Sie sind hier: Chronik. Eichelsdorf.
Wir beginnen mit unserer Zeitrechnung nach Chr. Geburt, obwohl sie anfangs nicht so gezählt wurde. Unsere christliche Zeitrechnung wurde erst 525 errechnet von dem Abt Dionysius Eviguus, der bei der Aufstellung der Ostertafeln das "Jahr der Menschwerdung des Herrn" als Ausgangspunkt nahm. Den Kalender, den wir heute benutzen, nennen wir den Gregorianischen, weil er von Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 eingeführt wurde. Um die Zeitwende also saßen die Römer in Gallien, am Rhein und auch in unserer Gegend (Echzell usw). Schon lange hatten germanische Stämme versucht, die Römer zu vertreiben, sie hatten aber kein ausgebildetes Heer. Die Tapferkeit alleine reichte nicht aus. Als im 3. und 4. Jahrhundert das römische Reich durch innere Zwistigkeiten langsam zerbröckelte, war die Zeit für die Germanen gekommen, den Limes zu überwinden. Suchen, Alemanen, Burgunder und Franken besetzten das Land. Die sich nun rasch bildenden neuen Staaten zerfallen bald wieder, weil, wie auch heute, keiner genug Macht bekommen kann. Jeder möchte auch hier der Größte sein. Nur die Franken bringen es fertig, einen großen Staat zu schaffen und sich zu behaupten.
Für die Germanen war die Eroberung nicht nur Landnahme, sondern sie erlebten in den ehemaligen römischen Reichsteilen etwas nie Gesehenes: eine hohe Kultur. Sie waren zwar immer tapfere Krieger, lebten im Stammesverband nach strengen Regeln, sie fürchteten Wothan und Thor und die anderen Götter, aber sie lebten in Hütten aus Holz und Lehm. Man möchte fast sagen noch sehr primitiv. Die Römer aber hatten feste Straßen gebaut. Seit Jahrhunderten bauten sie steinerne Häuser und das gleich mehrstöckig. Warmluftheizungen waren nicht selten und große Bäder (Thermen), Theater usw. sowie große, befestigte Städte (Mainz, Trier, Köln u.a.). Wir stehen noch heute staunend vor diesen Großbauten, z.B. Trier, einst Kaiserstadt, die Kaiserthermen, der Zirkus, das schwarze Nordtor der Befestigung, die Porta Nigra, um 260 erbaut und noch heute nach 1700 Jahren ein kolossaler Anblick. Vor allem aber hatten die Römer eine Gesetzgebung, die für das ganze große Reich gültig war und von allen Völkerschaften befolgt werden musste. Der Germanen haben sich wohl über vieles gewundert. Die Gesetzgebung und vieles andere übernahmen sie in ihre neuen Staatsgründungen, und sie vermischten sich auch mit den Nachfahren der Römer.
Im 5. Jahrhundert haben die Franken sich endgültig durchgesetzt. Das Frankenreich ist das Germanen und Romanen umfassendste Staatsgebilde des Mittelalters. Das erste Zentrum unter Childerich und Chlodio aus dem Geschlecht der Merowinger ist Doornik (Tournay) im damaligen Gallien. Childerichs Sohn Chlodwig beseitigte die Reste der römischen Herrschaft in Gallien und machte sich zum Alleinherrscher der Franken. Er unterwarf andere Stämme auf gallischem Boden in mehreren Kämpfen. Mit der Schlacht bei Zülpenich 496 erhielt er endgültig die Oberhand. Hauptstadt war erst Soissons, später Paris. Mit dem Zusammenwachsen mit der romanischen Bevölkerung übernahm er auch die römische Verwaltungsform. Nach fränkischem Gesetz gehörte alles Land dem König. Er vergab es an verdiente Adelige zum Lehen, dafür mussten sie zahlen und im Kriegsfall dem König Dienst tun mit der eigenen Person und mit Truppen. Die Fürsten und Grafen gaben diese Lehen wieder verkleinert weiter an Untergebene nach demselben System und weiter bis hinunter zur kleinen Hufe oder Hof.
Die Völkerwanderung war im Großen beendet. Nur einige Stämme waren weit gezogen. Die Wandalen waren von der Oder kommend über Ungarn bis zur Iberischen Halbinsel gezogen, setzten nach Nordafrika über, gründeten dort unter König Geiserich ein großes Reich und eroberten Karthago. Die Goten, aus der Weichselgegend stammend, zogen kreuz und quer durch Italien und Südeuropa bis Sizilien. Das Grab Theoderichs ist heute noch bei Ravenna zu besichtigen.
Das Frankenreich stabilisierte sich. Der christliche Glaube ebenfalls. Pippin lll. ließ sich vom Papst salben. Karl d. Gr. Pippins Sohn, sicherte das Reich in Verbindung mit dem Papsttum und ließ sich 800 krönen. Er sicherte die Grenzen, und wo dieselben gefährdet waren, wurde durch Eroberungen Frieden geschaffen. Im Reich aber gab es Gebiete, die noch kaum oder gar nicht besiedelt waren. Alles zusammen nannte man die Fränkische Landnahme. Eines der fast nicht besiedelten Gebiete war wohl auch der unwirtliche Vogelsberg. Nun versuchte man, auch ihn zu erschließen. Von allen Seiten drangen beherzte Männer mit Unterstützung des Kaisers in die fruchtbaren Täler ein, rodeten Wald und besiedelten das Land. Zur Sicherung der Straßen wurden Königshöfe angelegt, die dem König oder dem Kaiser direkt unterstanden. Aus ihnen entwickelten sich oft größere Ortschaften. So ein Königshof soll früher das Chaussehaus in Unter-Schmitten gewesen sein, vielleicht auch die Junkermühle in Eichelsdorf, der Adelige Hof? Das andere Land wurde meist den Rittern als Lehen gegeben. Lehen waren also nie Eigentum des darauf Sitzenden, sondern immer nur, nach heutigem Sprachgebrauch, ein gepachtetes Grundstück. Der fränkische Gau Buchonia wurde wohl in der Zeit zwischen 500 und 800 langsam besiedelt. Natürlich entstanden auch später noch eine Reihe von Orten. Nidda und Ulfa bestanden schon zur Zeit Karls d. Gr. und auch einige weitere Orte. Urkunden gingen verloren, wurden nicht aufgehoben, wurden in Krieg und Brand vernichtet. Aber mit der Nennung in einer Urkunde ist ja nicht die Gründung belegt, sondern nur seine Existenz. Die Gründungen aber liegen ja viel weiter zurück, und es ist oft nur ein Zufall, dass noch eine alte Urkunde existiert. Das Roden und Siedeln, das Nachziehen von anderen, die Verwandlung und Vergrößerung zum Ort bis zum Bau einer Kirche konnte Jahrhunderte dauern.
Nach Ansicht von Dr. Karl Kraft, dem bekannten Heimatforscher, dürfte in der 2. Siedlungsperiode 500- 800 Kohden, Eichelsdorf, Einartshausen, Wallernhausen, Michelnau, Wingershausen, Busenborn u.a. entstanden sein. Es fehlen aber die frühen Beweise. Erst 1187 wird Eigelesdorph in einer Urkunde der Johanniter amtlich erwähnt. Diese Urkunde ist aber nicht von Graf Bertold II von Nidda ausgestellt, sondern eine im Namen des Grafen ausgestellte Bestätigung der Schenkung an die Johanniter. Dieses Jahr 1187 wird also, weil nichts anderes vorzeigbar ist, als unser Gründungsjahr angesehen. Aber schon in einer Kopie des Staatsarchivs Darmstadt, die mir vorliegt, steht unter Ortskartei Oberhessen, Lehr, Archiv Hessische Geschichte 9 (1859) Seite 92: Eichelsdorf Filial von Nidda in alter Zeit, bis 1016 nach Eigelesdorph eingepfarrt Wingershausen, Eichelsachsen, Eschenrod. Also stand vor 1016 schon in Eichelsdorf eine Kirche. Das ist aber nur ein Vermerk und keine Urkunde. 1016 wurde in Wingershausen dann eine Kirche gebaut, von Erzbischof Erkanbald aus Mainz eingeweiht, als Gegengründung der Fuldaer gegen die Arbeit der von Straßburg abhängigen Schottenkirche, die im benachbarten Schotten festen Fuß gefasst hatte. In einem weiteren Auszug des Staatsarchivs heißt es: A.F. Walther Großherzogtum Hessen 1854: Eichelsdorf, in vorhandenen Urkunden Eigelesdorph, Eygelsdorf, Ailhardesdorp, lutherisches Pfarrdorf an der Nidda erscheint 1187 urkundlich. Sitz einer Oberförsterei. Dazu gehören die Junkermühle, bis 1680 Eigentum des Oberforstmeisters von Bobenhausen, dann dem Bischöflich Münsterischen Hauptmann von Trilitz gehörig. Die Schwedenteichsmühle (Schwadent.M.) und die Stockmühle. Gemeindegröße: 4782 M. Acker, 793 M. Wiese, 2012 M. Wald. Einwohner im Jahr 1854: 729. Wir aber müssen nochmals etwas zurückgehen in der Geschichte. Über die Schenkung an die Johanniter wird an anderer Stelle berichtet. Auch die Ablichtung der Urkunde und deren Übersetzung finden sie an anderer Stelle. Wir bleiben noch einmal beim Dorf und seiner Gründung. Der Name Eigil oder Eygil ist in fränkischer Zeit nicht so selten. Bekannte Personen dieses Namens sind: im so genannten 26. Germanenkrieg 335 Eigil als der Sohn des Vandalenkönigs, weiter ein berühmter Mann ist der Vorsteher (Abt) des Klosters Fulda, Eigil 818-822, (Kloster Fulda von Abt Sturmius Benediktiner 744 gegründet), ein Hochbedeutender Mann. Auch aus der Umgebung Karl d. Gr. erscheint ein Eigil als zeitweiliger Kanzler. Unter Karl d. Gr. wurden Männer gesucht, ausgerüstet und nach Buchonien gesandt, um dieses Gebiet zu erschließen. Über unseren Eigil, der wohl auch bei diesen Männern war und wahrscheinlich ein Reichsritter war, haben wir leider keine Daten, da können wir leider nur vermuten. Das Königtum Karls d. Gr. begann 768 (800 Kaiser), und man kann wohl die Gründungen somit in das Ende des 8. Jh. legen. Die alten Wander- u. Handelswege wurden dazu genutzt, und überall wo strategische Punkte waren wurde gesiedelt. Somit war auch der Weg gesichert für die, die danach kamen und weiter zogen. Hier bei uns bestand so ein strategischer Punkt. An beiden Seiten führten die Höhenstraßen vorbei, im Roteberg einerseits und im Alte Berg andererseits, im Tal die so genannten Talrandstraßen von Frankfurt kommend, durch die Eichelfurt, Kirchberg hoch usw. und aus der Wetterau über Borsdorf, Haubenmühle zur Furt Junkermühle, die Eichelfurt, über Rainrod nach Schotten und weiter. Hier war also auch die Querverbindung zwischen den großen Straßen. An dieser Teilung der Bäche und der Talstraßen war ein günstiger Platz. Klare Quellen brauchte man und auch gegen Hochwasser musste man geschützt sein. Man glaubt, dass die erste Siedlung an dem Verbindungsweg zwischen der nach Schotten führenden Straße, der Pfarrgasse (heute Brandesgasse) und der "Strohs" (Kirchberg hoch) im Gebiet der Weinfahrtswiese zu suchen sei. Die hier benutzten Namen sind ja alle neueren Datums. Beweise für diese Siedlung vor dem Eichköppel haben wir allerdings nicht. Es war wohl erst nur ein Hof, der sich dann später vergrößerte bis es ein kleiner Ort wurde, der sich dann eine Kapelle oder Kirche erbaute. Später bildeten sich noch Vorwerke oder Teilsiedlungen und vielleicht auch ein Hofgut, das wir heute Köhlermühle nennen, oder war das zuerst da?
Bekannt als Siedlungen oder Weiler sind Vrohneholz, heute zu Ulfa gehörend, Odenhusen oder Udenhausen, vor Höllenwiese gelegen, Habechesbach (Haisbach) und Richolveshusen (Rechelshs.), heute zu Unter- Schmitten gehörend. Heute nennen wir diese Stellen Wüstungen. Die Weiler sind nicht erst im 30-jährigen Krieg verschwunden, sondern schon im 15. Jh. Fehden, Überfälle von allerlei Gesindel, Zigeunern, Bärentreibern, Dieben, entlaufenen Soldaten und Marodören waren wohl schuld, denn die kleinen Weiler konnten sich dagegen nicht wehren. Vielleicht waren es auch Seuchen oder auch ungünstige Klimaverhältnisse an den winterseitigen Hängen oder, wie auch berichtet wird, die "Rappelsteine" auf den Äckern. Die Bewohner zogen es vor, wieder in das Mutterdorf, in die größere Gemeinschaft zu ziehen. Von der Gründung des Ortes steht also z.Z. noch nichts fest. Das heißt aber nicht, dass es vielleicht nichts gibt. Man hat es vielleicht nur noch nicht gefunden. Es werden immer wieder neue Dinge gefunden. Wenn wir an die alten Schlösser mit ihren riesigen Bibliotheken denken und in ihnen hunderte alter schweinslederner Folianten sehen, dann übersehen wir meist, dass ein großer Teil noch nie gelesen wurde. Früher waren die Bücher noch anders gebunden und man musste die Seiten noch aufschneiden. Das ist bei vielen noch nicht geschehen. Aber wer hat wohl Zeit, diese Schätze zu lesen? Die paar Bibliothekare? Die schaffen es nicht, dann sind viele Bücher kaum zu entziffern, es dauert also lange, sie zu lesen, und am Ende weiß man nicht, was in jedem Buch steht und ob es gelohnt hat es zu studieren. Wir haben aber Beispiele, dass im Laufe der Zeit immer wieder Neues gefunden wird, manches lohnt also. Vielleicht findet man auch über Eichelsdorf mal was Neues, Altes. Der erste Beweis ist also die Urkunde der Schenkung an die Johanniter. Dort heißt es also 1187: Zur Mutterkirche Nidda gehören 2 Tochterkirchen mit allem was dazu gehört, nämlich Eigelesdorph und Richolveshusen. In Eigelesdorph geben 3 Hufe und 2 Höfe ab... usw. Es gab also schon größere Besitzungen. (1 Hufe ist eine Landwirtschaft um 30 Morgen, die mit einem Gespann bewirtschaftet wird.) Die Höfe sind größer. Dazu gehören dann aber eine Reihe kleinerer Katen, Tagelöhner und vor allen Dingen Handwerker. In derselben Urkunde steht: In demselben Dorf gibt es ein Hofgut, dass 20 Dinare abgibt usw. Dieses Hofgut ist aber nicht in einem Weiler zu suchen, denn Udenhausen ist z.B. in der Urkunde als eigener Ort aufgeführt. Vielleicht können wir dieses Hofgut auf die Köhlermühle beziehen, denn dort war eine Furt und an solchen Stellen wurde oft ein größerer Hof als Sicherung gebaut, oft gar als Königshof. Die Mühle als solche kam erst später hinzu. In den alten Kirchenbüchern wird die Köhlermühle immer nur als der "Adelige Hof- verzeichnet. Nach dieser Urkunde von 1187 gibt es lange Zeit keine Zeugnisse oder man hat sie noch nicht gefunden. Pfarrer Peter berichtet: Als erster Einwohner ist namentlich ein Bernhard Jüngling genannt. Er kaufte 1596 vom Schultheiß und Oberförster Hans Sauer zu Stornfels das Gut Reinhausen. Er war also schon ein reicher Mann. Doch wie gesagt, man findet immer wieder Neues. Vom Staatsarchiv habe ich nun Urkunden bzw. Schriftstücke, in denen der Ort schon am 23.1.1501, am 10.10.1578 und 14.2.1595 genannt wird. Dann liegt ein Kontrakt vor von Johannes Moller (Möller) aus dem Jahre 1568. Dann erst erscheint 1596 Jüngling. Es gibt auch schon 1585 eine Liste des Klosters Hirzenhain über seine in Eichelsdorf liegenden Äcker. Von kirchlicher Seite zu verzeichnen: 1526 wurde in Nidda die Reformation eingeführt von Dr. Joh. Pistorius, Niddaer Sohn und ehemaliger Johanniterbruder. Er soll mit Luther befreundet gewesen sein. Erst 2 Jahre später wird die Reformation in Eichelsdorf eingeführt, 1528. Der erste Pfarrer soll Vulffganges gewesen sein (lt. Pfarrer Peter). Sein Nachfolger wurde Samuel Biedenkapp. Er war wahrscheinlich der Erste, der hier Aufzeichnungen machte, also ein Kirchenbuch führte. Leider ist dieses Buch nicht mehr vorhanden. Vielleicht wurde es durch Krieg, Brand, Wasser oder anderes zerstört. Den 30 jährigen Krieg hat es jedenfalls überlebt, denn Pfarrer Horn, der ab 1697 zwei neue Bücher anlegte, beruft sich darin in vielen Notizen auf das vorherige Buch des Pf. Biedenkapp. Seit Pfarrer Horn fließen nun die Berichte besser. Ich nehme an, dass das Führen der Bücher keine Pflicht war, denn seine Nachfolger haben oft jahrelang keine Eintragungen gemacht, nicht einmal Hochzeiten und Sterbefälle. Nun ja, der Pfarrer musste damals ja auch seine Landwirtschaft machen, von der er leben musste. Damals etwa 34 Morgen. Er hielt Knecht und Magd sowie Kühe, Schweine und Schafe.
