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Geologische Vor- und Frühgeschichte.

Mitten in der großen Festlandscholle, die wir heute Europa nennen, liegt ein uralter Gebirgsblock aus erkalteter Lava. Entstanden wahrscheinlich im frühen Tertiär (40-60 Millionen Jahre), als wieder einmal das Weltmeer bis an die Alpen reichte. Die verhältnismäßig noch dünne Erdkruste war noch lange nicht zur Ruhe gekommen und allerorten brachen Vulkane hervor. Feurige glühende Lava brach in großen Massen hervor, erstarrte zu hartem Basalt. Einer der größten Vulkane auf dieser Scholle war der heutige Vogelsberg. Man sagt, er sei der größte zusammenhängende Basaltblock Europas. Die glühende Lava floss weit vom Zentrum fort und man spricht nach heutigen Erkenntnissen von einer Fläche von 2500 Quadratkilometer. Man glaubt heute sogar, dass die Vulkane bei Kassel mit dem Vogelsberg Verbindung haben. Außer dem im Obermoor vermuteten Hauptkrater hatte er noch viele Nebenkrater und Schlote, so z.B. werden im Gebiet von Michelnau, Münzenberg, Ober- Widdersheim, Büdingen und einer Reihe anderer Orte solche Schlote vermutet. Man kann das nähere Hauptgebiet umreißen etwa mit den Orten Gelnhausen, Schlächtern, fast bis Fulda, Alsfeld, Grünberg, Hungen, Butzbach, Altenstadt usw. Die Basaltschicht in diesem Gebiet ist teilweise 200 m. dick und der Vulkan hat sich in seiner Glanzzeit wahrscheinlich 1500-2000 m. erhoben.

Rund um den Vogelsberg gab es bewegte Zeiten. Die Erdkruste war ja längst nicht ruhig. Riesige Landschollen hoben und senkten sich, es entstanden Meere und verschwanden wieder. Der Vogelsberg war wohl hauptsächlich im mittleren und älteren Miozän aktiv. Millionen Jahre sind seither vergangen. Die Eifelvulkane waren noch bis vor ca. 10.000 Jahren tätig. Trotz des technischen Fortschrittes stünde der heutige Mensch einem Ausbruch genau so hilflos gegenüber wie sein steinzeitlicher Vorfahre vor 10.000 Jahren. Was ist schon 10.000 Jahre "Feuerpause" für einen 20 Millionen Jahre dauernden Vulkanismus. Nach dem Tertiär hat sich die Geotektonische Szene etwas beruhigt, aber sie ist bis heute nicht ganz zur Ruhe gekommen. Man glaubt, 4 größere Ausbruchsperioden festgestellt zu haben, ehe der Vogelsberg als Vulkan zur Ruhe kam. Über mehrere Male hier anwesende Weltmeere (Geologen behaupten 6-mal), gibt es viele Beweise. Im Devon (360 Mill. J.) Meeresablagerungen. Fundstellen bei Oppershofen (Muscheln, Korallen, Seelilien usw.). Darüber liegt Vogelsbergbasalt. Dann Hitzeperioden, das Meer geht zurück, d.h. der Boden hebt sich. Es gibt Wüsten und Sumpfregionen, es wachsen Feigen, Sumpfpalmen, Bananen, Zimt und Lorbeerbaum. Tropisches Klima. In der Weltgeschichte erscheinen abartige Riesentiere wie Mastodon, Saurier, Flugechsen und vieles andere. Reste und Abdrücke dieser Fauna und Flora wurden in Mengen gefunden in den Sandablagerungen der Sandgruben und in zusammengepressten Urwäldern, die wir heute als Braunkohle abbauen bei Wölfersheim, Echzell usw. Unter anderem fand man Teile von Riesenschildkröten, Nashorn, Mastodon, besonders davon Skelettknochen, Stoß- und Backenzähne bei Echzell, und auch viele Knochen und Kleinteile von niederen Tierarten und Kleinsäugern. Das Alter konnte man auf Grund modernster Bodenschichtuntersuchungen ziemlich genau feststellen ca. 17 Mill. Jahre, dazwischen wieder Meer, Vulkanausbrüche. Die Funde bei Wölfersheim enthalten auch in großen Tiefen ältere Stücke, das meiste aber datiert jünger als in Echzell, in das Pliozän (das ist die auf das Miozän folgende Stufe des Jungtertiär) mit ca. 5 Mill. Jahren. Auch an anderen Stellen Funde, so z.B. bei Lauterbach und Kaichen Haifischzähne und vieles andere.

Millionen Jahre haben von See und von Land her am Massiv des Vogelsberges gearbeitet. Nicht nur Frost, Wasser, Regen und Sturm arbeiteten an ihm und zermürbten ihn. Auch die Erdkruste tat das ihrige dazu. Nach Erlöschen des Vulkanes, vielleicht durch Verwerfungen der Erdkruste, beginnt der Basaltblock abzusinken. Die auch durch ganz Oberhessen sich hinziehende Bruchzone des Oberrheingrabens ließ auch dieses Vulkanmassiv zerbrechen. Teile, besonders im westlichen Gebiet, sanken bis 2000 m. ab. Der Basalt ist sowieso ein sehr klüftiges Gestein, er enthält nicht nur Basaltlava, sondern es wurde auch Tuff, Asche und phonolitische Lava mit nach oben gebracht. Bei der Abkühlung entstanden viele Sprünge und Risse. Das begünstigte die Zerbrechung ungemein. In den Klüften und Sprüngen sammelt sich natürlich Wasser. Durch Bohrungen der OVAG hat man viel über das Innenleben des Vogelsberges erfahren. Die Absenkung der Basaltmassen geht z.B. bei Rainrod bis weit unter den Meeresspiegel. Das Wasser in dem klüftigen Gestein schätzt man auf 200 Mill. cbm./jährlich. Der Scheitelpunkt liegt ja höher und das Wasser läuft normal zum Rand hin ab. Dort tritt es aus oder wird durch Brunnen abgefangen und als Trinkwasser weithin geleitet.

