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Für jeden Eichelsdorfer ist die "Dicke Eiche" (noch) ein Begriff, nur, wer ihren Standort in der "Tiefstruth" nicht kennt, wird sie kaum finden. Eine Baumruine, ohne Äste und Rinde, vermodert allmählich mitten in einem Bestand von 90 jährigen Roteichen, den "Trautweinseichen", (so genannt nach Forstmeister Trautwein, Revierverwalter der Oberförsterei Eichelsdorf von 1885-1907), und die Zeit ist abzusehen, dass sie ganz zerfällt. Das Naturdenkmal mit einem Stammumfang von 5,50 m und ca. 7 m Höhe lässt immer noch ahnen, welche gewaltigen Ausmaße der Riesenbaum über Jahrhunderte besaß. Anfang der 60er Jahre trug der Stamm noch einen einzigen Ast mit Laub, aber das Ende war trotz mehrerer Sanierungsarbeiten schon lange vorher besiegelt. In dem Verzeichnis über "Bemerkenswerte Bäume in Hessen" von 1904 ist notiert: "10,20 m Schaftlänge des Stammes, mittlerer Durchmesser 1,86 m, Krone von 20 m Breite. Die Höhe des Baumriesen wird auf 35 m, sein Inhalt (einschl. der Äste) auf 65 Raummeter geschätzt. Das Alter kann 700-800 Jahre betragen."
Nach W. Würz.
Der klägliche Rest des Stammes zerfällt zusehens. Hier eine Fotoreihe von 2005-heute.
Von Eichelsdorf Richtung Eichelsachsen, kurz vor der Grenze zum Vogelsbergkreis überspannt die Steinbrücke die Eichelbach.
Ein Beitrag zur physikalischen Geschichte der Erde. Herausgegeben von Dr. Rosenmüller und Tilesius von Tilenau. 1799.
Das Drachenloch auf dem Vogelgebirge in der Landgrafschaft Hessen Darmstadt*
* Versuch einer mineralogischen Beschreibung des Vogelsgebirgs in der Landgrafschaft Hessen Darmstadt. Berlin 1790. 8.
Wenn man von Schotten aus, den sogenannten Bildstein, einen prächtigen konischen Basaltberg, besuchen will, führt der Weg über einen Bergrücken, in welchem sich das Drachenloch befindet. Es ist der erste Bergrücken, der dem Bildstein westwärts dem Oberwalde herab gegen Südwest hinzieht.
Um die benannte Höhle, das Drachenloch zu besehen, besuchte ich den Berg von Eichelsachsen aus. Ich war umso neugieriger, da ich bisher noch nichts von einer natürlichen Höhle in unserem vulkanischen Gebirgen gehört hatte. Sie befindet sich in einem dicken Gebüsche, auf der Grenze, welche die Gemarkung Rainrod und Eichelsdorf am westlichen Abhang des Gebirges scheidet. Der Förster, der mich begleitete, hatte sie vor zehn Jahren zum letzten mal gesehen, daher machte es viele Mühe und Beschwerden, bis wir den Eingang in dem dicken und wegen des gefallenen Regens, nassen Gebüsche, fanden.
Unterdessen hatte ich Zeit, die abenteuerliche Tradition von dieser Höhle, wie sie sich unter dem gemeinen Manne fortgepflanzt hatte zu vernehmen. Sie soll von einem Drachen bewohnt worden sein, welcher zu Zeiten hervorgekrochen wäre, aus dem wohl eine halbe Stunde davon entfernten Niddafluss getrunken und dem Müller das Wehr verdorben habe, ohne dass sein Schwanz ganz aus der Höhle herraugekommen sei; und der gleichen mehr.
Das Loch, welches den Eingang macht, ist gang rund, und hat kaum einen Fuß im Durchschnitt. Es geht horizontal in daneben nicht sehr steilen Abhang des basaltischen Gebirges. Ich fühlte mit der Hand hinein, und fand die Wandung so ordentlich, als wäre sie durch die Kunst gemacht. Das Gestein war ein gemischter schwarzer Basalt. Man erzählt, dass mit großen Stangen das Ende nicht erreicht werden könne. Steine, die ich hineinwarf, verursachten einen dumpfen Schall; daher ich vermutete, das inwendig der Umfang größer sein müsse, und in dieser Vermutung wurde ich dadurch noch mehr bestärkt, das diese an sich kleine Öffnung, ungeachtet der von früher hineingeworfenen vielen kleinen Steine, sich doch nicht ganz verstopft hatte. In der Absicht, durch einiges abteufen auf die Richtung dieser Höhle, einen näheren Aufschluss zu bekommen, lies ich es nach meiner Abreise untersuchen; man hat mir geschrieben, das man nach sieben Fuß widerstand gefunden habe, und dabei ist es dann auch bis jetzt geblieben.