Im weiteren Verlauf des Berichtes müssen wir weltliches und kirchliches vermischen, denn die Verwaltung durch die Herrschaft (Grafen, Landverweser, Schultheißen) ist sehr lückenhaft belegt. Viele von ihnen konnten ja auch nicht lesen und schreiben, Schriftstücke andererseits, wenn überhaupt vorhanden, sind wer weiß wo gelagert. Das, was die Pfarrer aber aufzeichneten, wenn auch teilweise lückenhaft, blieb in der Kirchengemeinde. Obwohl, wie schon gesagt, auch das Buch des Pf. Biedenkopf "untergegangen" ist. Wir kommen nun in das 17. Jahrhundert. Die Schule wird 1612 genannt. 1618 begann der große Krieg, den wir später den 30 jährigen nennen. Er brachte viel Leid und Unheil über das Land. Wurde erst als Gottesgericht angesehen gegen die sündige Menschheit. Im Jahre 1619 erschien... ein großer Kometen in Gestalt einer feurigen ruten am Himmel offentlich sehen un hernach folgende straffen wo wir uns nicht bessern und buss tuen... Der Krieg, ausgelöst durch die Verschärfung konfessioneller Gegensätze, führte zur Verhärtung zwischen den Reichsständen einerseits und zwischen ihnen und dem Kaiser andererseits. Zündender Funke war die Verletzung des Majestätsbriefes Rudolp II für Böhmen durch Ferdinand II, der im "Prager Fenstersturz" am 23.5.1618 zu offener Empörung der Stände und zur Wahl des Kurfürsten Friedrich V. v.d.Pfalz zum protestantischen Gegenkönig führte. Dann begann ein großes Durcheinander insofern, als die Heere hin und her taktieren und kreuz und quer durch die Lande ziehen. Es gab doch unzählige Kleinstaaten. Tilly schlägt Friedr. V., Protestantismus wird in Böhmen beseitigt. Dagegen greift Dänemark mit Unterstützung Englands und der Niederlande gegen die Habsburger ein. Der Kaiser wieder findet Unterstützung bei Wallenstein, der den Grafen von Mansfeld schlägt und in das Norddeutsche vordringt. Die Gefahr der Kaisermacht an der Ostsee bringt König Gustav Adolph v. Schweden auf den Plan. Wieder Kriegsfurie über das Land bis Süddeutschland. Er schlägt Tilly bei Breitenfeld 1631 und Wallenstein am 16.1 L1632 bei Lützen, dort fällt Gustav Adolph. 1633 Ermordung Wallensteins, der Sonderfriedensverhandlungen mit Schweden und Sachsen begonnen hatte. 1634 Niederlage der Schweden bei Nördlingen. 1635 Sonderfrieden des Kaisers mit Kursachsen. Franzosen greifen ein. So geht es hin und her, bis endlich am 24.10.1648 der Westfälische Friede in Münster und Osnabrück geschlossen wird. Es dauert aber noch fast ein Jahrzehnt bis noch streunende und marodierende Söldnerhaufen vernichtet sind. Fast 50% der Bevölkerung sind vernichtet, ungeheurer Schaden ist angerichtet. In unserer Gegend hausten erstmals richtig 1622 die Truppen des Grafen Ernst von Mansfeld und die des Herzog Christian v. Braunschweig, "des tollen Christians" wie er genannt wurde. Sie beide waren Parteigänger des geschlagenen Friedr. IL (des Winterkönigs). Eigentlich hätte hier gar nichts passieren dürfen. Landgraf Ludwig V. von Hessen war evangelischer Fürst, also Parteigänger des Braunschweigers. Er wollte aber sein kleines Land aus dem Zwist heraus halten und neutral bleiben. Das aber gerade verübelte ihm der Braunschweiger und nannte ihn einen Verräter. Die Wut darüber musste natürlich, wie üblich, das kleine Volk ertragen. Ein Brief des "tollen Christian" an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt, vom 25.11.1621 existiert noch. Nur ein Satz daraus als Drohung: "... dass er dermaßen in seinem Lande haußen werde, das es dieselben gereuen und Kindeskinder sich darüber sollen zu beklagen haben...". Die Soldateska massakrierte und plünderte des Landgrafen Untertanen bis aufs Blut. Landgraf Ludwig nannte man später den Getreuen, weil er Zeit seines Lebens dem Kaiser die Treue gehalten hatte. Ludwig V. v. Hessen-Darmstadt regierte von 1596-1626. Der tolle Christian marschierte also von Hersfeld kommend am 9. und 10. Juni 1622 durch Alsfeld, am 11.6. durch Schotten und am 12.6. über Eichelsdorf nach Nidda. Berichte liegen vor aus den vorher genannten Orten über unsägliche Grausamkeiten. In der Grafschaft Nidda und seinen Dörfern haben sie sich besonders rau benommen. Von Nidda heißt es: "... Caspar Schultheiß gebunden und nachdem sie ihn misshandelt mit einem Schenkel ins Feuer gelegt und übel gebrannt... Simon Kistnern ein Ohr abgehauen... von der Grafschaft 12.000 Taler verlangt, den Feuerwagen auf den Markt gefahren und die Stadt anzünden wollen... und noch vieles andere. Aus den Dörfern alles mitgenommen, Tiere herdenweise, Nahrung, Frucht, Geld, Hausrat, Kleidung, Leinwand Wagenweise fortgeschleppt. Nicht nur Plünderung und Erpressung, Verwüstung, Brandlegung sondern auch Schändungen. So liest man: "Davon dass sie eheliche und ledige Weibspersonen mit Gewalt ihren Eltern und Ehemännern entführt, dieselben genotzüchtigt und geschändet... in einem Ort der Grafschaft über 30 Weibspersonen geschändet und haben sie die Schande nicht allein mit jungen, sondern auch an den alten ungestalten Weibsbildern und Eheweibern verübt." Von Eichelsdorf erfährt man: "... haben sie Hans Cräbast bei den Füßen aufgehängt und ausgezogen, dem Joel Gänß einen Strick um den Hals gelegt, die Nägel mit Nadeln abgestochen. Wilhelm Gock viel geschlagen, dass er sein Handwerk nicht mehr brauchen können... Heinz Knauffen Weib, so drei Tag vorher ins Kindbett kommen ins Wasser gejagt aus dem Kindbett raus... Hans Moser bei das Feuer gehängt und unter ihm Feuer gemacht ... Peter Würz jun, an fahrender Hab 19 Reichstaler, 2 Pferd, 100 R. Feldschade und Versäumnis 83 R. an Barschaft 18 R. = 220 Reichstaler, haben ihn mit fünf bloßen Degen überfallen, mit Steinen geworfen und übel zugericht also hat sterben müssen ...! Die Leute sind bei Nacht den Braunschweigern nachgelaufen um das geraubte Vieh wieder zu lösen bis Wenings, Birstein, Hanau, Nieder- Wöllstadt usw. Der Feldschade ist: Die Braunschweiger ließen das zusammengeraubte Vieh auf den Fruchtfeldern alles abfressen. So gäbe es aus den Nachbargemeinden auch noch viel zu berichten." Dazwischen ein anderes Thema: 1628 die große Kirchenvisitation. Darüber aus dem Bericht von Jean Diehl, Ober- Schmitten in "Vogelsberger Heimat 1929": Die große Kirchenvisitation verfolgte den Zweck, in die kirchlichen und schulischen Verhältnisse hineinzuleuchten. Übelstände sollen aufgedeckt und abgestellt werden. Der 30 jähr. Krieg ist 10 Jahre im Gange. Der Vogelsberg ist außer dem Durchzug des tollen Christian 1622 im Großen und Ganzen bisher verschont geblieben. 1622 schlug er große Wunden, die aber nach 6 Jahren doch zum großen Teil vernarbt sind. Der Landwirt führt wieder seinen Pflug und die Jugend freut sich wieder ihres Daseins. Der große Krieg wetterleuchtet nur aus der Ferne. Wie war es damals, vergilbte Akten erzählen. Folgende Auszüge nur in Kurzfassung, da es sonst zu lang wäre. Schotten:... Juden treiben am Kaplanhaus Viehhandel, auch sonntags. Die jungen Burschen treiben sich nachts schreiend in den Straßen herum... Eichelsdorf:... Der Pfarrer hält eine Predigt, die gar schlechte ist. Alte und Junge bestehen ihre Prüfung gar schlecht und übel. Der Pfarrhof ist so brüchig, dass die meiste Zeit des Jahres niemand in die Ställe und Scheuer kann. Das Hoftor liegt um... Ulfa:... Die Sonntage sind mit Hetz- und Jagddiensten belegt... die Zehntgarben werden erst in der Scheuer ausgetreten ehe sie abgeliefert werden ... Die Juden haben eigene Häuser, sollen davon Abgaben an die Kirche entrichten was sie aber sein bleiben lassen... Wingershausen:... Klagen über eheliche Verhältnisse. Hans Nagel hat drei Frauen, als der Boden zu heiß wird, haut er ab und wird Soldat
... des Försters Frau von Eichelsachsen soll Segen sprechen und das Sieb treiben... Crainfeld:... beim Durchzug der Braunschweiger 1622 furchtbarer Brand. Kirche, Pfarr- und Schulhaus abgebrannt. 2 Juden, schlichte Leute, handeln mit Pferden und besuchen sonntags die Synagoge in Schotten. Der Pfarrer handelt mit Ochsen... Breungeshain:... Sommersonntage verbringt man mit tanzen, schießen und kegeln. Fluchen, schwören, Gotteslästern bei jung und alt ... Stumpertenrod:... die Braunschweigischen haben alle Kopulations- und Totenbücher verbrannt... ein Abendmahlsempfänger wurde nachmittags auf der Kegelbahn angetroffen und muss Kirchenbus bezahlen... Meiches:... der Pfarrer muss den Gemeindeochsen halten... Alsfeld:... dörrt das Weibsvolk den Flachs auf dem Kirchhof... der Pfarrer in Schwarz bekommt für die Tauf 18 Pfennige, wird er eingeladen so entfällt das Geld... eine Frau hat sich von ihrem Mann getrennt, er erklärt, sie sei ohne Ursach fortgegangen, hernach habe sie an einem Fuß Rotlauf gehabt und diesen in einem Leinentuch so verderbt, dass ihr bei heißen Zeiten die Würmer darin wachsen... lose Kirmestänze werden in Geiß-Nidda gehalten... Nidda:... der Organist ist dem Trunke verfallen, der Glöckner und der Kirchen dieser dürfen den Abendmahlskelch nicht mehr füllen... Borsdorf:... ein Ortsbürger wollte beim Durchzug der Soldaten eine Belohnung geben wenn sie den Pfarrer erschlügen...!
Von 1629 liegt die erste Steuerliste von Eichelsdorf vor, sie enthält folgende Namen:
Ackerleute:
Peter Korn 1 Pferd, Mathern Orth 1 Pferd, Johannes Buß 1 Pferd, Hans Schneider 1 Pferd, Kurt Maurer 2 Pferde, Aßmuß Reimund 1 Pferd, Peter Claus 2 Pferde, Jost Orth 1 Pferd, Balthasar Kercker 2 Pferde, Philips Schmidt 1 Pferd, Steffan Möser 2 Pferde, Hermann Möser 1 Pferd, Curt Jost 1 Pferd, Henrich Möser 1 Pferd, Georg Nagel 2 Pferde, Enders Clos 1 Pferd, Peter Würz 2 Pferde, Hans Nagel 2 Pferde, Johannes Schmid 1 Pferd, Johannes Koch 1 Pferd, Cuntz Bald 2 Pferde, Hans Möser 1 Pferd, Gerhard Heerdt 2 Pferde, Hans Claus 1 Pferd. 24 Personen, 33 Pferde
Einläufftige :
Claus Köhler, Peter Crebast, Enders Schmidt, Jerel Geiß, Georg Peter, Heintz Schreiber, Peter Götz, Wilhelm Hans, Hartmann Kammer, Curt Crebast, Wolff Scheefer, Hartmann Marbacher, Peter Lang, Adam Marbacher, Ludwig Kummer, Wilhelm Heß, Nikolaus Biedenkap, Hermann Kremppel?, Adolphs Johann, Curt Schwartz, Johann Kleiber, Wilhelm Götz, Hans Claus, Hein Klaus, Johann Götz, Jacob Böcher, Curt Blum, Clos. Biedenkap, Hans Kummer, Johann Fischer, Kaspar Möser, Peter Schuchart, Hans Nickel, Heinz Knauff, Hansen Johann, Georg Sauer, Enders Götz, Caspar Laiß, Kurt Imgant ? T ?, Curt Schmidt, Peter Dilling, Hans Schmidt, Hansen Christen, Hans Götz, Theis Schauermann, Hans Schmidt, Daniel Scheefer, Johann Seylbach, Georg Asmuß, Hartmann Würtz, Johann Schmidt, Jost Crebast, Michel von Alt
Wittiben:
Hermanns Hansen Closen, Wolff Clausen, Henrich Noden (oder Roden), Hans Biedenkapps, Cuntz Bleyen, Johannes Busen, Adolph Götzen, Henn Ackers, Peter Biedliebs, Heintz Beckels, Aßmus Crebasts
Unmündige:
Peter Würtzen Jun.Tochter Katharina von 10 Jahren
Freye P. (Freie Personen): Tobias Arculariuss- Pfarrer, Gerlach Kopel- Schulmeister, Matthes Bilhert- Förster
Der Begriff Ackerleute = die mit einem Pferde oder Ochsengespann frohnden mussten. Einläuftige = Die aus Mangel an spannbarem Vieh Handdienste machen mussten. Freie = die von Abgaben und Diensten befreiten. Die Witwen wurden je nach Besitz den Ackerleuten oder Einläuftigen zugerechnet. Man sieht aus all den Auszügen wie "schön" die alte Zeit war.
