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Die Frühgeschichte der Besiedlung.

Lange vor der letzten Eiszeit erscheint im Bild der Erde der Mensch. Aus der sich weiter entwickelnden Gruppe der Säugetiere fügt er sich, wie alle anderen in der Natur, der Umwelt ein. Während die Tiere sich als Läufer, Kletterer, Schwimmer, Flieger, Pelzträger usw. den besonderen Anforderungen der Umwelt anpassten, ist der Mensch in allen körperlichen Fähigkeiten und Eigenschaften den meisten Tieren unterlegen. Die Erhaltung seiner Art und seine beherrschende Überlegenheit verdankt er allein seinen geistigen Fähigkeiten. Er hatte ein größeres Hirn, welches ihm den Verstand gab. Er passte sich dadurch eher an die Umwelt an, indem er im Laufe der Zeit das Feuer beherrschte, er brauchte nicht das große Gebiss, wie es die Raubtiere besitzen. Mit Hilfe des Verstandes schuf er sich Waffen, und er brauchte bei großer Kälte keinen Pelz, er schuf sich Kleidung. Er fand für alles was ihm die Tiere voraus hatten Ersatz. Auch diese Evolution dauerte hunderttausende von Jahren. Der Homo sapiens wurde zum Homo erectus, dem ersten Aufrechtgehenden Vollmenschen. Wo er zuerst entstand? Man vermutet zuerst in Afrika. Wir wissen es noch nicht. Es wurden jedenfalls Knochenfunde gemacht bei Heidelberg, Steinheim a.d. Murr, im Neandertal bei Düsseldorf und an vielen anderen Orten in Europa und auch außerhalb. Die ersten Waffen, die der Mensch herstellte waren wohl Faustkeile vorn Feuerstein. Er splitterte gut ab und war sehr scharf. Dann band man die Steinspitzen mit Tiersehnen an Stangen, und der erste Spieß war erfunden. Das hört sich gut an, aber wie lange hat es gedauert, bis einer auf den Gedanken kam? Bekleidet hat man sich zuerst mit den Fellen erlegter Tiere. Es bildeten sich Horden oder Familien, der Verstand gebot ja auch für die zu sorgen, die nicht auf die Jagd gingen, die aber dafür die Waffen anfertigten und die Kleider, die ersten Handwerker also, Steinzeitmenschen, wie wir sie nennen.

In der ersten Hälfte des 3. vorchristlichen Jahrtausends kommen aus dem Gebiet der mittleren Donau stammend die so genannten Bandkeramiker. Sie hatten schon aus Lehm gebrannte Töpfe und Gefäße, die sie bandartig verzierten. Sie hatten auch schon gelernt, Nahrung selbst zu produzieren. Gräser brachten sie mit, die Vorläufer unserer heutigen Getreidearten, und sie hatten Hunde, Schafe und Ziegen als Haustiere. Das war die erste große Revolution in der menschlichen Lebensweise. Sie machte den Menschen unabhängiger von den Jahreszeiten. In den fruchtbaren Löß- Landschaften der Flusstäler bauten sie Langhäuser von fast 40 m Länge. Sie wussten nur noch nicht, dass man den Boden düngen musste. Wenn der Boden in einigen Jahren zu karg wurde und nichts mehr brachte, zogen sie eben weiter. In den Jahrtausenden splitterten sie sich in verschiedene Kulturgruppen auf, z.B. war da die Rössner Kultur (noch in Langhäusern), die Schnurkeramiker (mit Hockergräbern), die Michelsberger (große Erdwerke, kleinere Häuser) und die der norddeutschen Trichterbecherleute mit den Riesensteingräbern und Totenhäusern. Der Hakenpflug, der den Boden aufriss, verwandelte sich in langer Zeit in den Wendepflug, der die Schollen umwendete. Funde dieser Art gab es in Norddeutschland. Eine der größten Erfindungen war das Rad. Man konnte nun schwere Sachen über Strecken leichter transportieren. Für uns sind diese Dinge, meint man, simpel und belanglos. Aber ohne diese, durch den Verstand mögliche Erfindungen, hätte der Homo sapiens vielleicht die heutige Zeit nicht mehr erlebt. Funde dieser Art wurden auch in unserer Gegend in großer Menge gemacht. Eine entscheidende Neuerung in der Jungsteinzeit ist eine Art von Sozialsystem. Man bildet größere Gruppen, man sorgt füreinander, man baut Erdbefestigungen, um sich gemeinsam gegen feindliche Horden und Überfälle zu sichern. Es entstehen somit auch Grenzen. Es entsteht aber auch der Glaube und damit die Furcht vor den Göttern. Götzensteine, Heiligtümer werden aufgestellt, um die Götter gut zu stimmen, Hinkelsteine heute genannt. Einer der letzten ist noch in Unter- Widdersheim zu sehen(Kindstein, er sollte Fruchtbarkeit bringen). Metallische Erze wurden schon gefunden und man konnte es auch schon verarbeiten. Man verarbeitete Kupfer und mischte es mit Zinn zu Bronze. Es war leichter herzustellen als Steinwerkzeuge, denn man konnte es schmelzen und in Formen gießen. Es wurden Werkzeuge (Sicheln, Messer, Nadeln, Nägel, Schmuck usw.) und auch Waffen (Lanzenspitzen und vor allen Dingen Schwerter) gefertigt. Durch das Schwert konnte man sich den Gegner weiter vom Leibe halten und war den Steinzeitmenschen überlegen.

