Sie sind hier: Natur. Pflanzen und Tiere.
Bedingt durch die geographische Lage und die Geologie weist die Umgebung Eichelsdorfs recht unterschiedliche Lebensräume auf. Die phonologische Karte von Hessen (Wiesbaden 1974) gibt einerseits "ziemlich kühle" Regionen an den Nordseiten von Eichköppel und Kuhtrieb an, andererseits sind die Südlagen von Weinberg, Kleeberg, Eichköppel und Alteberg "mild" bis "sehr mild" eingestuft.
Hier ist das Untersuchungsgebiet einer Reihe von Wissenschaftlern, z.B. des "Künanzhauses" auf dem Hoherodskopf, denen wir eine Anzahl von Informationen, besonders über die Tierwelt (speziell Kleintiere), verdanken. Veröffentlicht sind diese in den "Hessischen Faunistischen Briefen" und den "Beiträgen zur Naturkunde der Wetterau".
So sind besonders am Eichköppel, aber auch an der Nidda, eine Reihe von Spinnentieren und Pseudoskorpionen festgestellt worden, die hier ihr nördlichstes Verbreitungsgebiet haben, Tiere, die eigentlich im mediterranen (Mittelmeer-) Bereich ihren Lebensraum haben. Diese Arten sind für Laien allerdings nur schwer zu erkennen und zu unterscheiden. Einfacher wird es mit den Wirbeltieren. Hier sollen nur einige Arten genannt werden, vielleicht kann der Leser, der mit offenen Augen durch die Landschaft geht, die eine oder andere Tierart entdecken.
So hat man am Niddalauf das geographisch höchste Vorkommen des Gelbspötters festgestellt (Heerde, Naturkunde der Wetterau, 1/83): "Hier hat die Nidda schon den Charakter eines schnell fließenden Mittelgebirgsbaches. Statt der Nachtigall tritt die Gebirgsstelze in der Nachbarschaft des Gelbspötters auf. Er ist hier nur in den Bachbegleitenden Gehölzen zu finden, im Gegensatz zu den breiten Tälern des Nidda- Unterlaufes, wo er auch entfernt vom Fluss in den Gehölzen am Rande des Tales vorkommt." Gebirgsstelze, Bachstelze, aber auch die seltene Wasseramsel und den Eisvogel kann man mit einiger Geduld am Eichelbach oder manchmal auch an der Nidda beobachten. Die Nachtigall kann man im Frühsommer am Eichköppel hören. Diese Vogelarten kommen in einigen Brutpaaren hier vor.
Die kleine Graureiherkolonie am Rande des Eicheltales existierte leider nur etwa 4 Jahre, man kann aber immer wieder diesen größten Schreitvogel unserer Gegend im Eichelbachtal beobachten oder den Ort überfliegen sehen. Brutvogel in den angrenzenden Waldgebieten ist auch der Rotmilan, ein Zugvogel, der in Deutschland auf der "Roten Liste der bedrohten Vogelarten" steht (wie auch die vorher genannten Vogelarten). Den Rotmilan kann man bereits früh im Jahr, in diesem Jahr trotz langem Winter Ende Februar, über dem Tal kreisen sehen.
Andere seltene hier vorkommende Brutvogelarten sind der Neuntöter, ein Bewohner der Heckengebiete, der Steinkauz, der alte Obstbaumbestände bevorzugt und die hier ebenfalls beheimateten Grünspechte und großen Buntspechte. Grauspecht und Schwarzspecht bevorzugen größere Waldbestände und sind im Frühjahr um Eichelsdorf zu hören. Viele Singvogelarten können bei den jährlichen Vogelstimmenwanderungen der Vogelschutzgruppe Eichelsdorf bestimmt werden: Hausrotschwanz, Grasmückenarten, verschiedene Meisen, Teichrohrsänger, Ammern, Kleiber, Baumläufer und viele mehr. Oftmals sind es auch noch Durchzügler, die hier im Frühjahr auf ihrem Weg zu den weiter nördlich gelegenen Brutgebieten rasten: Pirol, Flussuferläufer, Fischadler, Schellente, Tafelente, Zwergtaucher, Waldschnepfe, Raubwürger u.s.w. Das Niddatal ist Teil des europäischen Zugwanderweges unserer Zugvögel. Mitte Dezember 1986 wurden hier etwa 250 durchziehende Kraniche beobachtet, die nach Mitteilung von Beobachtern auf dem Höhenzug in Richtung Ulfa auch rasteten.
Um Eichelsdorf gibt es eine Reihe kleinerer Gewässer, so genannte "Feuchtbiotope"; darunter versteht man Gräben, Tümpel, Teiche, Fischteiche, Fahrspuren, kleine Hangquellen, feuchte Wiesen, die lebensnotwendige Laichplätze für Amphibien sind. In einer Amphibienkartierung wurden innerhalb von 3 Jahren folgende Arten ermittelt: Grasfrosch, Erdkröte, Grünfrösche, Teichmolche, Bergmolche, Fadenmolch, Gelbbauchunke und Feuersalamander (Kahmmolch). Dies sind eigentlich alle die Arten der 16 in Deutschland vorkommenden Amphibienarten, die in unserer Region vorkommen könnten. Die Vorkommen dieser 9 Arten in der Umgebung Eichelsdorfs sind trotz allem stark gefährdet.
Die Pflanzenwelt weist auch einige Besonderheiten auf:
Der Niddalauf oberhalb von Eichelsdorf ist ein in Hessen kaum noch vorkommender "Erlen-Sumpfwald der Tieflagen", die Vegetationskarte der Bundesrepublik Deutschland bescheinigt auch dem Eichelbach einen sehr seltenen "fast lückenlosen Bachbegleitenden Erlenwald mit Bruchweiden (Salix fragilis)" (Bonn, 1981, S. 300, bzw. Begleitkarte). Beide Lebensräume prägen die Umgebung und beheimaten eine große Anzahl von Tieren und Pflanzen. Der natürliche Bachlauf, der bisher gottlob noch nicht verbaut oder begradigt wurde, ist außerdem unbedingt notwendig für die Selbstreinigung des Fließgewässers. Untersuchungen der Pflanzenwelt an der Eichelbachmauer sind an einer anderen Stelle beschrieben.
Nährstoffarme Magerrasenflächen an Alteberg, Eichköppel und am Kuhtrieb, Feuchtwiesen in der Haisbach und den Bornwiesen, Wallhecken auf dem Eichköppel bieten einer Reihe selten gewordener Pflanzen einen Lebensraum: Wacholder, Orchideen (Geflecktes Knabenkraut, Kleines Waldvögelein), Trollblumen, Schlüsselblumen, Immergrün sind einige Arten, die in der Umgebung Eichelsdorfs zwar noch vorkommen; sie zeigen aber auch immer wieder, wie anfällig die Natur gegenüber den menschlichen Eingriffen ist. Dieser kleine Überblick zeigt einen Ausschnitt aus der Vielfalt der Natur, dem eigentlichen Kapital unserer Gegend. Dieses Kapital sollten wir nicht vergeuden. Die Natur beginnt vor unserer Haustüre.
Literatur:
Schriftenreihe für Vegetationskunde, Heft 15
(Vegetationskarte der Bundesrepublik Deutschland) Bonn-Bad Godesberg 1981)
- Hessische Faunistische Briefe, Darmstadt- Hessische Floristische Briefe, Darmstadt
- Beiträge zur Naturkunde der Wetterau, Friedberg- Amphibienkartierung des Landes Hessen - Wuchsklima- Gliederung von Hessen, Wiesbaden 1974
Von Kurt Brauer.
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