Wenn die Spur von alten Ruinen und vergleichen sich vorfände, oder auch am Umfange der Öffnung einige schriftliche Zusammensetzung wahrzunehmen gewesen wären, so würde ich den Ausgang eines unterirdischen Gewölbes vermutet haben; allein davon allen diesem nichts nichts anzutreffen ist: So blieb mehr Wahrscheinlichkeit für die Meinung übrig, das es eine natürliche Höhle sei, wiewohl mir ein Art von bergmännischer Untersuchung hier entscheiden konnte. Einer meiner Freunde, Herr Ingenieur Hauptmann Müller zu Gießen kam nachher im Jahr 1787 mit mir überein, eine solche Untersuchung anstellen zu lassen.
Wir ließen, unbeschadet der Höhle, einen Schacht vorschlagen, und dem Bergmann kurz vor dem Durchschlage sichere Zeugenbeigeben. Dann fand ich, das diese horizontale, vorn etwa einen Schuh weite Höhle, sich in der Länge nicht mehr als etwa sieben Fuß weit in den Berg hinein erstreckte, wo sie sich an einer senkrechten Steinfläche endigte, nachdem sie sich trichterförmig drei Schuh breit und zwei und einen halben Schuh hoch gegen hinten zu erweitern hatte. Das Gestein welches wir davon zugeschickt wurde, bestand in verhärteter grauer Tuff und pulverischer Glimmerei. Selbst habe ich noch keine Gelegenheit gehabt, die Arbeit zu besehen, und konnte deshalb nicht fragen ob das vertikale Gestein ebenfalls verhärtetes Tuff oder Basalt sei. Bei dieser Gelgenheit viel mir ein, von meinem Bruder gehört zu haben, daß er verschiedene Höhlen im festem Gestein angetroffen habe, die unmöglich von den darin befindlichen Raubtieren ausgegraben sein können.
Die Struktur des Drachenlochs erregt aber doch eine neue Bedenklichkeit, da es nach seiner Trichterförmigen Erweiterung auf einmal senkrecht abgeschnitten wird; so fregt sich: woher dieser Abschnitt? So kann man sich seine Entstehung auch so denken. Als die Masse noch weich war, sammelte sich Luft, und bildete gleichsam eine Blase. Gährung und Hitze dehnten dieselbe so aus, das sie endlich an der Stelle des Drachenlochs, vermutlich dünnsten Rinde, durchbrach, und bei dieser Explosion eine zirkelrund Öffnung bildete, weil die Masse daselbst völlig gleichartig war. Die Trichterförmige Gestalt musste entstehen, weil hinten die Ausdehnung schon vor der Explosion eine solche Weitung angenommen hatte. Nachher mag denn eine verhärtete Masse bei einer zweiten Eruption eingestürzt sein, und die senkrechte Wand erzeugt haben. Auch kann diese erhärtete Masse schon vorhanden gewesen sein, und der Ausdehnung widerstanden, also selbst damit die Explosion befördert haben.
Aus dieser Höhle, auf die Vulkanität der dortigen Gegend zu schließen, findet mir neben vielen anderen Gründen statt, da dergleichen Gänge auch in den unstreitig im Wasser entstandenen Gebirgen vorkommen, nur das wenigstens die zirkelrunde Figur des Ausganges gegen diese, so weit ich sie damit vergleichen konnte, vorzüglich einen wesentlichen Unterschied ausmacht.
Nach Dr. Rosenmüller und Tilesius von Tilenau.
Von Georg Wilhelm Justin Wagner. Großherzoglich hessischem Geometer. 1830.
Rainrod.
An der Grenze gegen Eichelsdorf, ist das sogenannte Drachenloch, eine tiefe in einem Basaltfelsen befindliche Höhle mit runder Öffnung, von welcher die Sage erzählt, dass sie von einem Drachen bewohnt gewesen, der zu Zeiten hervorgekommen, aus der ˝ Stunde entfernten Nidda getrunken, und dem Müller das Wehr verdorben, ohne das sein Schwanz ganz aus der Höhle gekommen sei.