Da zog das Jahr 1633 herauf. Nach der Pause, in der der Krieg in anderen Teilen des Landes tobte, kam die Kriegsfurie wieder über die Wetterau und den Vogelsberg. Der Grund: Die Schweden waren bei Nördlingen geschlagen und mussten zurück. 4 große Heere fluteten im Laufe der Zeit durch unser Gebiet, ein tolles Durcheinander. Erst Hessen- Kasselische und Lüneburger (Genossen der Schweden) Mitte September, dann Ende Sept./Anfang Oktober die Spanisch- Kaiserlichen. Den Siegern folgten dann die geschlagenen Schweden. 1634 erscheint ein starkes kaiserlichligistisch spanisches Heer, das von Dez.- Mai 1635 unser Gebiet besonders heimsucht. Schweden, Lappen, Irländer, Schotten, Deutsche auf protestantischer Seite, Kroaten, Polen, Wallonen, Spanier, Deutsche auf der katholischen Seite. Es war kein Glaubenskrieg mehr, sondern ein Raubzug internationaler Soldateska. Zuchtlose Heere, riesiger Troß von Weibern, Kindern und Dirnen schonten weder Leben noch Geschlecht, Stand, Konfession. Am schlimmsten trieben es streifende Rotten von entlaufenen Soldaten und Marodören, die auf eigene Faust plünderten. Sie hatten ja auch eine neue Masche entdeckt. Von den Schweden hatten sie etwas Neues gelernt, das man den "Schwedischen Trunk" nannte. Das war ein besonders rüder Zwang, den Betroffenen zur Aussage zu zwingen. Sie banden den Delinquenten und flößten ihm Jauche ein, ein teuflischer Akt, der den Betroffenen dazu brachte, zu verraten, wo er seine letzten Habseligkeiten versteckt hatte. Wegen Soldaten Überhäufung wurden 1634 viele Felder nicht bestellt, man wagte sich nicht weit vom Ort fort wegen der Unsicherheit. Dadurch Hungersnot und große Teuerung. Das Achtel Korn 1634 noch 16 Kopfstück, kostete 1637 schon 45 Kopfstück. Soldaten, als der stärkere Haufen, droschen das Korn schon auf dem Felde. Dazu kam dann 1635 "die böse Luft", die Pest, eine Lungenseuche. Sie raffte viele dahin. Unzureichende Hygiene und vom Hunger ausgezehrte Körper leisteten natürlich Vorschub. Vielerorts wurden Pestfriedhöfe angelegt, die Toten oft nicht mehr registriert, z.T. schon deshalb, weil auch der Pfarrer gestorben war. Viele suchten Zuflucht vor dem Gesindel in den festen Städten wie Nidda. Die Stadt war total übervölkert, was natürlich der Pest dann noch zuträglich war. Das Ergebnis allgemein, die Nahrungsmittel wurden knapp und alles andere auch. Nach Nidda flohen Menschen aus angeblich 70 Orten. Auch Eichelsdörfer waren dabei, aber man weiß nicht genau wer. Nach dem Niddaer Kirchenbuch starben 1635 510 Einheimische und 1293 Auswärtige. 1803 Tote in einem Jahr, mehr als Nidda Einwohner hatte. Dafür war nicht genug Holz für die Särge vorhanden, da umwickelte man die Toten mit Stroh und bestattete sie in Massengräbern auf dem Pestfriedhof außerhalb der Stadt. Über das 1634 erscheinende kaiserliche Heer heißt es in der Überlieferung:...Aller Orthern... erfülleten sie den Himmel, Lufft und Erden mit Fewer, Rauch, Dampff... Blut Mord Schand und Brant, leyd vnd Geschrey... fast kein Orth blieb gantz stehen, kein Mensch dorffte sich sehen lassen oder bliken, wer nicht des Todes sein wolte oder sich feste oerter oder ins dike Gestreuch, wälde, Höhlen und steinrizzen verkrichen. war doch dainalen nicht sicher sondern wurde heraus gezogen und ärger als ein unvernünftig Vieh gehawen, erschossen, gernezget, zerfetzet...! 1639 kamen wieder Truppen unter Graf Hatzfeld (Kaiserliche) in die Grafschaft. Nidda und seine Dörfer mussten 2135 Reichstaler und 37 1/2 Albus zahlen. Die Gräueltaten ließen nach, aber die Truppen mussten doch versorgt werden. Treffend bemerkt Schiller in einem Buch über den 30 jähr. Krieg: Es war endlich soweit gekommen, dass man den Krieg nur fortsetzte, um den Truppen Arbeit und Brot zu verschaffen. Dass man fast bloß um den Vorteil der Winterquartiere stritt und die Armee gut untergebracht zu haben höher schätzte als Pine gewonnene Schlacht.
Aber wie kann es anders sein. Als der große Krieg in vielen Teilen des Reiches in den letzten Zügen lag, verwandelte der Hessenkrieg, ein Bruderkrieg zwischen Hessen- Kassel und Hessen- Darmstadt um das Marburger Erbe, das nördliche Oberhessen, auch das Eicheltal, in einen Tummelplatz der Leidenschaften, auf dem sicherlich ein erheblicher Teil der Bevölkerung zerstampft wurde. Die Verluste will ich in einer kleinen Tabelle auflisten:
Diese Liste bezieht sich nicht auf Personen, sondern auf Familien:
1629 Ackerleute 24, Einläuftige 64, Freie 3, 1652 Ackerleute 13, Einläuftige 18, Freie 9 Vorherige Listen existieren nicht.
An Familien sieht es so aus:
1629 = 91 Familien = 455 Einwohner
1648 = 32 Familien = 128 Einwohner
1652 = 40 Familien = 180 Einwohner
Die Einläuftigen haben sehr abgenommen, das liegt wohl daran, dass sich in den Hungerjahren die Ackerleute mit ihren größeren Betrieben länger halten konnten als die Kleinen, sie hatten ja mehr Reserven und sie haben die Kleinen dann, wie man sagt, "gefressen".
Das Leben geht weiter, die Zeit bleibt nicht stehen. Viele scharen sich in dieser Zeit um ihr Gotteshaus. Es gab aber auch andere, die fluchten und Gotteslästerung betrieben. Das Kirchlein steht abseits des Dorfes, warum?? Man glaubt, dass das Dorf in alter Zeit in Richtung auf die Kirche, die meistens erhöht, näher zu Gott, gebaut wurde. Es gibt dort die Kellergärten, aber vielleicht sind die dort gefundenen Steinreste und Treppenstufen auch nur Reste von Hohlkellern. Es könnte sein, dass vor langer Zeit das Dorf dort lag und später im Laufe von Jahrhunderten wieder ins Tal wanderte. Was sind da schon Jahrhunderte, wir sehen doch, wie schnell sich heute das Ortsbild verwandelt. Es wurde schon früher vermutet, dass es eine Art Wehrkirche gewesen sei, wie sie früher gebaut wurden, aber nach dem heutigen Bild zu urteilen, dürfte das wohl nicht stimmen. Das ist alles nicht zu beweisen. Der Zeitpunkt des Baues ist auch nicht eindeutig geklärt. Man glaubt, und es spricht vieles dafür, dass es erst nur eine Kapelle gewesen ist. Das müsste aber schon sehr früh gewesen sein, denn lt. Johanniterurkunde war die Kirche ja 1187 da, und wenn das Großhessische Ortsregister stimmt, schon vor 1016. Sonst hätte man ja die anderen Orte nicht ein einpfarren können und nur in eine Kapelle hat man wohl nicht eingepfarrt. Dass sie nicht ihre heutige Form hatte ist schön möglich, aber alle verfügbaren Daten dürften nur Umbauten oder Renovierungen sein. Es heißt da 1452: Ein Baufachmann datiert sie auf 1230, auch soll sie 1631 in dieser Form gebaut sein, sehr unwahrscheinlich im 30 jähr. Krieg, und warum steht das Jahr 1625, also schon 6 Jahre früher, auf der Kanzel? Die Kanzel jedenfalls ist ein eindeutiges Beweisstück. Die Eichelsdorfer konnten sich nicht lange an dem neu hergerichteten Bau erfreuen, denn am 19. Sept. 1657 wurde das Gotteshaus zum größten Teil ein Raub der Flammen. Der "Gottlose Schulmeister", Hermann Kummer, hatte von den Soldaten das Tabakrauchen gelernt. Er baute das verwünschte Kraut nun selbst an und benutzte den Kirchenspeicher als Trockenboden. Seine Dienstboten hängten nun das "Tobackskraut" dort auf und haben wohl dabei geraucht oder Licht dabei angehabt, und dann ist es eben passiert, es brannte lichterloh, die Balken fingen Feuer und die Kirche brennt. Der Schaden durch den "Eigenbau" ist groß. Der ganze Dachstuhl, ebenso der Turm brannte ab, die Glocken schmolzen und das Chorgewölbe stürzte ein. Die Kirche musste wieder gemacht werden. Geld war aber keines vorhanden, denn Deutschland war vom Kriege arm und die Bevölkerung dezimiert und ausgeplündert. Was noch lebte war "arm wie eine Kirchenmaus", so steht es geschrieben. Die Eichelsdorfer kratzten alles zusammen, im Lande wurde eine Kollekte erhoben und der "Gottlose Schulmeister" sühnte seine Schuld, indem er mit einem Gesellen mehrmals durch das Land zog, um für den Kirchbau zu sammeln. Sein Geselle soll Nagel geheißen haben. Glocken konnte sie erst nur eine gießen lassen. Auf der Kleinen, zuerst gegossenen, der so genannten Vaterunserglocke steht: ". .. Anno 1657 die Kirche abgebrand, Anno 1662 die Glocke wieder gossen Hans Adolf Geiz, Hans Henschel in Gießen goss mich." Die andere, größere Glocke wurde viel später angeschafft. Die Inschrift auf ihr lautet: "Durch das Feuer floss ich. Johannes Hensel in Gießen goss mich den Gemeinden Eichelsdorf und Oberschmid. L.C.H. Pfarher beide Borgemeister J.S. H.R... L.C.H. = Ludwig Christoph Horn, Pfarrer von 1695-1730.
Über den Bau des Pfarrhauses wissen wir nichts Genaues. Es wurde zwar im Jahre 1708 größtenteils neu erstellt, aber über den Erstbau sind keine Unterlagen zu finden. 1720 wurde es wieder renoviert, weil am Giebel alle Balken verfault waren, und da fand man am vordersten Giebel, dem Bach zu, als der Lehm heraus war, im unteren Balken folgende Inschrift: HANS BIS ANNO 1581 S B. Ob Hans Bis der Baumeister oder der Zimmermann war, ist nicht bekannt. S.B. aber ist wohl Samuel Biedenkapp, der damalige Pfarrer, der auch das kl. Pfarrregister schrieb (lt. Notiz des Pfarrers Horn von 1720). Einen weiteren Bericht über die Kirche aus den Büdinger Geschichtsblättern v. Peter Weyrauch haben wir in den Leseteil gegeben.
Anfang der 70er Jahre des 17. Jh. kommt es zu einem Streit über die Weiderechte zwischen Eichelsdorf und Ober-Schmitten. Der Viehbestand ist schön wieder so groß und der Krieg schon so lange her, dass man wieder einen Streit vom Zaune brechen muss. Auch diesen Bericht finden sie im Leseteil. 1673 wird das Niddatal von einer Hagelkatastrophe verwüstet. Am 22. Mai wurde dadurch fast die ganze Ernte vernichtet. Am schlimmsten traf es die Dörfer Eichelsachsen, Wingershausen und Eschenrod, und noch heute wird dort des Hageltages gedacht. Aus der Ortschronik lesen wir dann in den Heimatglocken von 1923: Am 29. August 1674 hat sich in der Nacht ein großer Regen und Wasserguss erhoben. Da dann das Gewässer im Dorf dermaßen angestiegen und gewachsen, dass es Häusertief beim Pfarrhaus gewesen. Warf das Neuerbaute Schulhaus über einen Haufen, dass die Schulmeisterin samt zwei Kindern im Wasser gestorben. Der Schulmeister aber samt zwei Kindern lebendig erhalten worden. Fing um 10 an zu regnen, um 12 lag das Schulhaus schon über einem Haufen.
Was sonst noch über das 17. Jahrh. zu sagen wäre, betrifft das Handwerk. Wir haben hier Schuhmacher, Schneider, Huf- und Nagelschmied, Schlosser, Wagner, Küfer, Leineweber, Bierbrauer, Müller, Weisbinder, Maurer, Dreher, Sattler, Zimmermann, Korbmacher, Metzger, Pattirer. Der letzte Beruf konnte nicht einwandfrei geklärt werden, es gibt da mehrere Erklärungen. Man glaubt, dass es etwas mit Besatz nähen zu tun hätte, ordnet es aber auch in die kaufmännische Sparte ein, was ich aber weniger glaube. An anderen Berufen gibt es dann den Ackermann, den Hofmann (auf dem adeligen Hof), den Fuhrmann, Tagelöhner, Handelsmann, Bürgermeisterdiener, Knecht, Magd, Wirth, Schweinehirt, Säuhirt, Kuhhirt, Gänshirt, Schäfer, später noch den Schreiner und den Schneider.
Von den drei Mühlen weiß man, dass auf allen auch eine Schlagmühle zum öl pressen vorhanden war. Außer der Brauerei auf dem Hof hatte auch die Gemeinde ein Brauhaus. Seit alters her wurde auch Eisen verarbeitet, erst wurde es selbst hier gegraben, aber auf die Dauer war der Erzgewinn wohl nicht groß genug und es ließ sich angeblich auch schlecht schmelzen. Da bezog man das Roheisen von Ruppertsburg, zu dem man gute Beziehungen hatte. Es wurde mit Pferd und Wagen hierher geliefert. Hier wurde es dann zu Nägeln verarbeitet und auch zu anderen Geräten. Es war ein schwerer Beruf, ein guter Nagelschmied musste am Tage 4.000 Stück mit der Hand machen. Darüber aber einen Bericht im Leseteil, ebenso auch über die Leinenweber. Dass hier Eisen gegraben und verarbeitet wurde, daran erinnern noch die Flurnamen: Blechwiese, Eisenkaute, Eiserhennsberg, Artzbach u.a. Wo die Eisenschmelze gestanden hat ist nicht bekannt, man glaubt aber, mit dem Namen Blechwiese einen Hinweis zu haben. Über die Nagelschmiede existiert ein Schreiben, das auf den 2.4.1597 datiert ist. Da war eine Abordnung der Eichelsdorfer Nagelschmiede nach Marburg gereist oder gepilgert, zum Landgrafen, um eine Eingabe zu machen. Es heißt da u.a."... sämtliche Nagelschmiede zu Eigelesdorf im Ambt Nidda (genannt werden als Abgeordnete Hans Götz, Kurt Schellenberger und Hans Götz der Jüngere) bitten in anbetracht der gestiegenen Preise für eisen Kohle und Lebensmittel um einen Zusatz zu dem vor 12-15 Jahren mit dem Landgraf getroffenen Geding (Kaufpreis) über die Lieferung von Dachnägeln. Bisher 4000 Stück für 1 Fl. (Florin = gleich 1 Gulden). Für Latt- und Bartnägel 2000 St. für 1 Fl. für die Landgräflichen Bauten, dann uns sonst von menniglichen vor 300 decknegel auch 1 Fl. und vor halb soviel lattnagel auch 1 Fl. gegeben und wol die negel ohn unser zuthun bey uns geholt werden... Noch einmal zur Kirche selbst. Der Chorraum ist wohl der älteste Raum, noch aus katholischer Zeit stammend, wovon das Sakramentshäuschen unter der Orgel Kunde gibt. Über diesen Teil wissen wir noch wenig, der Größe nach wohl nur eine Kapelle. 1676 wurde der Altar abgebrochen und erneuert. In ihm fand man in einem alten Glas ein Pergamentblatt, dass uns den Tag der Einweihung (wahrscheinlich der Wiederherstellung oder Renovierung) meldet: "im Jahre 1452 am zehnten August wurde sie von Gottfried Raurus, Professor der Theologie und Bischof von Magdeburg, Generalvikar, in Vertretung des Magdeburger Erzbischof Theodosius, zur Ehre des allmächtigen Gottes und der Heiligen, der ruhmvollsten Jungfrau Maria, des evangelischen Johannes, des Laurentius und Cyriakus consekriert (geweiht). Das wäre also 76 Jahre vor der Einführung der Reformation in Eichelsdorf gewesen. Der Fußboden dieser Kapelle war mit dem Boden des umliegenden Geländes gleich, also 5 Fuß höher als jetzt. Als später das Schiff angebaut wurde, das natürlich wegen dem abfallenden Gelände viel tiefer zu liegen kam, führte eine Treppe von 5 Stufen vom Schiff in den Altarraum. Viel später wurde auch der Altarraum ausgeschachtet, so dass nur eine Stufe übrig blieb. Durch das Tieferlegen hat man später immer Ärger gehabt, weil die Wand dann feucht wurde, und es mussten viele Renovierungen deshalb ausgeführt werden. Auch der Friedhof muss vor 1750 in einem sehr verwahrlosten Zustand gewesen sein. Damals wurde eine Mauer von 500 Fuß Länge, 8 Fuß hoch außen und 5 Fuß innen hoch, 3 Fuß dick um den Friedhof geführt. Zu gleicher Zeit grub man den ältesten Teil der Kirche aus. Auch wurden damals die alten stilvollen gotischen Fenster durch große Fenster ersetzt, weil die alten nicht genug "Hellung" brachten, da die wenigsten bei Wintertagen mitsingen und nachschlagen können, wie es im Bericht heißt. 1695 übernimmt der Pfarrer Ludwig Christoph Horn die Pfarrei von seinem Schwiegervater Christian Schmidt. In seiner Dienstzeit legt er 1697 zwei neue Bücher an, die heute noch vorhanden sind, und die mir dankenswerterweise von Herrn Pfarrer Kern zur Durchsicht zur Verfügung standen. Ein Buch beinhaltet die Grundstücke der Kirche und wohin der Zehnte (Steuer, Pacht) zu zahlen sei und alles was damit zusammenhängt. Dabei beruft er sich oft auf das ältere Buch des Pfarrer Biedenkapp, das aber, wie schon berichtet, nicht mehr aufzufinden ist. Das 2. Buch enthält alle Taufen, Trauungen, Konfirmationen, Sterbefälle und auch etwas an Chronik. Leider haben spätere Pfarrer oft jahrelang keine Eintragungen gemacht. Es war wohl nicht Pflicht, schade drum. Auch Pfarrer sein war früher nicht leicht. Er hatte wohl eine angesehene Stellung, aber er bekam nicht viel dafür. Landwirtschaft und Viehzucht brachte das normale Einkommen des Pfarrers. Etwas mehr als 34 Morgen bewirtschaftete er und hielt Knecht und Magd. Über den sonstigen Verdienst lesen sie einen Sonderbericht im Leseteil. Sein Amt war auch nicht auf Sonntag beschränkt, lt. Taufeintrag wurde mitunter täglich getauft. Anfangs wurden Kinder gleich am Tage der Geburt getauft, erst viel später lagen dann 2-3 Tage dazwischen, mehr aber nicht. Die Namen der Täuflinge konnte man nicht frei wählen wie heute. Grundsätzlich hatte das Kind nur einen Paten oder Gote. (Buben-Pate, Mädchen- Gote) Die Mutter lag ja noch im Kindbett, und so trug der Pate oder Gote das Kind zur Taufe und gab ihm seinen Namen, d.h., der Vorname der Gote oder des Paten war auch Vorname des Kindes. Bei unehelichen Kindern wurden oft 3 Burschen und 3 Mädchen als Taufzeugen genommen. Was aber weiter interessiert ist, dass es ja zu der Zeit keine Rechtschreibung gab, so dass die Namen eben so geschrieben wurden wie der Schreiber sie hörte. Dazu ein paar Beispiele: Der eine Pfarrer schreibt immer Henrich, der andere dieselben Leute mit Heinrich. Da behaupten Leute, sie schreiben sich mit th, andere nur mit t, das ist alles nicht richtig. Jeder hat so geschrieben, wie er es hörte und wie es ihm so in seinen Gänsekiel floss, da heißt es Meurer, Meuer, Mauer, Mäurer im selben Namen. Der eine schreibt Spangenberger, Schwangenberger, Spangenbürger. Da steht in einem einzigen Taufeintrag: das Kind Waitz, der Vater Weitz, der Pate, als Bruder des Vaters, Weiz, dreimal verschieden und doch dasselbe. Georg, Jörg, Görg, Gorg, alles ein Namen. So könnte ich viele Beispiele bringen, aber ich wollte es nur für die Familienforscher erwähnen. Pfarrer Horn tat auch sonst viel für die "Notkirch". Er sammelte Kollekten und "Gesetzliche Umlagen". Die Orgel war gebaut und musste bezahlt werden. Die 2. Glocke ließ er gießen, von der wir schon hörten. Auch in der Kirche wurde einiges verbessert. Der damalige Schulmeister, Johannes Orth, hatte wohl seinen Ärger mit der Orgel, er war auch schon 69 Jahre und sollte noch spielen lernen. 25 Jahre war er schon Schulmeister in Eichelsdorf und wurde trotzdem entlassen "wegen seines Alters, neuen Orgel und Musik seiner Bedienung", wie es so schön heißt.
