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Flegel und Handdreschmaschine.

Abschrift aus "Heimat im Bild" - Jahrgang 1950 - Nr. 17

Wenn die Getreidefelder abgeerntet sind und die letzten Garben unter das schützende Dach gebracht werden, brummt bereits die Dreschmaschine im Dorfe. Dem Vordrusch, der heute in vielen Dörfern eingeführt ist, folgt bald der Hauptdrusch. Dann lässt das Arbeitstempo, das während der Erntezeit seinen Höhepunkt erreichte, merklich nach. Es erfährt höchstens noch einmal während der Kartoffel- und Dickwurzernte eine Steigerung. Ausschlaggebend und mitbestimmend ist dabei in erster Linie die Witterung. Sind aber erst die Feldfrüchte eingebracht und die Äcker gestürzt, dann kommt eine ruhige Zeit für unsere Landwirte. Zwar gibt es in Haus, Hof und Stallungen den ganzen Winter über zu tun, aber diese Arbeiten sind doch nicht mehr so anstrengend und drängend wie im Sommer und Herbst. Ganz anders war es in dieser Jahreszeit vor etwa zwei Menschenaltern. Da galt es, die Hauptarbeit zu erledigen, die man sich absichtlich für diese Wochen aufgehoben hatte, nämlich das Dreschen der Frucht. Da noch keine Dreschmaschinen vorhanden waren, musste die gesamte Ernte mit dem Flegel ausgedroschen werden. Diese Arbeit nahm Wochen, in größeren Betrieben sogar Monate in Anspruch. Hatte der Kleinbauer seine eigene Frucht gedroschen, dann ging er auf Taglohn in die größeren Dörfer. Die weitaus größte Zahl der Drescher setzte sich aus Handwerkern und Arbeitern zusammen, Maurer, Zimmerleute, Weißbinder und andere Zeitarbeiter waren froh, wenn sie in den arbeitslosen Wintermonaten etwas verdienen konnten, um ihre Familien durchzubringen. Um vier, spätestens um fünf Uhr wurde mit der Arbeit begonnen. Zum Kaffee gab es trockenes Schwarzbrot. Da es um diese Tageszeit noch dunkel in der Scheune war, musste Licht gebrannt werden. Damit die Srohbündel kein Feuer fingen, wurde die "Leuchte" in einen hölzernen "Leuchtkasten" gestellt, der an der Scheunenwand befestigt und nur an der Vorderseite geöffnet war. Wenn der Tag graute, hatte man schon ein tüchtiges Stück Arbeit geschafft. Nun gab es ein kräftiges Frühstück, das wussten auch unsere Altvorderen zu schätzen "gut gefrühstückt spürt man den ganzen Tag". Dann ging es weiter bis zum Einbruch der Dämmerung. Es musste fleißig gearbeitet werden. Unterbrechungen gab es nur bei den Mahlzeiten. Abends wurden gewöhnlich die Arbeiten für den nächsten Tag vorgerichtet. Das Nachtessen bestand vorwiegend aus "Quellkartoffeln und Schmierkäs". Auswärtige Drescher hatten ihr Nachtlager im Viehstall auf einem Bund Stroh. Betten stellte man ihnen in den seltensten Fällen zur Verfügung. Und dabei waren diese Leute noch froh, wenn sie als Taglohn 20 oder 22 Kreuzer erhielten. In Ausnahmefällen wurden auch einmal 24 Kreuzer bezahlt, aber dieser Betrag galt schon als Rekordlohn. Nach Neujahr sanken die Löhne, da um diese Zeit die meisten Bauern ihre Frucht gedroschen hatten und die Nachfrage nach Arbeit größer war als seither. Ganz schlaue Landwirte hoben sich deshalb den Ausdrusch bis zum Januar auf, da sie dann billiger durchkamen. Jedenfalls war das Dreschen mit dem Flegel eine mühsame und langwierige Arbeit. Mancher Drescher zog sich auf seinen Wanderfahrten sei es bei der Arbeit in zugigen Scheunen oder beim Übernachten in dumpfen, ungesunden Viehställen - ein Leiden zu und sank früh ins Grab.

Dem Bedürfnis nach Arbeitserleichterung entsprachen dann die Handdreschmaschinen, die allmählich aufkamen. Sie bedeuteten einen ungeheuren Fortschritt; denn das Dreschen ging nun viel schneller. Allerdings konnte sich nicht jeder Bauer eine solche Maschine leisten. In erster Linie kam die Anschaffung für die wohlhabenden Bauern in Betracht. Die Kleinbauern mussten sich nach wie vor mit dem Flegel behelfen.

Die Maschine hatte auf jeder Seite eine Leier. Sie wurde gewöhnlich von drei oder vier starken Männern bedient. Für zwei war die Arbeit zu schwer und auf die Dauer nicht durchzuführen. Außer diesen Arbeitskräften waren vier weitere nötig: eine legte ein, die andere nahm das Stroh mit dem Rechen oder mit der hölzernen Gabel ("Zisselgoawel") ab, die dritte kämmte das Stroh, damit es besser eingebunden werden konnte, und die vierte band ein. Je mehr Leute mithalfen, desto besser ging der Drusch. Allerdings spielte auch die Länge der Frucht eine Rolle. Waren die Halme kurz, dann rutschten sie viel leichter durch den Mechanismus. Weiterhin kam es ähnlich wie bei der heutigen Dreschmaschine auf den Einleger an. Legte er viel und unregelmäßig ein, dann mussten sich natürlich die Männer an der Leier kräftig ins Zeug legen. Zum Ausdreschen des Korns eignete sich infolge der Halmlänge die Maschine weniger. Korn wurde deshalb, wie früher, mit dem Flegel gedroschen.

Als die Dreschmaschinen mit Dampfantrieb aufkamen, verloren die Handdreschmaschinen ihre Bedeutung. Sie wurden zwar weiterbenutzt, aber zu Neuanschaffungen kam es nun nicht mehr. Heute verwendet man sie in den Gebirgsdörfern höchstens noch zum Ausdreschen von Raps und Kleesamen.

Von Karl Söhngen.


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