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Evangelische Kirche.

Die evangelische Kirche.


Kontakt

Evangelische Kirchengemeinden Eichelsdorf und Ober-Schmitten
Pfarrer Matthias Schwarz
Eichelstr. 30
63667 Nidda/Eichelsdorf
Tel.: 06043/2972
Mail: ekg-eichelsdorfKlammeraffe.t-online.de
Büro: Die 17-18 Uhr, Do 10-11 Uhr

Zwecks Archiveinsicht in alte Kirchenbücher wenden Sie sich bitte an das Archiv in Darmstadt. (Gesetzliche Regelung)
Internet: www.ekhn.de


Geschichte

1300 Bau der Kirche.

19.09.1657 Auf dem Dachboden der Kirche hat der gottlose Schulmeister Hermann Kummer Tabak getrocknet. Beim Aufhängen des Tabaks haben seine Dienstboten geraucht oder Licht (damals Kerze oder Öllampe) angehabt und dabei ist die Kirche in Brannt geraten und hat das Gebälk, die Glocke und Chorgewölbe zerstört.

1964-1965 Renovierung der Kirche. In dem Jahr wurde auch die Kanzel von alten Anstrichen befreit und so hergerichtet wie wir sie heute kennen.

24.11.1984 Durch einen Sturm wird das Kirchendach stark beschädigt.


Bilder:

Bilder anno dazumal.


Liste der in Eichelsdorf tätigen Pfarrer:

1528-??Vulffganges ?? lt. Herrn Pfarrer Peter, 1560-1604 Samuel Biedenkapp, 1604-1615 Valentin Fritsch, 1615-1624 Herman Beltzer, 1624-1628 Johannes Arcularius, 1628-1631 Bartholomäus Fabricius, 1631-1658 Philipp Faber, 1658-1665 Marcus Orth, 1665-1695 Christian Schmidt, 1695-1730 Christoph Ludwig Horn, 1730-1743 Joh. Ernst Beck, 1743-1762 Joh. Wilhelm Schlierbach, 1762-1806 Joh. Ludwig Wilh. Möbius, 1807-1822 Friedrich Schaum, 1823-1837 Johannes Rahn, 1838-1847 Joh. Wilhelm Wolf, 1848-1851 Friedrich Arnoldi, 1851-1861 Wilhelm Leihsler, 1861-1862 Karl Thun (Pfarrverwalter, sp. Forstmeister i. Laubach), 1862-1862 Georg Werner (Pfarrverwalter), 1862-1865 Wilhelm Weber, 1865-1873 Leonhard Kötz, 1874-1876 Julius Reusch, 1877-1912 Ludwig Fischer, 19012-1912 Ernst Bömming, 1912-1928 August Karl Scriba, 1928-1934 Herman Müller, 1934-1943 Pf. Voth, 1943-1943 Pf. Gebhard, 1943-1944 Pf. Biedenkapp, 1944-1959 Pf. Peter, 1959-1964 Pf. Gegenwart, 1964-1970 Pf. Teichert, 1970-1977 Pf. Dieter Oberst, 1980-2008 Pf. Hellmut Kern, 2008- heute Pf. Matthias Schwarz.


Die Kirchenorgel

Ein Bild der Orgel und die Bezeichnungen der verschiedenen Flöten finden Sie auf Organistenscout.de


Sage zur Kirche.

Als die Eichelsdorfer die Absicht hatten, eine Kirche zu bauen, sollte diese unten in den Grund, bei der Junkermühle, zu stehen kommen. Das litt aber der Teufel nicht. Alle Nacht trug er ihnen die Steine und das Holz hinauf auf die Anhöhe über den Ort. Es half und battete alles nichts, man musste die Kirche dahinbauen, wo sie jetzt noch steht, so ungelegen es den Leuten auch immer ist.


Die Kirche und ihre Kanzel.