Aus einem Bericht von Friedrich Kofler aus dem Jahre 1867.
Vor einer Reihe von Jahren hatten mich Freunde auf diese Höhle aufmerksam gemacht und gebeten, dieselbe zu durchforschen. Ich versprach mir im Stillen eine reiche Ausbeute für die vorgeschichtliche Forschung. Ein Teil des vor der Höhle lagernden Schuttes war auf Wunsch des Oberamtsrichters Fresenius von Schotten weggeräumt worden. Man sah, dass von dem Loche aus ein frisch betretener Dachspfad in die Höhle führte.
Da die Höhle viel zu eng war, um einen Mann durchzulassen, so wurde mittels eines an eine Stange gebundenen Lichtes das Innere derselben beleuchtet, wobei es sich zeigte, dass der vordere Teil der Höhle aus einer 7 bis 8 Fuß langen glatten Röhre bestand, die sich in einer halben Wendung zu drehen schien sich nach vorn etwas senkte und dem sich im Hintergrunde ansammelnden Wasser ein leichtes Gefälle zum Abfluss bot. Am Ende der Röhre bemerkte man einen größeren freien Raum, denn das Licht verschwand, wenn man es nach rechts und linke oder nach oben bewegte. Das feste Gestein hinderte eine Annäherung an diese erweiterte Höhle. Ich ließ daher die Arbeiter von dem oberen Teil der Terrasse aus, wo ein mit Rasen und Gestrüpp bedeckter Hang nach dem Bergrücken in die Höhle stieg und sich eine kleine Vertiefung vorfand, einen Schacht abteufen. Der Boden bestand aus einer lehmigen Erde, die aufgefüllt zu sein schien. Weiter unten stießen die Arbeiter auf einige Stücke moderner Ziegel und ganz unten auf einen kesselförmigen Raum, in welchen die oben erwähnte Röhre einmündete, nach hinten mit einer glatten, senkrechten Felswand abschloss. Die linke, etwas höher liegende Seite des Kessels war mit frisch eingetragenem Moos ausgefüllt.
Nachdem der Kessel vollständig von Schutt befreit war, konnte man an den Wänden oberhalb sowie auch teilweise in der Tiefe zahlreiche Spuren von Einritzungen wahrnehmen, die mit eisernen Werkzeugen hervorgebracht waren und den Beweis lieferten, dass die Höhle schon früher einmal untersucht worden war. Dies bestätigte sich, denn ich fand in einem Buche, das mir in Schotten geliehen ward und sich betitelte "Klippstein, Versuch einer mineralogischen Beschreibung des Vogelsgebirges S. 36 und ff." dass Klippstein mit einem Freunde aus Gießen im Jahre 1787 die Höhle hatte untersuchen lassen. In diesem Schriftchen heißt es: "Wir ließen unbeschadet der Höhle einen Schacht durchschlagen und dem kurz vor den Durchschlag sichere Zeugen beigeben. Nun fand sich, dass diese horizontale vorn etwa 1 Fuß weite, zirkelrunde Höhle sich in der Länge nicht weiter als 7 Fuß in den Berg hinein erstreckt, wo sie an einer senkrechten Steinfläche endigte, nachdem sie sich trichterförmig 3 Fuß breit und 2 1/2 Fuß hoch gegen hinten zu erweitert hatte."
