Sie sind hier: Erzählungen. Sagen aus Eichelsdorf.
Als die Eichelsdorfer die Absicht hatten, eine Kirche zu bauen, sollte diese unten in den Grund, bei der Junkermühle, zu stehen kommen. Das litt aber der Teufel nicht. Alle Nacht trug er ihnen die Steine und das Holz hinauf auf die Anhöhe über den Ort. Es half und battete alles nichts, man musste die Kirche dahinbauen, wo sie jetzt noch steht, so ungelegen es den Leuten auch immer ist.
Unfern der Eichelsdorfer Kirche, welche einsam über dem Ort sich erhebt, liegen die Kellergärten. Hierhin waren vor vielen Jahren Leute gefahren, um Holz zu machen. Einer von ihnen sah eine goldiggelbe Schlüsselblume vor sich stehen und steckte sie, nachdem er sie abgebrochen, in den Mund. Sogleich kam ihm die ganze Gegend verändert vor. Er stand vor einem Berg, in welchen eine Tür hineinging, und sah eine hübsche weiße Jungfrau, die schien auf ihn zu warten und winkte ihm gar freundlich herbeizukommen. Der Mann folgte mit einigem Zittern. Die Jungfrau ging voraus und, indem er sich hart hinter ihr hielt, kam er durch einen dunklen Kellergang in ein hohes, lichtes Gemach, in welchem allerlei Schätze aufgehäuft lagen. Da warf er die Blume zur Seite und griff gierig nach dem vielen Gold, um sich die Taschen zu füllen. Aber die Jungfrau fing auf einmal an zu reden: "Freund, du hast das Beste verloren!" Darüber erschrak er und lief hinaus und hatte keine Ruhe, bis er heimkam. Ein paar Goldstücke fand er zwar in der Tasche, aber nie konnte er sich darüber trösten, dass er so einfältig gewesen und die Wunderblume fortgeworfen hatte. Denn die Jungfrau und die Tür ward nicht wieder vor ihm sichtbar.
Unterhalb Rainrod ist eine wilde Bergwand, nur hier und da mit Dorngestrüpp bedeckt, da stand vor alters ein hoher heiliger Wald und haben die Heiden drin Kirche gehalten. Im Schoß des Berges sind viele Reichtümer versteckt, welche ein boshafter Drache bewacht, der selten oder gar nicht ans Tageslicht kommt. Es ist eine kleine Höhle noch jetzt sichtbar, die heißt das Drachenloch. Daraus soll das Ungetüm manchmal hervorkriechen in mitternächtlicher Stunde, um in dem entfernten Mühlbache seinen brennenden Durst zu löschen. Dieser muss sehr gewaltig sein, denn kein Tropfen bleibt dem Müller übrig, und die Mühle steht stille, ehe man sichs versieht. Obschon es über eine Viertelstunde Weges ist, steckt der Drache denn noch immer mit seinem Schwanz in dem Loche, so scheußlich lang ist er.
Nach W. Würz.
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