In der Kirche herrschten damals noch andere Sitten. Jeder kaufte seinen Sitz (Stuhl) und kein anderer durfte auf dem Platz sitzen. Von 1697 liegt die komplette Liste der Vergabe der Kirchenstühle für Männer und Frauen vor. (Kirchenstuhl war eigentlich übertrieben, es war ja nur ein Platz auf der Kirchenbank.) Z.T. steht auch gleich in der Liste. wer als Ersatz darauf sitzen durfte. Bei Todesfall gab es manchen Streit um das Erbe des Stuhlplatzes, der oft gerichtlich entschieden werden musste. Der Adelige Stuhl der Herrschaften stand extra, war mit Gitter und Spiegelscheiben versehen. 1699 musste sogar die Orgel umgestellt werden, weil der Hauptmann v. Trilix (Lehnsherr auf dem Adeligen Hof) seinen Adeligen Stuhl dahin stellen ließ. Er stiftete dafür wohl einen vergoldeten Kelch. Das Kirchenbuch verzeichnet am 11.5.1703 eine Taufe in der Familie des Herrn v. Trilix auf dem Adeligen Hof mit 8 adeligen Paten. Es gibt aber noch mal eine größere Taufe dort. Es war auf dem Hof in Eichelsdorf schon viel deutscher Adel versammelt. Am 31.5. wird ein großer Hagel vermerkt und am 6.7. ein großer Sturm und ein großes Gewässer, dass auch in Nidda alles überflutet war. Auch damals wurde schon eingebrochen, am 22.4.1704 in der Kirche. Des Schulmeisters Mantel, so bei der Orgel hing, die Altardecke und Geräte wurden gestohlen und die Altarbrüstung abgerissen. 1705 war in der Kornblüte ein großer Frost, dass in der Hohl und vor dem Weinberg das ganze Korn erfror. In den anderen Jahren steht in der Chronik zwar sehr viel im Buch, aber nicht von Eichelsdorf. Da steht von Geschehnissen in Rostock an der Ostsee bis später vom Krieg am Rhein und in Schlesien. Man überlegt, wie die Nachrichten schnell bis nach Eichelsdorf gekommen sind (ohne Funk und Bildzeitung). Im Jahr 1717 kauft der erste Freymann die Stockmühle. Die Freymanns dürften das älteste nachweisbare Geschlecht hier sein. Sie sind zwar nicht aus Eichelsdorf, sind aber hier weit verbreitet. Sie stammen aus der Schweiz und durften dort schon 1299 ein Wappen führen. Ein Hansjörg Frymann aus dieser Sippe wanderte nach dem 30 jähr. Krieg in das größtenteils entvölkerte Hessen aus. Zuerst nach Ober- Widdersheim, um bald danach den Hof Grass bei Hungen als Lehen zu erwerben. 1672 Ober- Widdersheim, 1676 als Müller auf Hof Grass genannt. Nachfahren sind über Steinheim 1714 nach Ober- Schmitten auf die Herrenmühle gekommen und 1717 nach hier. Die Herrenmühle ist das spätere Reichmansche Grundstück und der Stockmüller ein Bruder zu dem Oberschmitter. 1739 kaufte Johann Joachim Freymann den adeligen Hof vom Staat. Der Hof wird nun schon gelegentlich als Junkernmühle im Kirchenbuch bezeichnet. 1753 kauft Freymann auch die Schwadenteichsmühle und blieb die Familie bis 1840 dort, bis der Schwiegersohn Conradt Schutt sie übernahm. Auch die Krötenburgmühle war in Freymanns Hand, es gingen daraus aber keine Söhne hervor, so dass die Mühle auf die Tochter, eine verheiratete Braun, übergeht. Auch die Stockmühle geht auf den Schwiegersohn Conrad Schäfer 1736 über. Conrad Schäfer kommt von Zell b. Romrod und ist nicht mit den jetzigen Schäfers verwandt. Die letzten Stockmüller Schäfer stammen von Griedel und Bad Nauheim. Die Junkernmühle wird später wieder verkauft. Wann und an wen konnte noch nicht geklärt werden.
1719 berichtet man von einer großen Dürre im Herbst, dass das Korn verdörrt. Die Mühlen stehen still, es gibt kein Brot und darob eine große Teuerung. 10.10. 1720 wieder über Schotten, Rainrod, Eschenrod, Busenborn, Eichelsdorf ein großer Wolkenbruch. Das Wasser stand fast so hoch wie 1674, stand auch wieder im Pfarrhaus. Joh. Peter Götz 8 Schafe ertrunken, Joh. Peter Würz dasselbe. Hat alle Stege im Dorf weggeschwemmt und auch einige Mauern eingerissen. Großer Jammer im Dorf. Sonnabend 1. März 1721:... ein groß Feyerzeichen am Himmel erschienen dergleichen seit menschen Gedenken nicht gesehen worden, mit Macht am Himmel gedröhn als ob groß geschütz gegen einander los brenneten...
1722. Das Jagdschloss Zwiefalten wird unter Landgraf Ernst Ludwig erbaut. Die Bauernnot hält an, teils durch die Folgen des 30 jähr. Krieges, teils durch die Jagdleidenschaft des eben erwähnten Landgrafen und auch seines Nachfolgers Ludwig VIII. Sie holten die Bauern von den Feldern, um sie als Treiber bei den Jagden einzusetzen. Man vernachlässigte die Landarbeit und außerdem macht nicht nur das Wild Fressschaden sondern auch die Meute der Hunde und die Jagdgesellschaft ohne Rücksicht. Damals soll der durchschnittliche Jahresabschuss außer anderem Wild alleine 40 Hirsche betragen haben. Die Eichelsdorfer Forst war eben sehr wildreich. Die Not veranlasste viele, anderen Orts ihr Brot zu verdienen. Es kam auch zu einer Auswanderung. Die Zarin von Russland suchte Siedler für ihre Ostgebiete, Ural und weiter. Etwa 6% der Einwohner folgen dem Ruf und wagen die weite Fahrt. Einen Bericht darüber haben wir in den Leseteil gegeben. Wir aber wollen bei der Ortschronik weitermachen. Im Pfarrhaus wieder ein großer Einbruch, der Pfarrer prügelt sich mit den Einbrechern. 24.12.1724 großer Sturm mit einem kleinen Erdbeben. Viele Dächer abgedeckt, Schornsteine umgeworfen. Viele Bäume mit den Wurzeln ausgerissen und ganze Waldstücke niedergerissen. Aus dem adeligen Hof ist wieder eine Kindtaufe im Hause der Herren von Lüschwitz, die jetzt dort Herren sind. Die Liste der Paten haben wir in den Leseteil gegeben.
1726 hauste in der Gegend eine "Raub- und Mörderbande". In Eichelsdorf ist dabei nichts passiert, aber in der Umgebung einiges. Einen Auszug aus dem Bericht darüber, was Menschen alles anstellen... haben den Pfarrer von Görsdorf (liegt im Thüringischen), der über den Studiertisch gebeugt, eine Brennfakel ins Gesicht gehalten, dann erschossen, der nach den Hals abgeschnitten, den kopf vor das Buch gestellt. Die Pfarrerin umgebracht, grausam zermetzelt und an die Tür genagelt, alles ausgeraubt. Auf der Hütte (Glashütten) haben sie den leutnantt Emeran von dero Landmilitz und den Wirth Knörcher oben auf dem Taubenhaus wohin sie reteriert herabgeschossen und dann mit den Pferden davon geritten... war eine groß Zigeunerbande, wurden gefangen und nach Giessen bracht. waren 25 Männer und Weiber. 6 Zigeunerweiber und drei mannsleut wurden auf das rad gelegt und die köpfe auf den Pfahl gestekt am 14 September und am 15 noch mal (zwei Weibsbilder und drei Mannsbilder decollirt (geköpft) die andern wurden gehenkt... Auch das war die gute alte Zeit. Der Wald bestand damals fast nur aus Eichen. Die Bauern aus allen umliegenden Dörfern trieben ihre Schweine in den Wald. Dort fraßen sie nicht nur die Eicheln, ein hervorragendes Mastfutter, sie wühlten auch den Boden um. Die örtlichen Schweinehirten trieben sie morgens hinaus und abends wieder heim. Natürlich war diese Eichelmast nicht umsonst, die Schweinehalter mussten"... umb gespürlich mastgeld..." zahlen. 1729 wird verzeichnet, dass der Oberförster Girsch nach dem Gottesdienst ein Wettschießen in der Hohl bei der "Leimkaute" veranstaltete. Es heißt dabei, dass es "umb ein Kleinod" geht, also um einen Preis. Schon 1639, 1687, 1688 und 1720 wurde so ein Preisschießen abgehalten. 1736 geht es der Braugesellschaft schlecht, man hat ihr am 6. Januar nachts den Braukessel gestohlen und man musste von Schotten einen neuen besorgen. Wann das Brauhandwerk eingegangen ist, ist leider nicht bekannt, es dürfte wohl Ende des 19. Jahrh. sein. Auch andere Berufe sind in der 2. Hälfte das vorige Jahrhundert eingegangen, wie z.B. Weber, Nagelschmiede und auch Köhler. Man stellte die Erzeugnisse jetzt industriell her, das war billiger und gleichmäßiger.
Es kann aber der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn... usw. 1756 beginnt ein neuer Krieg, den man später den 7-jährigen Krieg nennt. Preußen gegen Österreich. Russland, Frankreich, Schweden und mehrere Reichsfürsten sind auf Österreichs Seite. Hannover, Braunschweig, Hessen- Kassel und Sachsen- Gotha auf Preußens Seite. Auch das Amt Nidda hat wieder vieles zu erdulden. Wie die Hessenländer überhaupt damals oft von Franzosen besetzt wurden. Um den 30.8.1762 herum war das Hauptquartier des Herzogs Ferdinand v. Braunschweig in Nidda. Die Stadt und die Umgebung mussten wieder darunter leiden. Es wäre auch da viel aus der Umgebung zu berichten, aber das würde zu weit führen. 1767 begann, wie schon berichtet, die erste Auswanderung nach Russland. Viel schlimmer war aber, es brachen die Pocken (Blattern) aus, gegen die es damals so gut wie nichts gab. Viele Einwohner, besonders die Kinder, starben und die, die es überlebten waren für ihr Leben durch Narben entstellt.
1794/95 lagen wieder kaiserlich-österreichische Cuirassiere im Quartier. Der französische Revolutionskrieg trieb wieder französische Truppen unter den Obergenerälen Jourdan und Le Fevre durch das Amt auf der Flucht vor den Österreichern. Sie nehmen alles mit, was sie brauchen können. Auch der Schwadenteichsmüller Peter Freymann muss eine Eingabe an den Landgrafen machen, weil er seine Pacht nicht bezahlen kann, er war von den Franzosen zu arg geschröpft worden. Der so genannte Franzosenkrieg, wo Österreich verbündet mit Preußen gegen die Franzosen kämpfte. Im Winter war etwas Ruhe eingekehrt und die Demarkationslinie war die Nidda. Links dem Ort zu, lagen die Österreicher und rechts bei den Mühlen und der Kätzerbach lagen die Franzosen im Quartier. An der rechten Niddaseite lagen nur die Junkermühle, die Schwadenteichsmühle und 3-4 bäuerliche Häuser (Kätzerbach), das wurde aber als Dorf angesehen, so dass Freymann oft 20-30 Soldaten voll verköstigen musste, natürlich ohne Gegenleistung aus seinem Sack. Der anderen Niddaseite ging es ebenso als ganzer Ort, da war es nur leichter, weil ja mehr Menschen dort wohnten. 1797 wurde noch eine andere Steuer erhoben, des Landgrafen Töchter stellten hohe Ansprüche, die der Herr Vater nicht befriedigen konnte oder wollte. Da erhob man im Lande einfach die Fräuleinsteuer, damit die 3 Damen standesgemäß leben konnten. So holte man sich obrigkeitsmäßig das Geld. Andererseits aber hatte die Landgräfin verfügt, dass bei ihrem Tode eine Summe als Landgräfliche Stiftung an die Armen gehen sollte. Diese Anordnung darüber, vom Landgrafen an seine Untergebenen, haben wir hier in einem Eintrag in dem Kirchenbuch als Abschrift des Schreibens an den Amtmann von Nidda, Friedrich Ludwig Krug. Den Anfang dieses Schreibens an Krug will ich hier wiedergeben wegen der damals üblichen Titulierungen:
Fürstliche Stiftung do
Alle Jahr den 15 th. Novembris unter die Haus Armen soll aufgetheilet werden. darros lautet und ist folgender Befehl von Ihrer Hochfürstlichen Durchlaucht an Hochwohlgeborenen Ambtsverweser Krugen, Friedrich Ludwig von und zu Nidda.
Von Gottes Gnaden Wir Ernst Ludwig Landgraf zu Hessen, Fürst zu Hersfeld etc. Lieber Getreuer p. Nachdem Unser in Gott hochherrlich rühmende Gemahlin Fr. Dorothea Charlotta, Landgräfin zu Hessn, Fürstin zu Hersfeld etc. geborene Markgräfin zu Brandenburg, zu Magdeburg in Preußen zu Stettin und Pommern, der Cahsubey und Wenden und in Schlesien, zu Crohsen und Schwibus Herzogin, Burggräfin zu Nürnberg, Fürstin zu Halberstadt, Minden und Camin etc. Gräfin zu Catzenelenbogen etc. in dero Hinterlassenschaft Ihro Letzten Willen denen armen im Land Fünpftausend Zweyhundert und Fünpfzig Gulden Capital legiret und derbey verordert dass die Pension alle Jahr unter dieselben aufgetheilet werden solle... usw. usw.