Am Südwesthang des Vogelsberges zwischen den Städten Nidda und Schotten liegt Eichelsdorf. Bis ins 18. Jahrhundert hinein nannte man es Eigelsdorf. Die bekannte Niddaer Johanniter-Urkunde aus dem Jahre 1187 nennt die Kirche in "Eigelesdorph" als Tochterkirche der Kirche und Pfarrei Nidda. In einem alten "Pfarr-Register" aus dem Jahre 1706 heißt es über die Kirche: "Sie liegt außerhalb des Dorfes auf einem Hügel und der Kirchoff ist umb dieselbe her, mit einer zerfallenen Kirchhoffsmauer." Noch heute liegt die Kirche weithin sichtbar, außerhalb des Dorfes, denn der Ort ist nicht in dieser Richtung gewachsen. Sie besteht aus einem längsrechteckigen Schiff und einem östlich daran gebauten schmaleren Rechteckchor. Ihrem Aussehen nach wird sie wohl um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert entstanden sein. Es ist die Zeit der späten Romanik. Außer den schon seit Jahrhunderten üblichen Rundbogen treten auch schon Spitzbogen auf. Das Charakteristikum der gotischen Kirchenbaukunst, das Fenstermaßwerk befindet sich zu dieser Zeit noch in der Entwicklung. Bauhütten bilden sich, und die Zeugnisse und Erzeugnisse der damaligen Steinmetzen geben uns noch heute die Möglichkeit, Bauwerke zu datieren. Nur wenige Jahre bzw. Jahrzehnte vor dem Bau der Eichelsdorfer Kirche entstanden berühmte Bauten in näherer und weiterer Umgebung. Als Beispiele seien hier erwähnt die Burg in Münzenberg, die Kaiserpfalz in Gelnhausen und das Schloss in Büdingen. "Die Eichelsdorfer Kirche ist zwar kein solch bedeutender Bau, jedoch ist auch an ihr die Bauzeit ungefähr abzulesen. Die Außenmauern enden oben mit einem aus Sandstein gehauenen Gesims, an dessen Unterkante exakt der Außenputz anstößt. Genauso exakt setzte früher auf dem Profil das Dach auf. Das Gesims geht über auf die Giebelseite, wo es die ehemalige Dachneigung zeigt. Wenn es auch auf der Giebelseite unvollständig ist, so blieb doch die alte Giebelspitze im Mauerwerk erhalten, wodurch sowohl ursprüngliche Dachneigung und Dachhöhe genau erkennbar sind, allerdings nur auf dem westlichen, dem Dorf zugekehrten Giebel. Das Gesims ist sonst nur den Längsseiten von Schiff und Chor aufgesetzt und endet an deren jeweiliger Ostecke. Man hat also nur die dem Ankommenden sichtbaren Seiten mit dem Gesims ausgestattet. Das Bauen war auch damals schon teuer, und die Ostseite konnte nur von einem Teil der Friedhofsbesucher gesehen werden.