Vom Norden her kamen die so genannten Streitaxtleute (vorherige Schnurkeramiker), sie waren noch Jäger und Hirten und besaßen schon Bronzewaffen. Vom Süden kamen die Bandkeramiker. Das war in der frühen Bronzezeit schon ein rechtes Durcheinander. Die Völker werden größer, man sucht Land und Jagdgebiete, das heißt auch Nahrung. Alle dringen bis in unsere Gegenden vor. Kriegerische Auseinandersetzungen bleiben da nicht aus. Wer wann wo lebte wird im Grunde schwer festzustellen sein, da jeder irgendwann einmal hier war und seine Spuren hinterlassen hat. Funde haben wir aus allen Zeiten, von der Steinzeit, den Bandkeramikern und den Schnurkeramikern. Beide sollen ja im Ursprung Keltisch sein und man nennt sie auch die Heunen oder Hühnen, und sie sollen wahrscheinlich die großen Hügelgräber angelegt haben. Dann in der Bronzezeit geht man von den Hügelgräbern auf die Urnenfelder- Bestattung über. Auch da Funde. Danach die Hallstattleute, erste Eisengeräte und Waffen (800-400 v. Chr.) Frühlatenezeit.

Es wurde also schon gefährlicher, die Befestigungen mussten stärker werden, man schloss sich zu größeren Gemeinschaften zusammen, bildete Gaue, um sich gegenseitig zu helfen. Diese Zusammenschlüsse waren dann auch die Stämme. Durch das viele Hin und Her entwickelten sich Straßen und Wege, die nicht nur von wandernden Stämmen sondern auch von Händlern genutzt wurden. Sie trieben schon zwischen den Stämmen Tauschhandel mit Geräten und Waffen. An diesen Wegen entstehen auch die ersten Siedlungen und auch automatisch die Totenbestattungen. Hier meinen wir speziell die Hügelgräber. Es waren aber wohl nur Reiche oder Hochgestellte, denen man solche Grabhügel baute und denen man für das Leben bei den Göttern Beigaben in das Grab legte. Diese Handels- und Heerwege verliefen hauptsächlich auf den Höhen, damit in den Regenzeiten die Wege noch passierbar blieben, und in alter Zeit waren auch wohl die Niederungen zu sumpfig. Vom Rhein- Main- Gebiet durch die fruchtbare Wetterau ziehen die Wege ins Thüringer Land und weiter. Solche Straßen kamen z.B. an der rechten Niddaseite aus der Wetterau über Ober- Widdersheim, Ufa, Alte Berg, Betzenrod und weiter über den Vogelsberg. Auch an der linken Niddaseite, von Frankfurt kommend, die Zwiefalter Straße über Nidda, Rote Berg, Zwiefalten (heute Kirschberg genannt) weiter durch den Oberwald Richtung Fulda. Dazu kamen noch später so genannte Talrandstraßen. Da ist die von Staden über Nidda kommende Talstraße durch Eichelsdorf, Furt durch die Eichel in der Schlaggasse, den Kirchberg hoch (Eschenröder Landstraße), Auerberg, Wildhauskopf bei Eschenrod (dort übrigens eine 90 x 120 m große ovale Befestigungsanlage), Gackerstein zum Oberwald und damit auf die linke Höhenstraße nach Fulda.