Der Betrag hört sich gut an, aber das Land ist groß. Auf das Kirchspiel Eichelsdorf- Oberschmitten entfallen zum verteilen an die Armen 1 Gulden und ein paar Albus. Darüber verfügt der Pfarrer. Die Beträge stehen lange Zeit im Kirchenbuch, und zwar, wer sie von Nidda abgeholt, der Pfarrer oder der Schultheiß oder sonst jemand, es ist aber nicht verzeichnet, wer sie bekommen hat.
1806- 13 zogen des Öfteren französische Truppen durch unser Gebiet und nahmen Quartier. Sie mussten jedes Mal versorgt werden und stellten auch sonst manchen Schaden an. Erst war die Richtung Russland, später war es umgekehrt, als der große Traum zu Ende ging und der Stern Napoleons nicht mehr leuchtete. Preußische und auch russische Truppen unter Marschall Blücher jagten die Franzosen. Wieder litten die Bewohner unter den Lasten, und es dauerte Jahre, bis man wieder in das normale Leben zurückfand. Auch Eichelsdorfer mussten in dieser Zeit Soldat sein für fremde Heere, einige sind auch gefallen, weitab der Heimat in fremden Land. Wir wissen aber nicht wie viele. In der Zeit, als Napoleon schon Hessen einverleibt hatte, löste er die bisherigen Reichsgrafenschaften auf und teilte die Regionen neu ein. Unser Gebiet wurde dem neuen Großherzogtum "Hessen und bei Rhein" zugeteilt unter Großherzog Ludwig 1. Das Denkmal "Lange Ludwig" in Darmstadt erinnert noch heute daran. Die Grafen und die Fürsten, die bisher alle Macht hatten, wollten sich nicht so ohne weiteres unterordnen, sie wollten ihre alten Vorrechte behalten. Es gehörte viel Geschick dazu, die Neuordnung friedlich durchzusetzen. Trotz Napoleons Ende blieb es aber im Großen und Ganzen bei der Neueinteilung. 1821 bildete man Rentämter, diese fassten dann Ämter und Gerichte steuerlich zusammen. Wir unterstanden dem Rentamt Bingenheim. Mir liegen hier u.a. Urkunden dieser Art aus den Jahren 1830- 49 vor. Ansonsten gehörten wir dem Landratsbezirk Nidda an. Es gab in den Folgezeiten viele Änderungen der Verwaltungsbezirke. Nidda wurde dabei sogar 1848 zum Regierungsbezirk erhoben mit 116 Gemeinden von Ulrichstein bis Altwiedermus. Nach 4 Jahren war der Traum aber schon wieder zu Ende. Allein aus verkehrstechnischer Sicht war die Verwaltung so eines Gebietes schlecht möglich. Dann wieder Kreis Nidda, bis dieser endgültig 1874 aufgelöst wird und zum größten Teil zu Büdingen kommt. Eichelsdorf kommt zum Kreis Schotten. Diese Einteilung bestand bis 1938. Dann wurde Schotten auch aufgelöst und ein Teil dem Kreis Büdingen zugeteilt, auch Eichelsdorf. 1817 war wieder ein feuchtes Jahr, die Ernte verfaulte auf dem Felde. Hungersnot und Armut. Der Malter Weizen, der sonst 5 Gulden kostete, stieg bis 33 Gulden.
Ein denkwürdiger Tag für Eschenrod:
Verheerendes Wasser vor 150 Jahren Männer, Frauen und Kinder wurden ein Opfer der rasenden Fluten.
Die Chronik berichtet, dass es am Morgen des 3. Juni 1826 sehr heiß gewesen war. Gegen Mittag entstanden Gewitter, die sich unter fürchterlichem Donner und Blitzen des Nachmittags um vier Uhr nach dem Bilstein zogen und dort eine Zeit lang hängen blieben, bis sie, den Tag zur düsteren Nacht verwandelnd, in einem Wolkenbruch sich entluden. Da dieses am Fuße des Bilsteines stattfand, so schossen die Wassermassen rasch ins enge Tal herab nach Weidmühle zu und bildeten bald einen mehr denn fünfzehn Fuß tiefen Strom, der alles Gestein und Gehölz, das er unterwegs antraf samt der Scheune des Weidmüllers Johs. Buß mit unwiderstehlicher Gewalt mit sich fortriss. Wäre nun das Bett des Baches durch Eschenrod weiter und tiefer gewesen, so hätten die Wassermassen leichter abfließen können allein, dasselbe war leider nur ein schmaler Graben, gar noch mit Steinen hier und dort versperrt, berichtet die Chronik weiter.
Die mehr denn 20 Fuß Höhe angeschwollene Flut warf sich auf die unter der Brücke am Eingang ins Dorf stehende Scheuer des Johs. Böcher, welche in den engen Bachlauf stützte. Da teilte sich der Strom. Er trat zur Hälfte in die Obergasse ein und nahm zuerst das Zöllersche Haus mit. Das in den Strom stürzende Haus gab den wütenden Wassern die Richtung nach dem unter dem Wege jenseits des Baches stehenden Hauses des Johann Heinrich Heun, das alsbald zusammenbrach und den Eigentümer nebst seiner Frau, vier Kindern und einer Pflegetochter unter seinen Trümmern begrub. Da dieses Haus rasch von den Fluten in das Bett des Baches gerissen wurde, so ging die größere Flut die Strasse herab und stürzte sich auf die unterhalb des Schulhauses quer stehende Wohnung des Johann Heinrich Hermann. Auch dieses Haus stürzte bald zusammen und es fand darunter die hochschwangere Ehefrau des Hermann, seine drei Kinder, sein Knecht und der Sohn eines Nachbarn den Tod. Hermann selbst war abwesend im Feld.
Das Pfarrhaus schien nun die nächste Beute des furchtbaren Elementes werden zu sollen. Allein Gottes gnädige Hand, so berichtet der Pfarrer, führte die Wasser von demselben ab und rettete den alten Pfarrer, seine Frau, Schwiegermutter und Magd, die sich einander die Hände reichend, betend, dem Willen Gottes befahlen. Schon wankte nämlich das Haus, da ward vorn Strome die Gartenmauer hinweggerissen und das entfesselte Element prallte wider das unter dem Pfarrgarten stehende Haus des Johann Georg Buß. Pfarrer Köhler und die Seinigen sahen die in die obere Stube und auf den Boden geflüchteten Nachbarsleute die Hände flehend ausstrecken, das Haus unter furchtbaren Krachen zusammenbrechen, eine Staubwolke aufsteigen und dann das Haus von den Wellen fortreißen. Buß selbst, seine Frau und vier Kinder fanden in den Fluten den Tod. Die dem Bußschen Haus gegenüber stehende Kirche schützte die vor ihr stehende dicke Linde, an welcher sich Bauholz und Steine festsetzten, die die Wellen abwendeten.
Am Ende des Dorfes nahm der Strom noch das fast am Bache stehende Haus des Georg Weigand mit, in welchem sich des Eigentümers Gattin und einzige 20 jährige Tochter befanden. Alle kamen um,
Außerdem waren noch 30 Gebäude in Eschenrod mehr oder weniger beschädigt, drei Backhäuser und zwei Brücken völlig weggerissen. Und alles dieses war in weniger als einer halben Stunde geschehen.
Ein schreckliches Bild bot sich den Eschenrödern dar, als sie anfingen, sich von ihrem Schrecken zu erholen. Man eilte zur Rettung, sobald das Gewässer zu sinken begann. Allein von den unter den eingestürzten Häusern Begrabenen war niemand mehr zu retten. Die Wellen hatten sie mit sich fortgerissen oder sie lagen dort unter Balken und Steinen. Die Ehefrau des Johann Heinrich Heun hing 18 Fuß hoch tot in den Ästen des hinter dem Pfarrhaus am Stege stehenden Nußbaumes. Der größere Teil der Verunglückten war bis Eichelsachsen, einige sogar bis Eichelsdorf und Ober- Schmitten geflossen, wo sie auch beerdigt wurden. Im Wiesengrund und Wingershausen lag ertrunkenes Vieh, das nicht von den Ketten hatte loskommen können, noch an den Futterkrippen hängend. Haus und Küchengeräte, Werkzeug und Kleidungsstücke, Laibe Brot, Stücke von geräucherten Schweinefleisch, Wagen, Pflüge und so weiter lagen verstreut im Grund bis Eichelsachsen und selbst in Eichelsdorf. Felder und Wiesen waren vom Wasser zerrissen und die Ortsgasse in Eschenrod in einen tiefen und weiten Bach verwandelt, während das frühere Bett des Baches gänzlich verschüttet und teilweise mit Steinen gefüllt war.
Zu diesem Bericht braucht es wohl keinen Kommentar, ich will ihn aber trotzdem noch erweitern mit Teilen eines Berichtes über das übrige Eicheltal, verfasst von Jean Diehl, Ober- Schmitten: Die Schaf- und Viehherden vom Gebiet des Bilstein heimkehrend fanden den Dorfeingang von Busenborn durch eine wogende Wasserfläche versperrt. Auf weitem Umweg über Breungeshain kamen sie später heim in die Ställe. Übergehen wir jetzt Eschenrod. In Wingershausen, das sich mehr an den Hang anlehnt, fordert die Flut nur ein Todesopfer. Frau Johanna Eliesabetha Löwener, die wertvolle Habe retten will aus dem Haus, wird vor den Augen ihres Mannes niedergerissen und fortgespühlt. 4 Ställe und 1 Scheune verschwinden spurlos. 6 Gebäude werden mehr oder weniger stark beschädigt. Eichelsachsen beklagt 5 Tote. Das Wohnhaus der Wwe. Johanna Eliesabetha Rau weicht den Fluten, die Frau mit ihren 4 Kindern findet in den Wellen ihr Grab. Die Zehntscheuer wird z.T. von den Fluten weggerissen. In den talwärts gelegenen Gemeinden mit breitem Talgrund vermögen die Wassermassen, die erheblich an Gefälle eingebüßt haben, nicht so großen Schaden anzurichten. Menschenleben sind dort nicht mehr zu beklagen. Wohl steht in Eichelsdorf die gurgelnde Wasserflut mannshoch über der Straße, reißt das Gemeindebrau- und Backhaus fort, aber ihre mörderische Gewalt ist gebrochen. Das Wasser überschwemmt die weiten Wiesengründe westlich des Dorfes, dringt in die tief gelegenen Teile Ober- und Unter- Schnitten ein, auch in Nidda, ohne beträchtlichen Schaden anzurichten. Gegen 7 Uhr abends hellt der Himmel auf, das Wasser fällt. Die Nacht breitet ihren Schleier über ein Trümmer- und Leichenfeld. Es ist Pfingstsamstag, alles hatte sich auf das Fest vorbereitet, aber das Schicksal wollte es anders.
Pfingstsonntag 1826: Die Wasser haben sich verlaufen. Das überschwemmte Gebiet bietet einen Anblick des Entsetzens und Grauens. In Eschenrod sind 26 Gebäude vernichtet, 29 mehr oder weniger beschädigt. Klaftertief ist der Boden ausgerissen. Die chaussierte Dorfstraße ist unpassierbar, das Wasser hat breite Spalten in ihren Leib gerissen. Die Leiche der Mutter Heun hängt fast 7 m. hoch in den Ästen eines Nußbaumes. Eine ihrer Töchter ist in den Georg Theisschen Hausflur in Wingershausen geschwemmt, eine nach Eichelsachsen und die Pflegetochter bis nach Eichelsdorf geschwemmt. Verängstigte Bewohner aus dem schwer heimgesuchten Gebiet, noch ganz im Banne des Schreckens, durcheilen den verwüsteten Wiesengrund, entführte Habe zu suchen. Schutt, Steine, Geröll, Bau- und Brennholz, Kleider, Acker-, Küchen- und Hausgerät, Pfosten, Balkenwerk, aufgetriebene Tierleichen und entstellte Menschenleiber sperren den Weg. 26 Tote werden am Pfingstsonntag geborgen, am Pfingstmontag der Erde übergeben. Die Eichelsächser begraben 12, die Eichelsdorfer 8 auf eigenem Friedhof. Nach der 27. Leiche sucht man vergebens, erst nach Wochen entdeckt man sie im Talgrund von Eichelsachsen von Schutt und Geröll verdeckt. So ist das Leben, nur 2 Stunden hat der Spuk gedauert, aber unsägliches Leid und Schaden angerichtet. Was Generationen aufgebaut, ein böser Hauch, Minuten und alles ist dahin.
Wir wenden uns wieder ruhigeren Zeiten zu. Es wäre noch viel Schreckliches aus diesen Zeiten zu vermerken, aber das stammt aus anderen Orten und würde zu weit führen. Was in der Zwischenzeit über Berufe, Leben und Brauchtum zu sagen wäre, haben wir in den Leseteil, als abgeschlossene Geschichten gegeben. Wir gehen in der Chronik weiter. Die uralte Talrandstraße von Nidda über Ober- Schmitten kommend durch die Schlaggasse, durch die Eichelfurt und weiter. Sie war ja nicht befestigt und in feuchten Zeiten wohl oft grundlos. An der anderen Seite war wohl nur ein Fußweg nach Ober-Schmitten, ein Fahrweg war da nicht. Der Fahrweg durch die Furt bei der Junkermühle geht auf den Weg nach Ufa und oben auf dem Ulfaer Berg zweigt er ab zur Haubenmühle und weiter nach Borsdorf. Da der alte Weg nicht mehr gut genug war, plante man einen neuen, den baute man an die andere Seite und konnte dann gerade von Nidda nach Schotten fahren. Der wurde gleich als Steinstraße gebaut, als so genannte Kunststraße. Hier wurde sie 1833/34 als die "Schossie" erbaut, man bekam jetzt keine nassen Füße mehr durch die Furt und heute heißt sie die B 455. Wer natürlich aus dem Dorf auf die Schossi wollte, musste mit dem Fahrzeug noch durch die Furt bei der Kätzerbach. Für die Fußgänger gab es ja die 2 Stege, im Dorf und bei der Kätzerbach. Wann sie angelegt wurden, ist nicht bekannt, aber es gab sie wahrscheinlich schon im 16. Jh. Wann der Steg bei der Junkermühle gebaut wurde liegt ganz im dunkel, vielleicht waren auch die Herren die Ersten, die den Steg brauchten? Die Häuser in der heutigen Frankenstraße, der alten Schossi also, sind erst gebaut nachdem die Kunststrasse gebaut war und der Verkehr jetzt am alten Ort vorbei lief, denn außer den 2 Mühlen gab es an der Niddaseite nur auf der Kätzerbach an der Furt 3 oder 4 Anwesen. Zu den Brückenbauten kommen wir erst viel später. Die Ernten waren mal gut, mal schlecht, die Menschen hatten nicht so viele Reichtümer wie heute, also auch nicht so viele Reserven. Wenn mal ein schlechtes Jahr war musste manch einer hungern. 1837 suchten die Rußen Weber für Polen. Der deutsche Zollverein war 1834 geschlossen, man konnte jetzt ohne Zoll nach Preußen verkaufen. Aber die preußischen Weber hatten neuartige Webstühle und konnten bessere und billigere Waren herstellen als die Hessen nach traditioneller Art. Das Geschäft ging schlecht. Da war es dem Eichelsdorfer Leineweber Ludwig Deichert ganz recht, dass die Rußen Weber suchten. Er war aus Ufa gebürtig. Es wird so berichtet:...da verkauft er seine paar Lappen, sie waren sowieso verschuldet und geht 1837 mit seiner Frau und den 2 kleinen Kindern nach Russisch- Polen...Wahrscheinlich nach Lodz oder Umgebung. Andere Leineweber aus dem Vogelsberg taten es ebenso. Sie halfen dort, die Webindustrie aufzubauen.