Als Erklärung für die Bildung des Drachenloches schreibt er folgendes:
"Als die Masse noch weich war, sammelte sich Luft und bildete gleichsam eine Blase, Gärung und Hitze dehnte dieselbe so aus, dass sie endlich an der Stelle des Drachenloches, vermutlich der dünnsten Rinde, durchbrach und bei dieser Explosion eine zirkelrunde Öffnung bildete, weil die Maße daselbst völlig gleichartig war. Die trichterförmige Gestalt musste entstehen, weil hinten die Ausdehnung schon vor der Explosion solche Weitung angenommen hatte…"
Zu der Mutmaßung Kofler will ich die eigene hinzufügen: Der Kessel ist nicht trichterförmig, sondern eher ovalrund, der Boden glatt, die Rückwand senkrecht und vielfach gespalten. Den Spalten entströmte selbst in trockenen Jahren reichlich Wasser. Das Rohr, das aus dem Kessel abwärts nach außen führt, ist durch Wasser ausgeschliffen. Allem Anschein nach war früher hier eine starke Quelle, denn von dem Loche aus zog früher ein Wasserriss den Berghang hinab nach der Nidda, in welchen die Grenze zwischen Eichelsdorf und Rainrod gelegt wurde. Es mag die Quelle vielleicht selbst den Grund zur Sage gelegt haben, denn wenn bei starken Regengüssen das von den Berghängen zusammenströmende Wasser in dem Rinnsal der Quelle zufloss floss, war es wohl im Stande, das entgegenstehende Wehr zu beschädigen und zu zerstören, wodurch dem Müller das im Mühlgraben strömende Wasser abgeschnitten wurde. Das Wasser war mithin der Drache der das Wehr des Müllers zerstörte, ohne dass sein Schwanz aus der Höhle herausgekommen wäre.
Die unausgeschmückte Sage, wie sie uns der Volksmund bewahrt hat, lautet:
In der Höhle bei Rainrod dem Drachenloch, wohnte einst ein Drache, welcher verborgene Schätze bewachte, zuweilen hervorkam, den Müller unten das Wehr verdarb, und aussoff, ohne dass sein Schwanz ganz aus der Höhle hervorgekommen wäre. Der Drache ist tot, aber die Schätze liegen noch im Berge.
Der Kessel (der Höhle) ist ovalrund, der Boden glatt, die Rückwand senkrecht und vielfach gespalten. Den Spalten entströmte selbst im trockenen Hochsommer reichlich Wasser. Allem Anschein nach war früher hier eine starke Quelle, denn von dem Loch aus zieht oder zog vielmehr einst ein Wasserriss den Berghang hinab nach der Nidda, in welchen die Grenze zwischen Eichelsdorf und Rainrod gelegt wurde. Da die Stelle nicht nur eine 40-50 Fuß (12-15 m) hohe Bergwand, sondern auch den 4 bis 5 Stunden langen Bergrücken hinter sich hat, so wird bei Regenzeiten dem Loch auch heute noch eine bedeutende Wassermenge entströmen. Es mag die Quelle selbst den Grund zur Sage gelegt haben, denn wenn bei starken Regengüssen das von den Berghängen zusammenströmende Wasser in dem Rinnsal der Quelle zu Tal floss, war es wohl imstande, das entgegenstehende Wehr zu beschädigen und zu zerstören, wodurch dem Müller das im Mühlgraben strömende Wasser abgeschnitten wurde. Das Wasser war mithin der Drache, der das Wehr des Müllers zerstörte, ohne dass sein Schwanz aus der Höhe herausgekommen wäre.
Nach W. Würz.
Die Trautwein Eiche steht im Buchwald und wurde als Erinnerung an den 100. Geburtstag (16.05.1952) von Eduard Trautwein (Geh.Forstrat, Oberforstmeister) benannt. Forstmeister in Eichelsdorf von 1885-1905.
Man kann es zwar nicht beweisen, aber man vermutet, dass der dicke Stein bei der Furtbrücke (Eichelbach) auch ein Menhir (Hinkelstein) sei, und dass er später einmal zerschlagen wurde. Es gibt eine wissenschaftliche Abhandlung darüber. Vielleicht deutet auch die Flurbezeichnung "Dicke Stein" auf einen Götzenstein hin. Weitere Funde aus der Umgebung Eichelsdorfs sind bekannt aus der jüngeren Steinzeit: die Hinkelsteine zwischen Nidda und Michelnau. Hügelgräber Bronzezeit im Harbwald, Ufa, Ober Lais. Urnenfelderleute: Harb, Rainrod, Schotten, nur um die nächstgelegenen zu nennen.
Textausschnitt aus der Seite Chronik. Frühgeschichte.
Von Bruno Plitzkow.
Der Haissbacher Grund ist ein Naturschutzgebiet südlich von Eichelsdorf.
Der ehem. Steinbruch Roteberg beim Haissbacher Grund liegt südlich von Eichelsdorf. (Schlackenagglomerat)
Die Steinformation Bärensteine findet man südlich von Eichelsdorf am Heyer Weg.