Über die Eckquaderung etwas auszusagen ist schwierig. Wahrscheinlich waren die sehr unregelmäßigen und zum Zeigen ungeeigneten Ecksteine am Schiff überputzt und als regelmäßige Quaderung aufgemalt, wie es aus verschiedenen Zeiten überliefert ist. Sonst sehen wir die Nordseite des Schiffes noch in ursprünglicher Gestalt. Ihre zwei sehr schmalen, hohen schlitzartigen Fenster und die entsprechenden Fenster, die früher auf der Südseite vorhanden waren, konnten den Innenraum nur spärlich belichten. Original ist auch noch das Ostfenster des Chores in seinem oberen Teil. Der fehlende untere Teil wurde 1964 ergänzt. Die alte Höhe des Fensters konnte aus der Struktur des Mauerwerks rekonstruiert werden. Aus etwas späterer Zeit stammt das Spitzbogenfenster in der Chornordwand. Weniger der zur Bauzeit der Kirche schon sparsam verwendete Spitzbogen als vielmehr seine gegenüber den drei anderen Fenstern unterschiedlichen Maße sind dafür das Kriterium. Ein weiteres Indiz für den wahrscheinlich späteren Einbau ist der weit verbreitete Brauch, die Chor-Nordwand ohne Fenster zu belassen. Allerdings kann das Fenster nicht später als im 14. Jahrhundert eingesetzt worden sein, denn es hat wie auch die drei rundbogigen Fenster den Brücken- oder Bogenstein, ein wichtiges Merkmal für diese frühen Fenster. Rund- bzw. Spitzbogen bestehen nämlich aus einem einzigen Stein. Erst später machte man solche Bogen, die dann meist etwas größer waren, aus mehreren Steinen. Der Westgiebel hat zwar im wesentlichen auch noch sein ursprüngliches Aussehen, jedoch wurde sein Umriss durch das steile Dach der Gotik verändert. Sehr bemerkenswert, aber wenig beachtet ist das aus vier Steinplatten mit verschiedenen Ausschnitten bestehende Fenster über dem Westportal. Das durch die frühere Einführung einer Elektrozuleitung leider zerschlagene Original musste 1964 zwar durch neue Platten ersetzt werden, doch sind die alten Formelemente genau kopiert worden bis auf die mittlere Öffnung, die nicht nachzuweisen war. Solche Maßwerkplatten sind aus dem 13. Jahrhundert mehrfach erhalten in Deutschland. Wir haben hier eine entwicklungsgeschichtlich bedeutsame Vorform des gotischen Maßwerks. Beim Materialsteg zwischen den einzelnen Löchern zeigt sich, dass die gleichmäßige Fensterrippe, die das voll ausgebildete Maßwerk erst möglich macht und dem Namen Berechtigung gibt, noch in der Entwicklung begriffen ist. Beim Fenster ist auch die Verglasung wichtig. Die Lichtöffnungen bei den Eichelsdorfer Fenstern sind verhältnismäßig klein. Es war zunächst ein technisches Problem, größere Scheiben durch Zusammenfügen von Bleiruten zu machen, die auch dem Winddruck standhalten konnten. Daher auch die zur Raumbelichtung erdachten schmalen hohen Fenster, bei denen nur ein geringer Winddruck aufzunehmen war. Die Mundgeblasenen Glasscheiben konnten damals nur in Handtellergröße hergestellt werden und wurden dann bei Fenstern wie denen in Eichelsdorf wohl nur durch waagrechte Bleisprossen und ein Randblei zusammengehalten.