1845. Die erste Brücke wird in Eichelsdorf gebaut. Jetzt möchte man schon trockenen Fußes zur Schossi kommen und baut bei dem alten Koche oder Ringelshaus eine Brücke, sie steht da noch etwas unglücklich, aber man hofft, dass das Haus einmal nicht mehr da ist. Es steht so weit vorn, dass es weit bis in die jetzige Straße reicht und zwar dort, wo jetzt etwa der Hof von Tilly Möser ist. Wo das Denkmal steht, da war früher der Garten des Hauses. Man musste also immer um eine ganz kurze Ecke herum auf die Brücke fahren, und einer musste immer erst um die Hausecke sehen, ob jemand entgegenkommt. Manch ein Fuhrwerk ist da umgekippt. Das Ringelshaus hat aber noch über 80 Jahre gestanden bis es Ende der 20er Jahre dieses Jh. verschwand. Besonders kriminell wurde es, seitdem die Bahn dann gebaut wurde und die Eichelsächser hier ihre Produkte zum und vom Bahnhof transportierten.
1849. Mitte des Jahres wieder Unwetter, sehr schlechte Ernte, großes Elend. Todesfälle durch Hungertyphus, allgemeine Verteuerung, schwere Verschuldung der bäuerlichen Betriebe. Es waren zu viele, die satt werden wollten. Eine erneute uswanderungswelle entsteht. Diesmal nicht nach dem Osten, sondern in die "Neue Welt", nach Amerika. Es war waghalsiger über das große Wasser als die Reise mit dem Wagen in den Ural. Wenn Landratten plötzlich keinen Boden mehr unter den Füßen haben, ist es wohl manch einem mulmig geworden. Es gab damals nur Segelschiffe, die 50 und mehr Tage brauchten und wenn der Wind nicht wollte noch einiges länger. Es sind Fahrten von 59 Tagen bekannt. Man stelle sich vor, 2 Monate auf Wasser. Wenn Wind war, dann nur schäumende Wogen um die verhältnismäßig kleinen Schiffe. Die Nahrung wird knapp, Seekrankheit, faules Wasser, denn Trinkwasser musste doch mitgeführt werden, und wie lange das Wasser in den Holzbütten gut war, kann sich wohl jeder denken. Es gibt nichts Frisches, Skorbut bricht aus. Es war schon ein waghalsiges Unternehmen. Erst 1850 wurden die ersten Dampfkessel in Schiffe eingebaut und das auch nur bei reichen Reedern. Man sagte nicht umsonst zu den alten Seglern "Seelenverkäufer". Bevor die Seefahrt beginnt kommt aber erst die Weltreise nach Bremen mit Pferd und Wagen. Die damals holprigen Straßen und die Eisenbereiften Wagen! Es sind wohl viele nebenhergelaufen, sonst bekam man Schwielen an den Hintern. In Eichelsdorf gab es schon einen Reiseunternehmer. Er war aus dem Dorf an die Schossi gegangen und hatte dort sein Haus gebaut (Heute die Wirtschaft Sauer). Es war Stephan Alt, Landwirt und "concessionierter Agent" für die Auswanderer. Er hatte 2 Leiterwagen, mit denen er jeweils 10-12 Personen nach Bremen brachte. Er brachte sie hin und besorgte die Buchung und alles was dazu gehörte. Im Intelligenzblatt für den Regierungsbezirk Nidda steht am 9. Juni 1849 eine Anzeige, dass er Auswanderer nach Bremen in die Neue Welt fährt. Er fährt nicht nur Eichelsdorfer, sondern von weit und breit kommen sie hierher. Die Konkurrenz ist auch damals schon da. Die Abfahrt soll in dieser Anzeige am 9. Juli sein. Ein anderer Agent aus der Gegend vermerkt in seiner Anzeige, dass er schon 13-mal gefahren sei und somit über viel Erfahrung verfügt. Schon damals Schleichwerbung. Nun konnte man aber nicht einfach sein Zeug verkaufen und losfahren. Nein, man musste erst einen Antrag an das Großhessische Kreisamt stellen und um Entlassung aus dem Hessischen Untertanenverbande bitten. Das Amt leitete dieses Gesuch nach Prüfung weiter. Es wurde festgestellt, ob er Soldat werden müsste und ob Kinder oder Eltern da wären, für die er sorgen müsste. Oft musste jemand da sein, der die Vormundschaft übernehmen musste für den Fall, dass noch etwas zu klären wäre. Erst dann bekam er seine Entlassungsurkunde und darin stand auch gleich bis wann er Hessen verlassen musste. In einigen Anträgen (mir liegen hier eine ganze Reihe vor), steht auch gleich die Bitte, dass die Gemeinde die Fahrtkosten übernehmen möge. Das waren wohl die, die keinen Besitz hatten, den sie verkaufen konnten. Ob die Bitte erfüllt wurde, ist leider aus keinem Fall ersichtlich. Die Auswanderungen begannen wohl 1830. Von Eichelsdorf liegen die ersten Berichte von 1849 vor und es geht bis 1895. Mit genauen Zahlen kann ich leider nicht dienen, da nicht immer eingetragen ist, wer wohin gezogen ist. Die kleinste Summe aber dürfte bei ca. 50 liegen. Da erscheint auch noch ein anderes Thema. Der Begriff Ortsbürger. Ortsbürger war man nicht durch Geburt, sondern man würde durch Gemeinderatsbeschluss dazu ernannt. Wir wissen nicht, wie die Vorschriften waren, wenn es überhaupt welche gab. Aber ich habe hier ein Ortsbürgerverzeichnis vom Jahre 1832. Daraus ergibt sich folgendes: Im Verzeichnis steht das Datum der Geburt, die Konfession, der Beruf und der Tag der "Huldigung", also des Tages, an dem er Ortsbürger wurde. Die meisten sind es im Alter von etwa 20 Jahren geworden, einige erst mit über 50 Jahren. Frauen konnten es scheints gar nicht werden, denn es steht keine Frau darin. Das Verzeichnis geht bis nach 1900, und es sind oft nur 2-3 im Jahr, die ernannt wurden. Es gibt auch welche, denen der Gemeinderat oder der Kreisrat die Ortsbürgerschaft wieder aberkannt hat. Bei einigen steht der Todestag oder der Tag des Fortzuges dabei, bei anderen nicht. 1866 fährt die erste gelbe Postkutsche mit dem Schwager (Postillion) auf dem Bock zur Personenbeförderung die Strecke Nidda-Schotten. Vorher konnte man nur von Nidda nach Friedberg fahren. Im selben Jahr ziehen auch wieder Truppen durch das Dorf. Der Preußisch-Österreichische Krieg. Es ist nur ein Durchzug mit Biwak in der Gegend. Die Truppen mussten aber verköstigt werden. Es war Anfang Juli, Österreich war doch mit den norddeutschen Staaten gegen Preußen verbündet, hatte aber am 3.7. die Schlacht bei Königgrätz verloren und damit den Krieg. So zogen erst Württemberger, Österreicher, Churhessen, Nassauer usw. von Ranstadt über Nidda kommend durch Eichelsdorf nach Schotten und Alsfeld. Biwak in Ranstadt und vor Schotten. Schon 3 Tage später umgekehrt, von Alsfeld über Schotten nach Nidda württembergische Artillerie und danach badische Cavallerie.
1871. Eichelsdorf braucht und erhält eine 2. Schulklasse. In dem alten Schulhaus ist nicht soviel Platz, und die Schule muss neu und größer gebaut werden. Zuerst wurde die Unterklasse in das alte Forsthaus gelegt (heute Anwesen Erich Schmittberger). 1895 wurde die Schule ganz abgerissen und, wie es früher üblich war, verkauft und in Wingershausen neu aufgebaut. Früher waren es doch Eichenbalken, mit denen gebaut wurde, und die wurden, je älter sie waren, immer härter. Sie überdauerten Jahrhunderte. Man warf sie nicht fort. Im August 1895 wurde dann die neue Schule eingeweiht. 1871 war auch das Ende des Krieges mit Frankreich und damit die Gründung des deutschen Kaiserreiches in Versailles. Eine Zeit des Friedens begann. Auch Eichelsdorfer mussten in den Krieg gegen Frankreich ziehen, daran erinnert noch das Kriegerdenkmal bei der oberen Eichelbrücke. Zu diesem Denkmal ist noch zu sagen, dass vorher schon ein Denkmal gestanden hat, wahrscheinlich auch für 70/71, es ist auf einer alten Postkarte, die auf das Jahr ca. 1905 datiert ist. Wann es erstellt wurde, konnte nicht ermittelt werden, auch unsere ältesten Mitbürger können sich nicht mehr daran erinnern. Wahrscheinlich ist es 1913 (??) abgebaut und der jetzige Obelisk erstellt worden. Auf dem Denkmal sind nicht die Gefallenen, sondern die Teilnehmer des Feldzuges. 19 Teilnehmer sind darauf verzeichnet, von denen einer gefallen ist.
Die Post ist seit 1881 verzeichnet, als Ludwig Mitze (der Großvater von Anni Mulfinger) dieselbe in seinem Haus (jetzt Eichelstr. 6) übernahm. Der Postaustausch mit dem Niddaer Postwagen fand auf der Schossi bei Sauer statt. Industrie kam nun auch in den Ort, als Himmelsbach hier ein Sägewerk erbaute. Es vergrößerte sich laufend und gab vielen Eichelsdorfern Verdienst zu ihrer oft kärglichen Landwirtschaft. Zum Schwellen schneiden, für die überall im Bau befindlichen Eisenbahnen, wird erst eine Kreissäge aufgestellt, dann kommt eine Bandsäge dazu und so geht es weiter bis zum Gatter. Der Betrieb hat später 120 Mann beschäftigt. Es muss unbedingt vergrößert werden, aber die Bauern geben keinen Grund her, sie hängen zu sehr am althergebrachten, gehen nicht mit der Zeit. Da schaltet Nidda, sie stellen Grund und Boden zur Verfügung und Himmelsbach verlegt stückweise nach Nidda, bis zwischen 1925-28 der Betrieb ganz in Nidda ist. Die Eichelsdorfer mussten nun nach Nidda zur Arbeit fahren. Lange Zeit stand das Gelände leer und verwahrloste, bis die Firma Maria Soell es kaufte und den heutigen Betrieb erstellte. Auch in Nidda ist Himmelsbach fast vergessen, heute ist es die Hornitex. Es hätte hier alles so schön weitergehen können, denn die Bahn wurde gebaut. Am 26.5.1888 fuhr der erste Zug von Nidda nach Schotten. Das Sägewerk und die Oberschmitter Papierfabrik hatten eigene Gleisanschlüsse und waren damit mit der großen Welt verbunden. Der mühselige Transport mit Pferd und Wagen geht damit zu Ende, und Lastwagen gab es damals noch nicht. Die Jugend heute kann sich davon kaum ein Bild machen, alles musste mit der Hand gearbeitet werden. Und dann kam die Bahn. Lange Teile der Strecke liefen auf der Straße, der jetzigen B 455. Es war toll in der engen Ortsdurchfahrt von Kohden. Hier am Ort war es nicht so schlimm, da die Häuser erst nach dem Bau der Schossi gebaut sind, und da blieb man gleich etwas weiter weg. Somit war etwas Platz für die Schienen, die an der dem Ort zugekehrten Seite verlegt wurden. Die Schienen liefen über den Parkplatz über dem Bürgerhaus und hatten da sogar ein Abstellgleis für Be- und Entladen von Produkten (Landwirtschaft, Kohle, Dünger usw. Der Bahnhof aber stand direkt auf der jetzigen B 455, vor dem Haus Löffler. Die Straße ging zwischen den beiden Gebäuden, dort wo jetzt die Rasenfläche und die Bushaltestelle sind, hindurch. Dazu kam noch, dass auf der engen Straße vor dem Haus Hainbach (Schäfer) noch die Gemeindewaage erstellt wurde. Leider musste die Bahn auch der Neuzeit weichen, angeblich war sie nicht rentabel genug. Aber das war wohl nur ein Vorwand, über den sich streiten lässt. Sie wurde 1961 abgebaut und der Verkehr auf die Straße verlegt. In einer "Trauerfeier" anlässlich der Stilllegung wurde genau errechnet: 71 Jahre, 6 Monate, 3 Tage und 8 Stunden hat sie gelebt. 1898 wurde endlich auch die Furt Schlaggasse-Borngasse bei der Herrenscheuer beseitigt und die Brücke gebaut. In neuerer Zeit aus Sicherheitsgründen neu gebaut, aber etwas unschön und unübersichtlich. In der Zwischenzeit, den vorherigen Jahren, war nicht so viel zu verzeichnen, da war ein Mord 1853 auf der Stockmühle, da wurde 1876 der Gesangverein gegründet und hielt 1886 seine Fahnenweihe, und da wurden alte Sitten und Gebräuche gepflegt, von der Spinnstube bis zum Weihnachtssingen. Über die beiden Themen aber mehr im Leseteil.
Anfang 20. Jh. Die Wasserleitung wird verlegt, man sagt 1911, es gibt aber keine Unterlagen darüber. Vorher musste man das Wasser ja aus Brunnen und Pumpen holen. Für das Vieh holte man es auch aus dem Bach. Einzelne Brunnen waren noch nach dem letzten Krieg in Betrieb. Am Bach waren überall die Treppen, die Schöpfplätze. Da wusch man früher auch Wäsche drin, besonders die groben Stücke, sogar die Därme beim Schlachten wurden darin gewaschen bevor man die Wurst hinein machte. Das Wasser aus der Leitung kostete ja letztlich Geld und das hatte man nicht viel. Man war nicht so vornehm wie heute, wo das Klo im Haus ist und dann noch mit Wasserspülung. Da war im Hof oder hinter der Scheuer das Häuschen mit Herz, und da war auch kein Klopapier bekannt, dazu benutzte man das "Intelligenzblatt", schön in 4 Kantstücke geschnitten. Es gab kein Bad oder Dusche, sondern da kam die Holzbütt oder bei reichen Leuten schon die Zinkwanne in die Küche, warmes Wasser aus dem Kroppe rein und los ging die Gaudi. Aber höchstens mal am Samstag und das nicht immer. Sie waren auch nicht verdreckt, aber wesentlich widerstandsfähiger als wir heute. Feste feierten sie inniger als heute, wo alles nicht genug ist. Der Überfluss verweichlicht eben, da hilft auch kein Trimmen und Joggen. Damals freute man sich auf ein Fest, weil es die einzige Abwechslung war bei der harten Arbeit, heute bleibt der Saal leer, weil daheim der Fernseher läuft. Damals brauchte man die Spinnstube als Ort des frohen Zusammenseins, wo Spaß und Spiel herrschte. Man brauchte sich noch gegenseitig, was man heute oft nicht mehr sagen kann. Wir leben eben im Überfluss. Dann das Jahr 1913. Nirgends ist niedergeschrieben, wann das elektrische Licht hierher kam. Eine alte Eichelsdorferin sagte mir 1915, aber die Reicheren hatten es schon 1913, es kostete ja viel Geld. Tatsächlich, auf einer Aufnahme vom Oktober 1913 stehen schon die Masten mit den weißen Porzellanpuppen. Das war schon was, da hing an der Decke nun eine Birne und auf Knopfdruck leuchtete sie. Aber man ging sparsam damit um, mir wurde gesagt: wir saßen in der schummerigen Stube und warteten, bis bei anderen Leuten das Licht anging, erst dann, eine Weile später, erlaubte Mutter, dass auch wir das Licht anmachen durften. Das alte Bild mit den elektr. Masten stammt von einer großen Feier. Damals gab es außer den kirchlichen Festtagen und Kaisers Geburtstag und gelegentlichen Hochzeiten nichts zu feiern. Aber an diesem 18.10.1913 feierte man den 100. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig. Ein riesiger Festzug zieht durch das Dorf, alles ist auf den Beinen. Man glaubt, halb Oberhessen wäre da. Veranstalter war wohl der Kriegerverein. Da waren die Ehren jungfrauen, die Schulmädchen, der Kriegerverein, der Gesangverein und die Buben, die hatten es besonders schlimm. Sie marschierten alle als Soldaten, was damals ein große Ehre war, in gebastelten Uniformen. In dem Festzug mussten sie doch alle Regimenter der Schlacht darstellen. Da war der Herman bei den Lützow'schen Jägern, das Karlche bei den Dragonern, da waren die Husaren, Grenadiere, Füseliere, die Artillerie und was es sonst noch gab. Die Lehrer hatten wohl viel Arbeit mit der Ausstaffierung der "Truppen" gehabt, bis sie alles mit Holzsäbeln und Holzgewehren ausgerüstet hatten, und die Buben warfen sich ob solcher Ehre barbarisch in die Brust. Sie alle zogen hinaus zum Buchwald vor die Felsen, wo das Fest gehalten wurde. Vorher hatte man noch bei dem 70/71 Denkmal eine Bismark- Eiche gepflanzt (die man uns vor ein paar Jahren von der Stadt fast umgemacht hätte, wenn die Anlieger nicht aufgepaßt hätten), es ist der erste Baum vom Dorf her. Es hat da früher eine Friedenslinde gestanden, es ist aber nicht bekannt, wann sie weg kam. Schon ein Jahr später ist der so gepriesene Friede zu Ende. Soldaten ziehen mit großem Enthusiasmus in den Krieg, keiner will es versäumen, dabei gewesen zu sein. Unsere Jugend heute wird darüber die Stirn runzeln, aber es ist tatsächlich so. Grund für diesen Krieg war imperialistisches Machtstreben der Großmächte untereinander. Deutschland wurde den anderen im Welthandel zu stark, diese Konkurrenz musste beseitigt werden. Nebenbei aber rasselte der deutsche Kaiser auch etwas stark mit dem Säbel, er war stark, und was die Engländer ängstigte (die nächste Verwandschaft) war der Ausbau der deutschen Flotte, die sehr gefährlich werden konnte. Das konnte man nicht hinnehmen. Es fand sich dann ja auch ein Grund. Der österreichische Erzherzog und Thronfolger wurde mitsamt seiner Gattin in Serajewo ermordet. Österreich erklärte darauf Serbien den Krieg, Russland geht auf die Seite Serbiens. Das wiederum löst übereilte diplomatische und militärische Schritte Deutschlands aus. Mit Hurrah stürmten sie in den Krieg und wollten bis Weihnachten wieder zu Hause sein. Vom 2.8. 1914 bis Weihnachten war ja auch nicht lange. In unserer Ausstellung finden sie einige Feldpostkarten aus dieser Zeit, und sie werden sehen, der Hurrah-Patriotismus ist keine Erfindung späterer Jahre. Es hat aber nicht bis Weihnachten geklappt, es dauerte etwas länger, und es wurde auch kein Sieg sondern ein Fiasko, das in Blut und Tränen unterging. Es war ein Weltkrieg geworden, er kostete uns 1,8 Millionen Tote und die andern noch wesentlich mehr. Das Reich war zerbrochen und teilweise besetzt. Der Kaiser im Exil. Das Volk ausgeblutet, am Hungertuch nagend, Gebiete abgetrennt und noch viele Milliarden Mark Kriegsschulden zu zahlen. Eichelsdorf beklagt 52 Kriegstote, viele mussten noch lange in Gefangenschaft leiden. Das deutsche Heer flutete zurück, teils geordnet, teils auch zügellos. So bekam auch Eichelsdorf noch einmal Einquartierung vom 20.10.18-20.2.19. Es war eine schlechte Zeit, Hunger; Armut, Elend. Die Männer kamen ausgezehrt heim, teils verwundet. Trotzdem lassen die Bewohner für die Gefallenen eine Ehrentafel machen, die 1920 eingeweiht wird und in der Kirche ihren Platz hat.