An der Höhenstraße im Alte Berg und auch im Buchwald/Roteberg liegen eine ganze Reihe Hügelgräber. Zum Teil waren sie früher schon ausgeraubt, z.T. aber wurden sie 1921 auch geöffnet. Grabbeigaben sowie auch andere Funde liegen z.T. im Heimatmuseum in Schotten, teils auch in anderen Museen. Funde aus der Gemarkung sind außer den Grabbeigaben auch Steinbeile, Faustkeile aus der Steinzeit und aus der Bronzezeit Sichel, Schmuck, Geräte und viele Kleinteile. Man kann es zwar nicht beweisen, aber man vermutet, dass der dicke Stein bei der Fuhrbrücke auch ein Menhir (Hinkelstein) sei, und dass er später einmal zerschlagen wurde. Es gibt eine wissenschaftliche Abhandlung darüber. Vielleicht deutet auch die Flurbezeichnung "Dicke Stein" auf einen Götzenstein hin. Weitere Funde aus der Umgebung Eichelsdorfs sind bekannt aus der jüngeren Steinzeit: die Hinkelsteine zwischen Nidda und Michelnau. Hügelgräber­ Bronzezeit im Harbwald, Ufa, Ober Lais. Urnenfelderleute: Harb, Rainrod, Schotten, nur um die nächstgelegenen zu nennen. Man sieht, langsam dringt man in das Gebirge ein.

300 v. Chr. dringen Germanen in unsere Gebiete vor, darunter auch ein Stamm, der zwischen Fulda und Werra lebt und sich Chatten nennt. Es ist aber noch nicht die Zeit der Völkerwanderung. Sie leben Jahrhunderte lang in Mittelhessen, wozu auch die Wetterau gezählt werden kann. Dann kommen auch sie in die Zange, denn von Norden drücken andere germanische Stämme und von Süden versuchen die Römer, ihr Reich zu vergrößern. Die Sieben stoßen bis an den Rhein vor und Caesar erobert ganz Gallien bis an den Rhein. Die Römer möchten auch Germanien einkassieren, aber es gelingt nicht. Sie sind zwar mit ihren Waffen und den gut ausgebildeten Soldaten stärker, können aber in dem undurchdringlichen Gebiet gegen die Urstämme, die dieses unerschlossene Gebiet bewohnen, ihre geballte Kraft nicht einsetzen. Es ist ihnen auch nicht gelungen, die Chatten zu besiegen, sie konnten sie nur etwas zurückdrücken. Es blieb den Römern nichts weiter übrig, als sich gegen die Überfälle der Germanen mit einem riesigen Verteidigungssystem zu schützen. Die Grenze, Limes genannt, wurde mit Gräben und Palisaden gesichert, später unter Kaiser Hadrian verstärkt mit größeren Bollwerken, Mauern und Wachtürmen. Kastelle und Garnisonen wurden angelegt. Eine größere Truppengarnison lag in Echzell und eine wieder erstellte ist die allen bekannte Saalburg. Die Chatten, durch den Limes weiter eingeengt, wurden dadurch sesshaft und zum Ackerbau gezwungen. In unserem Gebiet, dicht vor dem Limes, hat wohl Jahrhunderte keiner seine Wohnstadt gehabt. Am Limes war man vor den Kohorten Roms nicht sicher, und 10-15 km weiter (nach heutigem Sprachgebrauch) war der dunkle Wald des unwirtlichen, rauhen Vogelsberges, Buchonien genannt. Wahrscheinlich. weil der größte Teil aus Rotbuche bestand. Und in dem dunklen Wald hausten ja die bösen Geister.