Interessant ist das Eingangsportal, das innen rundbogig gebildet ist und eine äußere Spitzbogenblende hat. In einer inneren Kehle sieht man noch vier von elf nockenartig vorspringenden Verzierungen, auf deren runden Sichtflächen geometrisch gebildete, blütenartige Figuren zu sehen sind. Die meisten dieser Nocken sind leider im Laufe der Zeit abgeschlagen worden. Rundbogige Portale mit Spitzbogenblende haben auch die Kirchen in Fauerbach bei Nidda und Ettingshausen bei Lich. Das Innere der Kirche war bis ins 16. oder 17. Jahrhundert ohne Emporen. Die heutige Empore im Schiff stammt aus dem 18. Jahrhundert. Damals hatte man außen auf der Nordseite eine überdachte Holztreppe gebaut und die Wand durchbrochen: Erst bei der Renovierung von 1963-65 wurde die Treppe entfernt und der Mauerdurchbruch wieder geschlossen. Möglicherweise oder wahrscheinlich hatte die Kirche schon im 16. Jahrhundert eine Empore bekommen. Durch die Reformation und die daraus resultierende Umstellung vom Messgottesdienst zum Predigtgottesdienst wurden allenthalben in den protestantischen Stammlanden Emporen in alten Kirchen eingebaut. Wie eingangs erwähnt, war Eichelsdorf lange Zeit Filiale von Nidda, und die Landgrafen von Hessen, denen seit 1437 Nidda gehörte, führten schon 1527 die Reformation in Nidda ein. Wahrscheinlich wurde deshalb auch in Eichelsdorf um dieselbe Zeit die Reformation eingeführt. Die Collatur der Pfarrei Nidda bekamen die Landgrafen aber erst im Jahre 1584, die damit auch für Eichelsdorf galt. Unter Collatur versteht man das Recht, eine geistliche Stelle zu besetzen. Wie vorher schon gesagt, besteht auf der Kirche das ursprüngliche Dach nicht mehr. Die heutige steilere Dachneigung zeigt die Art der Dächer des 15. Jahrhunderts. In dieser gotischen Zeit ist der spätromanische Giebel auf die jetzige Höhe aufgemauert worden und bekam das damals übliche steile Dach. Die Dachkonstruktion auf dem Schiff ist jüngeren Datums. Einer Notiz in dem genannten "Pfarr-Register" ist zu entnehmen, dass die Dachkonstruktion "durch Fahrlässigkeit Hermann Kummers, damaligen Schulmeisters Anno 1657 mens 8 br. durch seinen Tobac, welchen er darauf gehenget in Brand gerathen, ist sie durch gesammelte Collecten und Beyhülff der Gemeind wieder erbauet worden". Offenbar war im Oktober 1657 der auf dem Dachboden getrocknete Tabak in Brand geraten und hat die Dachkonstruktion mit verbrennen lassen. Der Schaden kann aber nicht so groß gewesen sein, wie Diehl vermutet (Hassia sacra, Band V, Seite 329). Es gibt dafür verschiedene Gründe. Einmal hat das Chordach noch die ursprüngliche Dachneigung und eine sehr alte Konstruktion. Sie stammt zwar nicht mehr aus dem 13. Jahrhundert, ist aber weit älter als das Dachwerk von 1658 auf dem Schiff. Ich bin geneigt, einen Schwelbrand anzunehmen, der langsam um sich griff, aber kein plötzliches offenes Feuer verursachte. Im Schiff blieb jedenfalls die wertvolle Kanzel aus dem Jahre 1625 erhalten, was wohl auch der Feuerhemmenden Eigenschaft der zwischen den Deckenbalken befindlichen Lehmstakung zu verdanken ist. Wie aber heute festzustellen, ist die ganze Konstruktion des Schiffdaches eine Einheit. Sie wurde insgesamt im Jahre 1658 erneuert. Die Dachkonstruktion über dem Chor jedoch blieb ohne Brandspuren erhalten.