Durch das Ansteigen des Bodens aber floss das Wasser des Meeres zurück und es entstand ein Binnenmeer, die heutige Wetterau. Das Meer trocknete aus, die Höhenzüge ließen Sedimente und Schlamm mit den Flüssen und Bächen hineinlaufen, es wurde ein Sumpf. Dazwischen kamen die Eiszeiten. Vom Norden her kam im Quartär durch die Abkühlung der Erde und der Ozeane um ca. 5 Grad eine Schnee- und Eisschicht zusammen. Vor 400.000 J. die Elstereiszeit, die größte, die Europa fast bis an die Alpen bedeckten. Der Eisschild war im Norden ca. 3.000 m. mächtig. Das Eis taute nach Jahrtausenden ab, kam vor ca. 150.000 J. wieder und das 3. Mal vor etwa 10.000 J. Dazwischen warmes bis tropisches Klima, Urwälder entstehen und Tiere aller Art. Vom Süden von den Alpen her waren es 4 Eiszeiten, die aber nie bis zu uns gelangten.

In allen diesen Zeitläufen entwickelt sich Leben. Niedere Tier- und Pflanzenarten bis hinauf zu den abstrakten Riesen, Saurier von 30 m. Länge und 10 m. hoch. Mastadon von fast doppelter Größe unserer heutigen Elefanten. Die Evolution dauerte Millionen Jahre und urplötzlich verschwinden sie wieder. Warum? Man rätselt heute viel darüber. War es Schicksal, waren es Epidemien oder haben Katastrophen das Sterben ausgelöst? Die Wissenschaftler vermuten, dass kosmische Ursachen der auslösende Punkt wären. Z.B. der Einschlag des großen Meteoriten (das heutige Nördlinger Ries), eines Steinmeteoriten vor 14,7 Mill. J. Er soll einen Durchmesser von 1 km besessen haben. Die Einschlagstelle hat einen Durchmesser von ca. 23 km und ist 500 m tief. Die Aufpralltemperatur von 10.000 Grad ließ alles zerschmelzen. Große Steine flogen bis 40 km weit und glasierte Teilchen hat man in der Tschechoslowakei festgestellt. Die Stoßwelle in die Atmosphäre vernichtete im Umkreis von mehreren hundert Kilometern fast alle höheren Lebewesen.

Nach der letzten Eiszeit, vor der sich in hunderttausenden von Jahren aus Einzellern Mehrzeller gebildet hatten, entwickelte sich aus niederen Arten schon die Gesellschaft der Säugetiere. Da war auch wohl der erste Urmensch im Kommen. Das warme Klima begünstigte alles, die ersten Lebewesen waren noch Wasser und Sumpfbewohner, sie brauchten noch das offene Wasser. Sehr viel später lösten sie sich davon und wurden Landbewohner. Ebenso war es bei den Pflanzen. Im frühen Stadium des Sumpfes des austrocknenden Binnenmeeres der Wetterau gedeiht diese Entwicklung im subtropischen Klima besonders gut. Es entwickeln sich Bäume, in den feuchten Flusstälern Erlen und Eschen, an den Hängen schon Buchen und Eichen. Durch Erosion lagern sich Sedimente und Pflanzenreste in den Niederungen ab und werden zu fruchtbarem Boden. Die engen Flusstäler, in denen sich die Wärme staut, begünstigen das Leben. Es wird sogar berichtet, dass die Walnuss, als Wärme liebender Baum, sich bis nach Schotten ausbreitete.

Kein Wunder, dass sich erste Menschen in der fruchtbaren Wetterau einnisteten. Sie waren erst nur Sammler von Beeren und Früchten, dann kam die Jagd hinzu mit den primitivsten Mitteln. Später, als sich das vulkanische Gebirge mit Buchen und Eichen zum Wald mauserte, wäre es ein gutes Jagdgebiet geworden. Aber im Wald hausten die bösen Geister, denn mit dem denkenden Hirn waren auch die Götter und Geister erschienen: die Angst! Nur wenige Beherzte werden es gewagt haben, in den Wald einzudringen.

Wir kleinen Menschen, ich möchte fast sagen primitiven Menschen gegenüber dieser großartigen Schöpfung, können diese weiten Zeitläufe kaum oder gar nicht erfassen. Dazu ist unser Leben einfach zu kurz. Kontinente driften auseinander und jetzt scheinbar wieder zueinander. Riesige Erdschollen schieben sich übereinander, Gebirge werden hoch geschoben. Beispiel: Das Himalaja Massiv liebt sich immer noch. Auch die Kontinente Nordamerika und Europa nähern sich wieder, und daran können wir die Primitivität unseres kurzen kleinen Lebens erst erahnen. Mit heutigen feinsten Messinstrumenten stellen Geologen eine Drift von bis zu 2 cm jährlich fest. Das ergibt folgende Rechnung: Für 1 km Drift braucht man 50.000 Jahre, das sind ca. 2.000 Generationen. Wenn wir dagegen halten die Zeit ab Chr. Geburt, dann sind das erst 80 oder die Zeit unseres jetzigen Jubiläums, der 800- Jahrfeier, das sind nur 32 Generationen. Es sind aber von Nordamerika bis hier nicht nur 1 km sondern über 4.000 km. Das war nur ein Beispiel über Zeit und die winzige Chance, die uns Menschen zur Verfügung steht.

Von Bruno Plitzkow.


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