Erst als die Römer endlich feststellten, dass sie Germanien nicht halten konnten und zudem das große römische Reich durch innere Zwistigkeiten zu zerbrechen drohte, zogen sie sich zurück. Das war in den Jahren 357-371. Der Limes war nun keine Grenze mehr. Die große Völkerwanderung war nun im Gange. Die Chatten, die übrigens (ebenso wie die Friesen) in der Völkerwanderzeit als einzige ihre Heimat nicht verlassen haben, mussten sich nun gegen Franken, Alemannen und andere wehren. Im Laufe der Zeit vermischten sie sich mit ihnen und der Name der Chatten verschwand irgendwann. Man sagt um 391 aber im Lexikon heißt es schon 213. Keiner weiß so etwas genau. Die Chatten gehen unter in dem großen Stamm der Franken. Erst 720 hört man wieder etwas von ihnen, als den Hessen im Reich der Franken.


Ballade vom Ritter Eigil!

Sie hatten gestritten für Kaiser und Reich mit blankem Schwert und dem Speere stolz auf den Sieg und die Beute zugleich zogen heim aus Italia die Heere.

Im Frankenreich hatten sie Heimat und Herd Weib und Kind warten dort auf den Ritter.

Er sah seine Burg schon, stieg ab von dem Pferd gedachte der Schlachtengewitter.

Nun ist er daheim, Schwert, Brünne und Schild hängen droben im festlichen Saale er führt den Pflug nun, ein friedliches Bild doch zu viele, die saßen beim Mahle.

Die Scholle konnte ernähren nicht all'

Kaiser Karl berät mit den Herren

gen Osten sollen reiten Ritter, Knecht und Vasall wo noch Berge und Wälder sperren.

Und einer der Tapfersten rüstet sich auch Ritter Eigil mit seinen Mannen

lädt Waffen und Werkzeug und Tiere zuhauf zieht wehrhaft nach Osten von dannen.

Germaniens Grenze zum Römischen Reich

den Limes durchzieht er mit Bangen.

Gewitterschwül, Ruhe im Bachgrund, das Moos ist so weich Forellen im Wasser sprangen.

Bachaufwärts, Buchoniens Höhen und finsterer Wald Wotans Reich, wilde Jagd, Göttergewalt brüllen, heulen, klagen in Buche und Eich Thors Blitze, Feuer und Hammer zugleich.

Ritter Eigil hört lauschend der Götter Gesang, hört ratlos das wilde Jagen.

Man lehrt ihn, sein Christengott, höher im Rang, sei stärker als Götzenklagen.

Da hebt er die Hände zum Gebete empor

um Hilfe von Gott zu erflehen,

hier ist kein Feind, der den Speer streckt hervor, die Götter, die kann man nicht sehen.

Dann spricht er das "Amen", fasst fester das Schwert umringt von den Knappen und Knechten. Hat nicht sich um Göttergewalten gekehrt, glaubt nur an Gott den Gerechten.

Die Götter verstummen vor so vielem Mut, Die Sonne lacht nun in den Zweigen und über des Baches schillernder Flut, tanzen Libellen Reigen.

Im Tal des Baches ziehen sie hinauf

bis dieser sich teilte behende fruchtbare Erde, klare Quellen zuhauf, da sprach er: Die Fahrt ist zu Ende!

Sie rodeten Wald und erbauten den Ort begannen das Korn zu säen. Sie waren frei hier, und Kaisers Wort gab das Dorf dem Eigil zum Lehen.

Die Frau, die Kinder, er holt sie hierher die Knechte versorgten den Acker.

Der Ritter jagt Hirsch, Wolf und auch Bär und lehrt es die kleinen Racker.

Noch manchmal erschien nachts die wilde Jagd zu ängstigen Mensch und Getier. Doch Ritter Eigil, er hat nie gezagt, sonst säßen wir heute nicht hier.

Von Bruno Plitzkow.


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