Ebenfalls aus dem Jahre 1658 stammt der Dachreiter, welcher auf quadratischer Basis steht, die zu beiden Seiten aus dem Satteldach heraussteht. Nur selten ist eine solche äußerlich sichtbare, kubische Dachreiterbasis zu finden. Darauf erhebt sich der achtseitige, verschieferte Schaft, der von einer nur schwach geschweiften, steilen welschen Haube bedeckt ist. Übrigens hat Diehl unrecht, wenn er bei der oben zitierten Literaturstelle schreibt: "Es wurde damals (1631) das Kirchenschiff, das sehr eng war, niedergelegt und an den Chor, der stehen blieb, ein wesentlich größeres Schiff angebaut." Die Umfassungsmauern der Kirche einschließlich Chor stammen tatsächlich ohne Ausnahme noch aus dem 13. Jahrhundert. Bis zur Innenrenovierung im Jahre 1965 hatte der Chor eine flache Kassettendecke aus dem Jahre 1927, die an einer älteren Balkenlage befestigt worden war. Ursprünglich hatte der Chor ein steinernes Kreuzrippengewölbe, dessen Rippen auf Sandsteinkonsolen standen, welche damals noch bruchstückhaft in den Ecken des Chores zu sehen waren. Auf Vorschlag des Landeskonservators konstruierte ich ein neues Gewölbe, zwar tragend, aber aus Holz. Das ehemalige Steingewölbe wurde zu unbekannter Zeit herausgebrochen. Es kann nicht eingestürzt sein, denn die alten, dicken Mauern zeigten vor dem Verputzen keinen Riss und keine alten Schäden. Der Brand von 1657 kann es auch nicht beschädigt haben, da das Dach des Chores, wie oben erwähnt, erhalten blieb. An den Konsolenresten war eindeutig gewaltsames Abschlagen zu sehen. Folglich bestand also keine bautechnische Notwendigkeit, das Gewölbe herauszubrechen, sondern es musste ein anderer Grund gewesen sein. In dieser Frage kann uns wieder das schon zweimal zitierte Pfarr-Register weiterhelfen. Darin schrieb 1706 der damalige Pfarrer Ludwig Christoph Horn folgendes: "Eine neue Orgel ist in der Kirchen, welche im ersten Jahr meiner Herkunft teils durch Stiftung, nämlich aus dem Niddaer Distrikt 17 R, aus dem Schotter 17 R, aus dem Echzeller 17, ohne was außer Herrn D Philippi Ludovici Hannekenii damaligen Superintendenten, auch unter Herrn D Johann Henrich Meyern Superintendenten über den Alsfeldischen und Marburgischen Distrikt gesteuert und ferner von den Gemeinden gezahlt, gezeiget und auffgericht worden ist Anno 1693 Dom. 4. Trinit. zum ersten mahl geschlagen worden und zwar von dem Meister selbst H. Seyfried Ruth meister zu Florstadt und wurde geschlagen Cant.: Dies sind die heyligen Zehen Gebott. Hat erstlich gestanden wo Sitzung der Adelich Stuhl mit Spiegel- Scheiben stehet. Dieweilen es aber wegen der Gesänge sich nicht wohl schicken wolte, habe ich sie etliche Jahr hernach an den Chor- Bogen setzen lassen, weilen es in das Chor wegen der Niedrigkeit sich nicht wohl schicken wollte."

Die letzen beiden Sätze sind in unserem Zusammenhang die wichtigsten. Die Orgel stand also zuerst irgendwo im Schiff, wo nachher der Adelsstuhl stand. Dann ließ Pfarrer Horn die Orgel neben den Chorbogen setzen, also gegenüber der Kanzel in die Nordostecke vor dem Chor, weil der Chorraum zu niedrig war! Das kann nur bedeuten, dass damals das Chorgewölbe noch erhalten war. Wahrscheinlich hat man es bei einer der überlieferten größeren Baumaßnahmen, also entweder um 1750 oder 1808, herausgebrochen. Pfarrer Horn hat sich aber im Datum geirrt, denn er kam erst 1695 nach Eichelsdorf, in welchem Jahre also eine neue Orgel angeschafft worden ist. Den Worten: "Eine neue Orgel ist in der Kirchen..." kann man wohl entnehmen, dass vorher eine alte Orgel da war. Seit 1965 hat die Kirche nun wieder eine neue Orgel. Sie steht auf einer von mir entworfenen Empore im Chor. Im 18. Jahrhundert hat man auch die Südseite von Kirche und Chor verändert. Die jetzigen Fenster lassen ihre Entstehung in dieser Zeit erkennen. Die vorigen Fenster sahen sicher genauso aus wie die auf der Nordseite.