Kaum eine Gemarkung unserer Gegend wird ohne Stelle sein, von der man erzählt, dort habe ein Dorf gestanden, das im 30 jährigen Krieg zerstört worden sei. Die Volksmeinung ist jedoch völlig irrig, denn in der ganzen Grafschaft Nidda war 1648 nur ein Dorf wüst und verlassen: Bellmuth, das jedoch bald wieder von den landflüchtigen ehemaligen Bewohnern aufgesucht wurde. Alle uns als Wüstungen bekannten Orte waren längst vor Beginn des großen Krieges ausgegangen.
Da die Gründe, die zur Aufgabe jener Siedlungen führten, in den meisten Fällen die gleichen sind, wollen wir uns am Beispiel Reifertshain und Rechelshausen in die Notzeit vor 500 Jahren zurückversetzen. Jeder Leser möge die Geschichte der beiden Orte auf Wüstungen seiner Heimat übertragen, vieles wird ebenso verlaufen sein, so auch der Ort "Udenhusen" (hinter dem Weinberg) und "Haisbach".
Das Dörfchen Reifertshain lag da, wo der Weg von Eichelsachsen nach dem Breitenstein das enge Tälchen des Reifertshainer Baches scheidet. Hier klebte an den beiden Hängen etwa ein Dutzend Fachwerkhütten mit Strohdächern. 1187 wird der Ort urkundlich erwähnt. Wir erfahren, dass "Rifrideshagen" jährlich 1 Malter Hafer an die Johanniter in Nidda zu geben hat. Viele Flurnamen der Gemarkung Eichelsachsen, an der Grenze zu Eichelsdorf, bezeichnen die alte Feldmark von Reifertshain. Sie weisen heute noch darauf hin, dass wir es mit ehemaligem Waldboden zu tun haben, der verhältnismäßig spät, als Eichelsachsen schon längst bestand, für die Landwirtschaft nutzbar gemacht wurde. Wir nennen nur Birkenlache, Struthköppel, Bendersrod, Gebrannte Drischer, Steinmauern, alles Namen, die auf Ausroden von Wald hindeuten. Ums Jahr 1000 oder 1100 konnte der Boden Eichelsachsens seine Leute nicht mehr ernähren. Wagemutige junge Männer begannen zu roden und gründeten am Reifertshainer Bach ein neues Dörfchen, das nach dem ersten Siedler Rifrid "Rifrideshagen", später Reifertshain genannt wurde.
Den Siedlern stand nur geringer Boden zur Verfügung. Er lag ziemlich hoch, etwa 300 m, war stellenweise stark mit "Rappelsteinen" durchsetzt, befand sich auf der Winterseite des Eicheltales und war den rauhen Nord- und Ostwinden preisgegeben. Im Sommer war das Wasser knapp, die Quellen im Dorf genügten kaum, den Durst von Mensch und Vieh zu löschen, wenn das Bächlein versiegt war. Junge Frauen vergossen manch heiße Träne im Gedenken an das trauliche Heimatdorf Eichelsachsen, wenn in eisiger Winternacht die Wölfe heulend um die Hütten strichen, oder zur Erntezeit allerlei fahrendes Volk von der nahen Frankfurter Straße im Breitenstein den Weg ins Dörfchen fand. Leichten Herzens gaben sie drum in der Zeit landwirtschaftlichen Niedergangs vor 500 Jahren ihr Walddörfchen auf und zogen nach und nach ins Mutterdorf Eichelsachsen, um von dort ihre Äcker und Wiesen in der Gemarkung Reifertshain zu bearbeiten, von der es bereits in einer Urkunde von 1556 heißt: "Die von Eigelsassen haben die Wüstung nid Eigelsassen crafft fürstlicher Gnaden und Herrn briff und sigel umb einen bestandenen Zins und Handen in Besitz...". Schon rund 100 Jahre vor dem Ende des 30 jährigen Krieges war die Feldmark des ausgegangenen Dorfes zum Gemarkungsteil von Eichelsachsen geworden. "...und ihre Stätte kennet man nicht mehr." Gering sind die Spuren, die die Siedlertätigkeit vor dem Breitenstein hinterlassen hat. Eine Anzahl Flurnamen, zwei Quellen, einige dürre Streifen auf den Wiesen, unter denen Mauerreste liegen, wenige flache Mulden (ehemalige Keller), Holundersträuche in Massen und die "weiße Frau", die um den Reifertshainer Köppel wandert, das ist alles, was geblieben ist.