1920 in der Amtszeit von Bürgermeister Wilhelm Löffler wurde ein Wohnhaus für die Gendarmen gebaut. Eichelsdorf war ja Gendarmeriestation. 1921 errichtete Firma Himmelsbach eine kleine Ziegelei, dort wo, gegenüber von Maria Soell, das Haus Konrad steht. Mit der Verlegung der Firma aber wurde auch sie aufgegeben. Es hatte schon früher eine Ziegelei (Rußefabrik) bei der Lehmkaute (jetzt Grundstück Jürgen Stoll) gegeben. Leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, wann sie angefangen hat, sie hat jedoch bis kurz vor dem 1. Weltkrieg bestanden. Mauerreste waren nach dem letzten Krieg noch vorhanden. Der Beruf des Zieglers ist schon 1868 hier verzeichnet. Da die Recherchen in verhältnismäßig kurzer Zeit durchgeführt wurden, gibt es Dinge, die nicht ausreichend geklärt werden konnten. Da ist z.B. bei der Bismark- Eiche der nächststehende Baum, eine Kastanie, die zu Ehren Hindenburgs gepflanzt wurde. Keiner weiß wann, es muss ja nach dem 1. Krieg gewesen sein, denn vorher war Hindenburg ja noch nicht so bekannt. Auch konnte nicht geklärt werden, wann die Brücke beim Pfarrhaus gebaut wurde. Ich nehme aber an, dass sie um 1898 gebaut wurde, wie die obere Brücke. Der Baustil soll derselbe sein. Auf einem Bild von ca. 1890 ist die Brücke am Pfarrhaus noch nicht drauf. Das Erstellen der Gemeindewaage, bei Hainbach, ist unbekannt, sie wurde am 8.3.1969 abgebaut. Auch über die Hochwasser vom 30.12.1916 und 24.10.1923 ist nichts verzeichnet, obwohl sie angeblich auch großen Schaden angerichtet haben.
Über das Thema Wein liegt leider weiter nichts vor, außer wie es in der Urkunde von 1187 heißt: Eigelesdorph... gibt ab... 8 Schilling, 4 Masthühner, eine Amphore Wein und einen Malter Hafer! Damit ist wohl bewiesen, dass Wein angebaut wurde, und man vermutet wohl mit Recht, dass das am "Weinberg" geschehen ist. Es hat dort im 12. Jh. Weingärten gegeben, und auch der Besitzer des Hofgutes hatte dort ein Wingert. Man hat auch im letzten Jahrhundert dort wilde Weinreben gefunden, ebenso in den Kellergärten unterhalb der Kirche. Der Wein in unserer Gegend ist aber doch wohl zu sauer gewesen, denn man hört später nichts mehr vom Weinbau.
Auch ein anderer Punkt konnte nicht geklärt werden: die Straßennamen. Es ist nicht bekannt, wann sie eingeführt wurden. Jedenfalls liegt mir ein Brandkathaster von 1873 vor, das bis 1904 geführt ist, und da gibt es noch keine Straßennamen. Da ist der Ort von der Köhlermühle als Nr. 1 bis Möser Friedrich Wwe. (heute Dechert Herbert früher W. Zimmermann) als Nr. 140 durch nummeriert, also durch das ganze Dorf. Alle Häuser, die später dazwischen gebaut wurden, bekamen zehntel Nummern. In der damaligen Zeit war das Leben einfacher, unkomplizierter, aber auf keinen Fall leichter. Brot zum Leben musste man bei den Germanen noch als Fladen essen. Da wurde das Korn noch mit Steinen zerrieben oder zerstampft und der mit Wasser gemischte Brei auf heißen Steinen gebacken oder besser gedörrt. Im Mittelalter entstanden dann die Mühlen, in denen das Korn zu groben oder auch feinen Mehl gemahlen wurde. Wann unsere drei Mühlen entstanden sind ist nicht belegt, aber auf jeden Fall in der Mitte des 16. Jh. vielleicht auch eher. Die Mühlen waren meistens Bannmühlen, d.h., dass bestimmte Orte bestimmten Mühlen zugeteilt waren. Die Müller durften nicht in andere Orte, um Frucht zu holen oder sie mussten dafür sehr empfindliche Strafen zahlen. Die Junkermühle hatte das Bannrecht für die "volkreiche Gemeinde Ulpfa", die Stockmühle Eichelsdorf und durfte auch in das Amt Schotten fahren. Die Schwadenteichmühle hatte keinen Bann und wollte gerne Unter- Widdersheim haben, was nicht gebannt war, und wollte auch gerne Sturmfels haben. Müller Freymann stellte mehrmals den Antrag darüber an den Landesherren und bat auch 1791, ihn von der Haltung der Jagdhunde zu befreien. Die Müller mussten teilweise Jagdhunde halten zur Verfügung für den fürstlichen Forstdienst. Der Landgraf lehnte ab und glaubt, der Müller habe wohl keine "Mahlgäste" wegen schlechter Behandlung seiner Kundschaft. Dazu ein Auszug aus dem Bericht des damaligen Schultheißen Georg Blum als Stellungnahme... Ob der Müller Freymann seine Mahlgäste durch schlechte Behandlung verloren hat, kann ich nicht sagen, sondern es scheint, als wenn er durch Borgerey viele verloren hätte, denn wenn man nicht mehr Borgen will, oder will am Ende sogar die erste Bezahlung haben so ziehen sich manche zu einem Andern und Borgen da auch... Die Borgerei war also damals auch schon üblich. Die Mühlen hatten auch ihren Existenzkampf.
Im 20. Jh. konnten sie gegen die modernen Großmühlen nicht mehr konkurrieren und stellten den Betrieb ein. Die Junkermühle hat auch schon vor dem 1. Weltkrieg eine Kreissäge zum schneiden von Latten erstellt. Das Holz nahm man aus den Schichthaufen. Die Leistung war aber nicht groß genug, und es wurde ein Gatter aufgestellt. Etwa 1927-28 wurde der Mühlenbetrieb mit allem Zubehör ganz eingestellt, um dieselbe Zeit etwa auch der Betrieb der Schwadenteichsmühle. Es wurde aber bis dahin noch gemahlen. Alle drei Mühlen hatten außer dem Mahlwerk auch einen Schlaggang (Ölgewinnung). Nur die Stockmühle hörte schon vor dem 1. Krieg mit mahlen auf und verlegte sich ganz auf Holz. 1904 wurde die erste Kreissäge aufgestellt und 1910 die Sägehalle gebaut. Das Sägewerk bestand bis etwa 1975. Ein bis ins 19. Jh. bekannter Beruf ging mit den kleinen Mühlen auch zu Ende, der Mühlenarzt, ein Fachmann, der Mühlen reparieren konnte. Das Mehl, das man zur Suppe oder zum Fladen brauchte, holte man also von der Mühle. Das Brot in den offenen Kaminen zu backen war früher nicht möglich. Das waren doch einfache Feuerstellen, die einen offenen Rauchabzug hatten, in den man den Kessel mit der Suppe frei hineinhängte. Der Herd, den man in späteren Jahren mauerte und in dem man den Topf hineinhängte oder später darauf stellte, ist ja neueren Datums. Um nun Brot zu backen entwickelte man den Backofen, ein aus Steinen gemauerter Ofen, in dessen Innerem man mit Holz oder Reisig ein Feuer machte. Wenn die Steine genug erhitzt sind, macht man die Asche raus und schiebt das Brot hinein und backt es.
Solche Backhäuser konnte der kleine Mann sich nicht leisten, und so wurden von den Gemeinden öffentliche Backhäuser errichtet. Es gab eine Backordnung, in der die Reihenfolge des Feuermachens und Backens festgelegt war und wer reihum als Backmeister zuständig war. Wann die drei Backhäuser (Borngasse, vor dem Pfarrhaus und am Steg bei der Kätzerbach) erbaut sind, weiß man nicht, fest steht nur, dass sie ab 1847 im Brandkataster stehen. Das vierte Backhaus bei der Post wurde Anfang der 20er Jahre gebaut. Das Backhaus im Unterdorf beim Steg (Emrich) ist ja heute noch im Betrieb. Das beim Pfarrhaus stand am Bach, dort wo die Brandesgasse herauskommt, also mitten auf der Straße, es musste 1956 dem Verkehr weichen. Das obere Backhaus am Anfang der Borngasse (Eichköppelstraße) stand dort, wo jetzt das Trafohäuschen steht. Es wurde Ende der 60er Jahre abgerissen und das Trafohäuschen dort erbaut. Alle drei sind wahrscheinlich im 17. Jh. erbaut. Das Backhaus bei der Post dient der Gemeinde als Abstellraum. Die Backhäuser wurden ja nicht mehr voll gebraucht, da nun Bäckereien entstanden, wo man das Brot einfacher haben konnte. Die erste Bäckerei ist belegt um 1857 bei Sauer, sie arbeitete bis 1965. Otto Schenk eröffnete seinen Betrieb am 1.1.1927, heute Kirchhof, und ist noch voll in Betrieb. Heute liefert Kirchhof auch Brot nach außerhalb und auswärtige Bäcker nach Eichelsdorf. 1919 baute auch Hühn seinen Betrieb, der bis 1955 backte. Für das leibliche Wohl der Trinkfesten gab es 2 Brauereien. Auf dem adeligen Hof und das Gemeindebrauhaus. Wann sie entstanden weiß man nicht, werden aber im Ende des 17. Jh. schon erwähnt. Mitte des 19. Jh. hört man von der Hofbrauerei nichts mehr. Das Gemeindebrauhaus stand noch 1873, wie lange dann noch, weiß man nicht. Es stand dort, wo dem Leins Karl sein Häuschen am Steg stand (heute Maschinenschuppen Herman Löffler). Aber in der Brandesgasse, früher Pfarrgasse, wird bei Johannes Freymann 2. (heute Anwesen Werner Blum) eine Branntweinbrennerei 1873 erwähnt. In der Brandesgasse war das früher überhaupt eine enge Sache. Am Bach stand das Backhaus auf der Straße, und die Langholzfuhrwerke zur Stockmühle hatten ihre Last, um die Ecke zu kommen. Ferner stand längs an dem Pfarrschuppen das Leiterhäuschen der Feuerwehr, in dem die hölzernen langen Feuerleitern und die langen Feuerhaken gelagert waren. Das Leiterhaus war wohl knapp 1,50 m breit auf der Straße, und an der Pfarrschuppenwand sieht man noch die Löcher der Dachbalken. Es ging an dieser Stelle oft haarig her. Zu allem Überfluss stand auf der Ecke noch der Milchbock für die Molkereikannen. Das Leiterhäuschen wurde in den 50er Jahren entfernt. Auch Beerdigungen waren früher eine größere Sache. Der Tote wurde in der guten Stube, oder wo das nicht ging in der Scheuer, aufgebahrt, je nachdem, wie man mit dem Sarg aus dem Hause kam. Der Leichenzug ging dann durch das Dorf zum Friedhof. Der Sarg wurde dahin getragen und auch die Trauergemeinde musste ihre Kränze zum Friedhof tragen. Eine harte Arbeit.
Erst nach dem Kriege, Ende der 40er Jahre, wurde der Leichenwagen angeschafft und zum Friedhof geschoben. 1955 wurde auch eine kleine Leichenhalle gebaut, weil durch die Überbelegung durch die Heimatvertriebenen oft keine Möglichkeit zur Aufbewahrung bestand. Nach einem Beschluss des Kirchenvorstandes wird seit 1976 die Trauerfeier in der Kirche gehalten. 1919 beschwert sich Pfarrer Scriba bitter über die Unsitte, dass die Kinder neben und um dem Leichenzug laufen wie bei einer Hochzeit und auch auf dem Friedhof bei der Beisetzung sich die Nasen breit drücken, und er bittet die Erwachsenen, wenigstens beim vorbeigehen des Leichenzuges stehen zu bleiben und die Kopfbedeckung abzunehmen. Das war bei vielen wohl nicht üblich. Er spricht auch ein hartes Wort zu den Angehörigen, weil sie bei der Trauerandacht am Hause, ehe die Leiche fortgebracht wird, oft nicht aus dem Hause kommen und an der Totenandacht teilnehmen. Auch früher beschwerte sich mal ein Pfarrer, weil der frühere Stockmüller (vor der Jahrhundertwende) sonntags während des Gottesdienstes im Dorf herumfährt und Frucht bei den Bauern holt. Er wird darüber amtlich verwarnt. Und 1919 verwahrt sich Pfarrer Scriba nochmals gegen die Benutzung des Kirchweges (von Kühn zur Kirche) als Fahrweg für Mist und Unrat.