In dem Absatz über das Dach wurde schon gesagt, dass glücklicherweise die Renaissance-Kanzel erhalten geblieben ist. Sie entstand 1625 unter dem aus Schotten gebürtigen Pfarrer Johann Arcularius, der von 1624 bis 1628 in Eichelsdorf tätig war. Während der Innenrenovierung von 1964 bis 1965 wendeten wir der Kanzel unsere Aufmerksamkeit zu, da sie wertvoll genug erschien, restauriert zu werden. Wenn sie auch damals unschön aussah, so waren aber ihre wesentlichen Teile gesund. Der im System oktogonale Korpus hat fünf Seiten. Drei davon sind maßlich und formal gleich, die vierte Seite ist um ein Drittel breiter und anders gestaltet. Die fünfte Seite, die den Maueranschluss bildete, war damals ein ungegliedertes Brett, so breit wie die drei schmalen Seiten. Die vertikale Gliederung in Sockelzone, Mittelfeld und Frieszone ist auf den vier Seiten gleich. In der Sockelzone befindet sich je ein gerahmtes liegendes Rechteck. Auf dem der mittleren Seite steht die Jahreszahl 1625. In den Mittelfeldern zeigt sich eine oben rundbogig gerahmte, vertiefte Innenfläche, auf der ein typisches Rankenornament der Renaissance mit der Schablone aufgemalt worden ist. Oberhalb und unterhalb der Malerei sind Schnitzereien mit vegetabilen Ornamenten angeordnet. In die Mitte des Bogens greift eine Art überdimensionaler Schlussstein, der gleichzeitig den vorspringenden Fries optisch tragen hilft. Die vierte, breitere Seite hat im Mittelfeld einen Rahmen, der von den anderen abweicht. An den Kanzelecken stehen kannelierte Säulen auf Postamenten, die der Sockelzone nach außen vorgesetzt sind. Der damalige Zustand ließ zunächst nicht erkennen, wie die Kanzel ursprünglich ausgesehen hatte. Bis auf die vertieften, stark verschmutzten Mittelfelder war die Kanzel schwarz gestrichen. Auf dem oberen Fries stand in weißer Farbe: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, und ein Licht auf meinem Wege. Ps. 119, 105." Die Zeile war in einer modernen Frakturschrift geschrieben wohl aus dem Jahre 1927, in dem man die Kanzel bis auf die schwarze Ölfarbe abgebeizt hatte. Reste der nicht gründlich abgebeizten Farben waren aber noch an vielen Stellen zu sehen. Der Spruch auf dem Fries war seit dem Reformationszeitalter sehr beliebt und hielt sich in der evangelischen Liturgie bis um die Mitte unseres Jahrhunderts. Er fand sich z.B. auch auf der Lißberger Kanzel aus dem Jahre 1618 noch im Original.

Die Schriftzeile auf der Eichelsdorfer Kanzel könnte folglich schon von Anfang an auf dem Fries gestanden haben. Wahrscheinlich fand man 1927 noch Reste davon und erneuerte deshalb den Spruch. Auf allen Teilen der Kanzel sah man mehr oder weniger häufig Löcher und Fraßspuren von anobium punctatum, der Larve des Pochkäfers. Lebender Befall war nirgends mehr vorhanden. Die Holzwurm- Zerstörungen mussten sehr alt sein, denn die Fluglöcher und offenen Fraßgänge waren alle durch die schwarze Farbe gefüllt bzw. gefärbt. Alle Verbindungen hatten sich gelöst, weshalb die Kanzel auseinander genommen werden musste. Dabei wurde festgestellt, dass die gesamte Kanzel zuletzt gelbbraun mit Ölfarbe gestrichen war. Solche meist in sich strukturierten gelben bis braunen Anstriche waren um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Hessen verbreitet. Darunter fanden sich die Reste einer Blau- Weiß- Fassung, die auf das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts schließen lässt. Unter diesem Anstrich lag dann die 1927 freigelegte dünne, schwarze Ölfarbe, welche wohl in die Zeit des Pietismus, also um 1700, datiert werden kann. Diese Farbe wurde nun auch abgebeizt. Das geschah aber erst, nachdem über das ursprüngliche Aussehen der Kanzel Klarheit herrschte. Dazu verhalf das aufmerksame Betrachten des Kanzeldeckels. Er war außer dem hohen Randbrett noch unversehrt erhalten. Nur dieses hatten nämlich die Anobien angegriffen. Die von Holzwürmern wie auch von Farbe frei gebliebene Innenansicht beweist, dass dort, wo keine Fraßschäden waren, auch kein Anstrich nötig war. Auf dem Randbrett des Kanzeldeckels kamen nach dem Abbeizen schwarze, mit Temperafarbe aufgemalte Ornamente zum Vorschein. Eine Probe ergab, dass auch die Schablonenornamente am Korpus mit Temperafarbe aufgemalt worden sind. Die Postamente im Sockelbereich sind furniert und haben mehrfarbige eingelegte Hölzer, die die Form eines facettierten Quaders ergeben, eine in der Renaissance häufig vorkommende Form. Sonst findet sich an der ganzen Kanzel kein Furnier. Auffällig war es, dass der Anobienbefall an der Kanzel im unteren Bereich am stärksten war und nach oben abnahm. Außerdem war das Grundgerüst weniger, aber die vorspringenden Teile stärker befallen. Die Säulen differierten sowohl nach Höhe, Querschnitt und formaler Behandlung als auch nach der Holzart. Eine Säule bestand aus Eichenholz, drei aus Birnbaumholz. Die eingelegten Hölzer auf den Postamenten sind aus Nussbaum, Ahorn, Zwetschge, Kirsche und Birnbaum. Die rahmenden Teile der Mittelfelder bestehen aus Ahornholz und die Schnitzereien aus Eiche. Das Material für die Grundkonstruktion ist Fichtenholz, und die Profile sind aus Eichenholz.