Die Johanniterurkunde von 1187 nennt die Kirche zu Rechelshausen als Tochterkirche von Nidda. Eine archivalische Notiz von 1537 spricht von "gewesenen Waldbrüdern" an dieser Stelle. Das Eichelsdorfer Pfarregister von 1706 sagt: "Rechelshausen oder Rochihaußen ist vor diesem eine Wallfahrt gewesen, dem S. Rochi erbaut, welchen man in Papatu sangt Sebastiano vor die Pestilenz verehrt, uti notam est." Das Register spricht erstmalig von Eichelsdorfer Pfarrgütern in Rechelshausen. 1803 wird in Eichelsdorf das Gerät der abgebrochenen Kapelle zu Recholtzhausen versteigert. Nach all diesen Nachrichten war der Ort eine "Wallfahrt vor die Pestilenz". Aus welchen Gründen wurde Rechelshausen aufgegeben? Aus den gleichen Gründen, die wir bei Reifertshain kennengelernt haben. Wohin sind die Bewohner gekommen? Dies lehrt ein Blick auf die Karte. Zwei Gemarkungen liegen hier wie zwei schmale Bänder quer durch das Niddatal, die Gemarkungen von Ober- und Unterschmitten. 1441 werden hier zwei Waldschmieden erwähnt, die um 1500 Siedlungskern für die beiden Orte wurden. Bis dahin war das Tal der Nidda zwischen Rainrod und Nidda ohne Siedlung, diese Strecke heißt nicht umsonst der "nasse Grund". Das alte Eichelsdorf lag im Eicheltal, erst vor gut 150 Jahren dehnt es sich über die Nidda aus (ohne Brücke, nur Steg in der "Kätzerbach"). Auch das alte Nidda mied zunächst das sumpfige Tal.
Als die Rechelshäuser das Leben in ihrer Waldecke dicht unter der gefahrbringenden Frankfurter Straße (Friedrichsberg) müde waren, rückten sie hinunter in das offene Tal zu der oberen und unteren Waldschmiede und bebauten von hier aus ihr Land in der alten Gemeinde Rechelshausen. Nicht nur von Südosten kamen Neusiedler in die beiden entstandenen Dörfer. Auch nördlich wurden Dörfer aufgegeben: Fronholtz vor dem Loh, zwischen Ober-Schmitten und Ulfa, und Reinhausen an der Ulfa, dessen beide Mühlen, die Weißmühle und Haubenmühle, wie auch der Reinhäuser Hof heute noch vorhanden sind. Durch Aufgabe alter Siedlungen beiderseits des Niddatals entstanden zwei neue Orte. Und nun zur Wallfahrtskapelle Rechelshausen. 1537 ist nur noch von "gewesenen Waldbrüdern" die Rede, nicht mehr vom Dorf. 1527 wurde unsere Gegend evangelisch. Dies bedeutete das Ende der Wallfahrtskapelle, die sicher von Johannitermönchen bedient wurde. Die evangelische Bewegung ging gerade in Nidda von der Johanniterkomturei aus. Die ersten evangelischen Pfarrer wurden von der Niederlassung der Johanniter in Nidda gestellt. Die Klause in Rechelshausen zerfiel immer mehr. Das Land der Kirche, noch 14 Morgen, erhielt die Kirche Eichelsdorf als Pfarrgut. Heute liegt mittendrin ein Steinhaufen, in dem man bei nur oberflächlichem suchen behauene Sandsteinbrocken findet. Die Flurnamen Rechelshausen, Klauselkopf, Klauseleichen nennt das Messtischblatt. Die Überlieferung aus den Akten, die mehr aufweist als von Reifertshain, wird eines Tages schweigen. Versunken und vergessen.
Nach W. Würz.
Hier ein geöffnetes Hügelgrab am Alteberg.
Hier ein geschlossenens Hügelgrab am Roteberg.
