiedlicher Auffassungen in der Schulpolitik, und erst seit 1. August 1977 sind alle Oberstufenjahrgänge in Nidda zusammengeführt. Mit dieser organisatorischen Änderung war auch gleichzeitig die Raumnot an unserer Schule beseitigt. Wo vorher oft bis zu 50 Schüler aus zwei oder drei Jahrgängen eine Klasse bildeten, konnten in der Grundstufe erstmalig Jahrgangsklassen eingerichtet werden. Für das 1.- 4. Schuljahr mit zusammen etwa 80 Schülern ergaben sich dadurch fast optimale Unterrichtsbedingungen. Der Kreisausschuss, zuständig für die Unterhaltung der Schulen im Kreis, bewertete die Schulsituation ebenso positiv und stellte die beantragten Geldmittel für die Außenrenovierung der Schule zur Verfügung. Das Dach des Hauptgebäudes wurde 1985 gründlich instand gesetzt und mit Schieferplatten neu eingedeckt, außerdem erhielt im vorigen Jahr die Außenfassade einen neuen Anstrich, Gesamtkosten etwa 150.000 DM. Mit einem Schulfest feierten Schüler, Eltern und Lehrer (bei tropischen Temperaturen) das besondere Ereignis, auch wenn ihre Freude mit leichter Enttäuschung verbunden war. Die Denkmalschutzbehörde entsprach nicht ihrem Wunsch, dem Schulhaus einen "kinderfreundlichen" Farbanstrich zu geben, sie bestand unverständlicherweise auf einem "klassischen" Grauton. Eine neue Schulfrage zeichnet sich schon seit einigen Jahren ab und bewegt derzeit die Eltern und die Schulpolitiker: Die Schülerfrage, d.h. der starke Geburtenrückgang und die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Unsere zweiklassige Schule ist aufgrund der gesunkenen Schülerzahlen in ihrem Bestand gefährdet, der Schulentwicklungsplan wird diskutiert, Entscheidungen stehen bevor. Werden Schüler in Eichelsdorf 1995 das 100 jährige Jubiläum in "ihrer" Schule feiern können?
Nach W. Würz.
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