Aus dem Befund am Kanzeldeckel und der genauen Untersuchung aller Teile des Kanzelkorpus konnte eindeutig bewiesen werden, dass die Kanzel ursprünglich nur aus hellem, feinjährigem Fichtenholz gearbeitet war und deren schmückende Teile aus braunem Eichenholz. Die bald einsetzenden Teilzerstörungen durch Holzwürmer zwangen aber schon bald, und zwar noch im 17. Jahrhundert, die Kanzel umzuarbeiten. Dabei wurden auf die stark zerfressenen Postamente der Säulen Furniere geklebt und drei Säulen aus dem leichter zu bearbeitenden Birnbaumholz angefertigt. Zur Restaurierung behielten wir die zweite Fassung mit den bunten Hölzern bei. Einige Hölzer mussten ersetzt werden, andere bekamen durch Abziehen mit der Ziehklinge wieder ihren hellen Naturton, um den Kontrast zwischen hellen und dunklen Hölzern hervorzuheben. Das Randbrett am Kanzeldeckel musste ganz erneuert werden. Da die Temperamalerei mit zur ersten Fassung gehört, wurden auch die Ornamente am Kanzeldeckel nach vorhandenem Muster wieder aufgemalt. Schwierig gestaltete sich die Reinigung der Schablonenmalereien in den Mittelfeldern. Von der alten Schrift auf dem Fries waren nur noch kümmerliche Reste zu finden, die zu einer Rekonstruktion nicht ausreichten. Deshalb steht nun die schöne Kanzel ohne den Spruch. Er könnte nach dem Muster der Schrift auf der Lißberger Kanzel noch ergänzt werden, um das Werk vollständiger zu machen. Die frühere Seitenfolge a - a- a - b - a ist nun geändert in a - a- a- a - b. Außerdem wurde die Kanzel dabei um ein Sechzehntel gedreht. Die jetzt erste Seite wurde vervollständigt und ebenfalls mit dem Schablonenornament bemalt. Der Kanzelfuß ist unverändert beibehalten worden. Nach all den Veränderungen an und in der Kirche seit 1625 wirkt es wie ein Wunder, dass die Renaissance-Kanzel als einziges altes Inventarstück die Zeiten fast ohne wesentliche Einbuße überstanden hat. Seit 1966 ist sie nun wieder wie damals ab 1625 ein Schmuckstück in der Kirche von Eichelsdorf.

Von Peter Weyrauch.


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