Vom Norden her kamen die so genannten Streitaxtleute (vorherige Schnurkeramiker), sie waren noch Jäger und Hirten und besaßen schon Bronzewaffen. Vom Süden kamen die Bandkeramiker. Das war in der frühen Bronzezeit schon ein rechtes Durcheinander. Die Völker werden größer, man sucht Land und Jagdgebiete, das heißt auch Nahrung. Alle dringen bis in unsere Gegenden vor. Kriegerische Auseinandersetzungen bleiben da nicht aus. Wer wann wo lebte wird im Grunde schwer festzustellen sein, da jeder irgendwann einmal hier war und seine Spuren hinterlassen hat. Funde haben wir aus allen Zeiten, von der Steinzeit, den Bandkeramikern und den Schnurkeramikern. Beide sollen ja im Ursprung Keltisch sein und man nennt sie auch die Heunen oder Hühnen, und sie sollen wahrscheinlich die großen Hügelgräber angelegt haben. Dann in der Bronzezeit geht man von den Hügelgräbern auf die Urnenfelder- Bestattung über. Auch da Funde. Danach die Hallstattleute, erste Eisengeräte und Waffen (800-400 v. Chr.) Frühlatenezeit.
Es wurde also schon gefährlicher, die Befestigungen mussten stärker werden, man schloss sich zu größeren Gemeinschaften zusammen, bildete Gaue, um sich gegenseitig zu helfen. Diese Zusammenschlüsse waren dann auch die Stämme. Durch das viele Hin und Her entwickelten sich Straßen und Wege, die nicht nur von wandernden Stämmen sondern auch von Händlern genutzt wurden. Sie trieben schon zwischen den Stämmen Tauschhandel mit Geräten und Waffen. An diesen Wegen entstehen auch die ersten Siedlungen und auch automatisch die Totenbestattungen. Hier meinen wir speziell die Hügelgräber. Es waren aber wohl nur Reiche oder Hochgestellte, denen man solche Grabhügel baute und denen man für das Leben bei den Göttern Beigaben in das Grab legte. Diese Handels- und Heerwege verliefen hauptsächlich auf den Höhen, damit in den Regenzeiten die Wege noch passierbar blieben, und in alter Zeit waren auch wohl die Niederungen zu sumpfig. Vom Rhein- Main- Gebiet durch die fruchtbare Wetterau ziehen die Wege ins Thüringer Land und weiter. Solche Straßen kamen z.B. an der rechten Niddaseite aus der Wetterau über Ober- Widdersheim, Ufa, Alte Berg, Betzenrod und weiter über den Vogelsberg. Auch an der linken Niddaseite, von Frankfurt kommend, die Zwiefalter Straße über Nidda, Rote Berg, Zwiefalten (heute Kirschberg genannt) weiter durch den Oberwald Richtung Fulda. Dazu kamen noch später so genannte Talrandstraßen. Da ist die von Staden über Nidda kommende Talstraße durch Eichelsdorf, Furt durch die Eichel in der Schlaggasse, den Kirchberg hoch (Eschenröder Landstraße), Auerberg, Wildhauskopf bei Eschenrod (dort übrigens eine 90 x 120 m große ovale Befestigungsanlage), Gackerstein zum Oberwald und damit auf die linke Höhenstraße nach Fulda.
An der Höhenstraße im Alte Berg und auch im Buchwald/Roteberg liegen eine ganze Reihe Hügelgräber. Zum Teil waren sie früher schon ausgeraubt, z.T. aber wurden sie 1921 auch geöffnet. Grabbeigaben sowie auch andere Funde liegen z.T. im Heimatmuseum in Schotten, teils auch in anderen Museen. Funde aus der Gemarkung sind außer den Grabbeigaben auch Steinbeile, Faustkeile aus der Steinzeit und aus der Bronzezeit Sichel, Schmuck, Geräte und viele Kleinteile.
Textausschnitt aus der Seite Chronik. Frühgeschichte.
Von Bruno Plitzkow.
Als Wasen bezeichnet man ein Feuchtgebiet. Dorfname der Eichelstrasse im Unterdorf.
Dorfname der Verlängerung der Motzengasse Richtung Süden zum Grillplatz.
Die Kätzerbach war früher ein kleiner Brunnen an dem Steg über die Nidda. Göbelsgasse- Zur Köhlermühle. Existiert heute nicht mehr.
Der Mühlengraben verlief von der Nidda, bei der Brücke Frankenstrasse-Brandesgasse, unterhalb des Bürgerhauses, bei der alten Post vorbei, über die Eichelstrasse und unterhalb der Grundstücke der Frankenstrasse zur Schwadenteichsmühle - Schudtenmühle. Der Graben existiert heute nicht mehr.
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