1920 gründet man einen Turnverein, und er bekommt seinen ersten Turnplatz bei der Junkermühle unter den großen alten Bäumen. Der Platz wird in der Folgezeit für viele Veranstaltungen der Vereine und der Kirche benutzt. Der Krieg hat tiefe Wunden geschlagen, nicht nur familiäre, sondern vor allen Dingen wirtschaftliche. Das Land ist ausgesogen, die Kriegslasten drücken. Kriegsgewinnler tuen das übrige mit rücksichtslosem Schwarzhandel. Es geht vieles drunter und drüber. Das Ergebnis ist eine Teuerung, die schon 1921 mit dem Verfall der Währung beginnt. Auf dem Lande merkt man das nicht sofort, aber in der Stadt zahlt man für die Kartoffeln schon das 30fache. Ich will versuchen, am Beispiel der Heimatglocken die Lage zu verdeutlichen. Das kirchliche Heimatblättchen wurde vom damaligen Pfarrer Scriba ins Leben gerufen. Es hieß "Heimatgruß" und sollte ein Gruß der Heimat an die Soldaten draußen sein. Zur Jahreswende 1915-16 wurde es erstmals herausgeschickt. Alles was zu Hause passierte stand drin und auch Schicksale an der Front. 1919 wurde sie nach Kriegsschluss umgestellt für alle Haushalte zum Preis von 10 Pfennig. Im Juni 1922 kostet sie schon 1 Mark und man bittet um Spenden. Man kann auch mit einem Ei bezahlen, das ist wertbeständiger. Februar 1923 = 20 Mark. Am 12.8. findet in ganz Deutschland ein Weltgebetstag statt. Die Kollekte beträgt hier 150.000 Mark. Pfarrer Scriba schämt sich, so wenig abzugeben und macht noch eine Haussammlung. Es kommt die Summe von 4.963.000 Mark zusammen. Trotzdem konnte die Kirche durch Spenden der Auswanderer aus Amerika die Pfeifen der Orgel erneuern. Die ursprünglichen Zinnpfeifen waren für Kriegszwecke abgeholt worden. Ein Auswanderer schickt aus Amerika 2 Dollar, das sind hier 8.400 Milliarden. Die Heimatglocke (so heißt das Blatt seit 1919) kostet im letzten Monat in der Druckerei (der ganze Posten) 48.533.619.731. 260,00 Mark. Mit dem 1.12.1923 war der Spuk vorbei, die Rentenmark wurde eingeführt und die Milliardäre fingen wieder von unten an. Es trieb wieder eine ganze Reihe zum Auswandern, obwohl auch in Amerika die große Landnahme vorbei war. Immerhin kam man jetzt schneller nach drüben, es gab schon Motorschiffe. Es war schon eine schlimme Zeit. 1923. Die Orgel musste überholt werden und der Pfarrer meinte, wenn jeder Haushalt 6 Eier geben würde, käme gut die halbe Million zusammen, die das kosten würde. Die Heimatglocken erschienen zuletzt unter dem Namen "Evangelischer Kirchenbote" 1941. Warum das Erscheinen eingestellt wurde, ist nicht bekannt. Vielleicht sollte kriegswichtig Papier gespart werden, aber andererseits wurde es für Propaganda massenweise gebraucht. Im April 1962 erscheinen die Heimatglocken wieder unter Pfarrer Gegenwart, und sie tun es heute noch.
1923/24 werden hier 2 Steinbrüche eröffnet. Am Kuhtrieb und im Drachenloch. Es gibt zusätzliche Arbeitsplätze. Es wurden hauptsächlich Pflastersteine erzeugt, und die waren hier wohl nicht gut zu machen, der Stein riss nicht so wie er sollte. Für die andern Steine wurde ein Steinbrecher (Klopfmaschine) gebaut. Die Brüche rentierten wohl nicht, die Menge der Pflastersteine war zu gering, und Ende der 20er Jahre gingen die Brüche wieder ein, vielleicht auch, weil wir eine Weltwirtschaftskrise hatten. Der obere Teil der Klopfmaschine wurde abgebaut und ein Teil davon für die spätere Turnhalle 1934 verbraucht. Der untere massive Teil wurde an Bornemann verkauft, der darauf ein Wohnhaus erbaute (heute Haus Martin). Die Turnhalle, die "im Locherlen" stand (fälschlicherweise Eselswiese genannt), wurde in den 60er Jahren abgerissen und dort die heutige Mehrzweckhalle unser Bürgerhaus 1966 erbaut. 1925 wird hier ein Musikverein gegründet, der aber wohl später im Spielmannszug aufgeht.
1926. Mit Erschrecken stellt man fest, die Vaterunserglocke, die Kleinere, ist gesprungen und muss umgegossen werden. Es wird auch gleich in Angriff genommen. Nach dem Umgießen wird sie im feierlichen Zug vom Bahnhof Ober- Schmitten geschmückt durch das Dorf nach Eichelsdorf geholt. Da es die kleine Glocke war und somit das Geläut etwas dünn war, hatte man sich entschlossen, sie größer zu gießen. Sie wurde am 1. Advent eingeweiht. Sie hat ein Gewicht von 433 kg und einen unteren Durchmesser von 92 cm. Sie wurde von dem Ober- Schmitter Amerikaauswanderer Karl Braun gestiftet. Rings um den oberen Rand steht: "Selig sind, die Heimweh haben, denn sie werden nach Hause kommen."
Die Glocke trägt die Inschrift:
"1657 schmolz ich bei der Kirche Brand. Erst 1662 in armer Zeit ich neu erstand.
Stets hab zum Vaterunser ich geklungen Bis 1926 von neuem ich gesprungen. Ein Sohn der Heimat stiftete mich neu Aus weiter Fern in Heimtlieb und Heimattreu "Karl Braun Glocke" soll ich darum heißen zur ewgen Heimat eure Herzen weisen.
Auf der anderen Seite: Gestiftet von Karl Braun in Marysville, Nord-Amerika.
1927 wird in der Kirche die Heizung eingebaut, und bei den Ausgrabungen zu diesem Zwecke findet man Gräber, Knochenreste, Kleiderreste mit Borten und sonstiges. Es waren wohl Adelige, die dort in der Kirche in früher Zeit beigesetzt wurden. Männer-, Frauen- und auch Kinderskelette fand man dort. Große Ereignisse gibt es in den nächsten Jahren nicht. Das Volk ist arm, es ist eine Weltwirtschaftskrise, die Deutschland besonders trifft, weil es durch den verlorenen Krieg ausgemergelt ist und keine Reserven hat. 7 1/2 Millionen Arbeitslose, ein unmöglicher Zustand, und es gab ja fast keine Unterstützung. Aus dieser Nachkriegszeit ist nachzutragen, dass schon im März 1919 bei Himmelsbach in Eichelsdorf für eine Woche wegen Lohnerhöhung gestreikt wurde. Das war ganz was Neues. Es ist aber nicht verzeichnet, ob es was gebracht hat. Trotz der schlechten Zeit schaffte die Gemeinde es, im Glauben an das teure Vaterland, für seine toten Krieger ein Denkmal zu errichten. Man kaufte das "Ringelshaus", das sowieso im Wege stand und dort, wo der Garten war, baute man ein wunderschönes Denkmal mit dem Hessischen Löwen oben drauf. Den restlichen Teil verkaufte man an Otto Möser, der dort sein Geschäft erbaute. Heute steht dieser Löwe verwaist im Schulhof. 1931 wurde das Denkmal eingeweiht. 1959 wurde es umgebaut, um auch die Tafeln der Gefallenen des 2. Krieges aufzunehmen. Es ist jetzt ein großes Monument für beide Kriege, aber über den Geschmack lässt sich streiten. 52 Gefallene waren es im ersten Krieg, auf den Tafeln des 2. Krieges stehen 78 Namen, allerdings sind da auch die Gefallenen der Heimatvertriebenen dabei, nicht aber die sonstigen Toten der Flucht. Und fragt man warum: Da gibt es nur ein großes Fragezeichen! Menschliche Überheblichkeit führt zu solchen Katastrophen. Zurück zu 1931. Arbeitslosigkeit und Armut lässt die Menschen einen Erlöser, einen Führer suchen, und er kam und versprach alles, Arbeit, Brot und sonst noch was. Es war kein Wunder, dass ihm fast alle, ich sage fast alle, nachgelaufen sind. Aber wenn man heute hört war keiner dabei gewesen. Schade, ich frage mich immer, wie der Mann denn an die Macht gekommen ist? Leider ist aus dieser Zeit fast nichts vorhanden. Diejenigen, die ihm in den Sattel halfen, haben wohlweislich das meiste der Unterlagen vernichtet, damit man sie nicht mehr erkenne. Schade, die Zeit hat es gegeben, und man sollte sie nicht verschweigen. Im Kasseler Sonntagsblatt vom 14. Mai 1933 steht: Eichelsdorf. Am Tage der nationalen Arbeit (1. Mai) wurde hier ein Adolf Hitler-Stein geweiht, ein Findling aus heimischen Basalt, der am Kriegerdenkmal von 1870-71 an der Neubenannten Adolf Hitler-Straße - der früheren Bahnhofstraße - (heute Eichelstraße) aufgerichtet wurde... Dabei pflanzte man eine Hitlereiche, die heute noch als 3. Baum dort steht. Ich meine, für Leute, die nie dabei gewesen waren, war es ziemlich früh, sobald nach der "Machtergreifung" Gedenkstein und Baum zu setzen. Es war ja erst 3 Monate her!! Den Stein hat man sehr eilig, als die "Amis" kamen, in den Bach gewälzt, wo er noch einige Jahre schön, mit der Schrift nach oben, zu sehen war. Es ging damals ein ganzes Stück bergauf, und die Deutschen galten wieder etwas in der Welt. Aber man ging dann zu weit, man kannte seine Grenzen nicht mehr und fiel deshalb umso tiefer. Man fühlte sich schon so stark, dass man die anderen schon alle in der Tasche hatte bevor es losging. Sie wollten das Weltbild umkrempeln und benutzten dazu Praktiken, die nicht legal waren, und da war es kein Wunder, dass sich dann alles gegen sie stellte. Der Krieg begann, auch dieses Mal war er schon vorher gewonnen, man hatte ja gar nichts aus dem 1. Weltkrieg gelernt. Die Niederlage war schrecklich, dieses Mal war das Reich tatsächlich zerstört. Außer, dass die Männer und auch teils Frauen in den Krieg mussten und laufend die Todesnachrichten kamen, und dass man für den Krieg arbeiten musste, wurde der Ort nicht durch Kriegseinwirkung beschädigt. Nur einmal fielen Bomben und zerstörten Nagels Weißbinderwerkstatt. Sie galten aber wohl nicht Eichelsdorf, sondern dem Flugplatz in der Harb. Der unselige Krieg ging zu Ende und das Dorf war, wie andere auch, Zufluchtsstätte für diejenigen, die durch den sinnlosen Krieg ihre Heimat verloren hatten und als Flüchtlinge oder Heimatvertriebene Obdach suchten. Die Einwohnerzahl stieg um fast 50%. Es wurde oft sehr eng in den Häusern, aber es spielte sich alles im Laufe der Zeit ein. Es fehlte alles, und so kam die Wirtschaft wieder in Gang. Die Reserven waren verbraucht, es musste neu angeschafft werden. Es gab wieder Arbeit und Verdienst und nach einiger Zeit begannen neue Häuser zu entstehen, der Ort dehnte sich nach allen Seiten.
1949 baute Emrich seine Garage und damit verschwand die Furt Kätzerbach, die sonst noch gelegentlich genutzt wurde. Um diese Zeit beginnt auch die Flurbereinigung, die Umlegung der vielen kleinen Parzellen zu größeren, besser zu bewirtschaftenden Grundstücken. Neue Wege werden angelegt, einige auch befestigt. In dem Zusammenhang baut man auch 2 neue Brücken, die eine bei der Junkermühle (auch Köhlermühle genannt), dadurch verschwindet die Furt dort 1962 und etwas später die Brücke bei der Stockmühle, wodurch die Brandesgasse mit der B 455 verbunden wird. Da gab es früher keinen Übergang. Alles festigt sich, die Wunden des Krieges vernarben langsam, die Zeit der Brotmarken, der Bewirtschaftung geht dem Ende zu. Lebensmittelmarken gibt es keine mehr, ebenso die Zuteilungen und die Kleiderkarten, nur der Wohnraum ist noch einige Jahre bewirtschaftet.
1952. In Kriegszeiten ist es oft üblich, dass man wichtige Erze, besonders Edelmetalle, für die Rüstung braucht. Auch im 1 Krieg holte man die Glocken von den Türmen, zog eiserne Zäune ein, sammelte die goldenen Eheringe und gaben dafür eiserne aus. Man sagte überall: "Gold gab ich für Eisen hin". Eichelsdorf hatte damals noch Glück, denn bis die Glocken hier geholt werden sollten war der Krieg zu Ende. Der 2. Krieg brauchte schon mehr Material, und am 16.12. 1942 holte man eine Glocke, die andere ließ man uns noch gnädig. Bis die andere Glocke geholt werden sollte war der Krieg Gott sei Dank zu Ende. Die erste Glocke war eingeschmolzen, und es musste eine neue her. Da das Geläut immer etwas dünn gewesen war, entschloss man sich, zwei neue Glocken gießen zu lassen. Am 10. April 1952 wurden sie bei der Firma Rinker in Sinn Dillkreis gegossen. Am 25.4. eingeholt, und nun haben wir mit den 3 Glocken ein schönes, volles Geläute.
Durch die Vergrößerung der Einwohnerzahl wurde der Schulraum zu eng und man entschließt sich, einen weiteren Raum anzubauen, den heutigen Pavillon. Am 16.10.1955 wird er mit einem großen Fest eingeweiht. Dieser Tag war aber noch aus einem anderen Grunde ein Erlebnis. Nachdem die offizielle Feier zu Ende war, begab sich fast die ganze Bevölkerung auf die Schossi in die Nähe des Bahnhofs und Hainbachs. Alles wartete auf einen Autokonvoi, der von Friedland kommen und den letzten Eichelsdorfer Kriegsgefangenen aus Sibirien heimbringen sollte. Es vergingen Stunden, aber das Volk wartete, bis die Kolonne kam. Keiner hat wohl so einen Empfang gehabt wie er, Ernst Möser. Lt. Heimatglocken 1920 gab es bei der Einweihung der Ehrentafel für die Gefallenen einen Männerchor und einen gemischten Chor. Vielleicht haben da auch nur ein paar Frauen mitgesungen. Auch 1923 wird in den Heimatglocken vermerkt, dass der Neugegründete Frauenchor, unter der Leitung von Frau Forstmeister Bechtel, bei der Weihnachtsfeier mitgewirkt hat. Dieser Chor trat noch öfter in Erscheinung. Es war nicht feststellbar, bis wann er gewirkt hat. Vielleicht wurde er auch im "dritten Reich nicht anerkannt" und musste aufhören? Im November 1945 gründete Frau Pfarrer Peter ihn neu und übernahm die Leitung. 1959, als Pfarrer Peter nach der Pensionierung nach Nidda zog, übernahm Frau Christel Künzel, geb. Uhl, den Chor. Anfang der 70er Jahre löste er sich langsam auf. Das 1959 umgestaltete Kriegerdenkmal wird, wie berichtet, eingeweiht. Es wurde von Jean Wolff aus Himbach entworfen. Im selben Jahr, am 5.10., wurde ein altes Eichelsdorfer Symbol abgerissen, die Herrenscheuer. Sie stand am Anfang der Schlaggasse, wo heute Gerhard Emmel sein Vorgärtchen und die Garage hat. Wo der Name herkommt, ist nicht bekannt, denkbar wäre aber, dass es eine Zehntscheuer gewesen wäre. Sie hatte zuletzt 3 Besitzer, die jeder einen Teil besaßen und ihre Vorräte an Heu, Stroh und sonstiges einlagerten. Es waren Möser, Krämer und Luft. Das auch derneue Sportplatz eingeweiht wurde, lesen sie im Bericht des Sportvereins im Leseteil.
Das sich viele Leute über die Sommerzeit ärgern, ist nichts Neues, es gab sie lt. Bericht schon 1918, und nach dem letzten Krieg gab es sie sogar doppelt, also 2 Stunden Unterschied. Da haben wir lt. Uhrzeit erst abends gegessen und sind dann auf die Platte zum "Knurren" setzen gegangen, und als Feierabend war, war es noch hell, und es schlug 12.00 Uhr auf der Schuluhr. 1962. Bei einem Dorfgemeinschaftsabend wird der Gemeinde der 3. Preis beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" vom Landrat überreicht. Es tut sich was. Am 9.7.62 wird in der Motzengasse der Kinderspielplatz eingeweiht. Man befasst sich im Gemeinderat mit dem Thema Fremdenverkehr. In den nächsten Jahren legt man einen Park mit Ruhebänken an. Es wird auch später, 1965, ein Verkehrsverein gegründet, der die Werbung und Quartiereinteilung machen soll. Er ruht aber derzeit, weil Eichelsdorf nach anfänglich guten Fremdenverkehr den Gästen doch vieles nicht bieten kann. Eichelsdorf, anfangs auf dem Gebiet sehr rührig, bringt es so weit, dass der Gemeinde am 29.12.1966 der Titel "staatlich anerkannter Erholungsort" verliehen wird. Der Verkehrsverein stellt im Park und an markanten Stellen 47 Bänke auf, weitere sind in Vorbereitung. Die Zahl der Fremdenbetten beträgt 78. Aber wer nicht mit dem Auto kommt ist verloren, es wird nichts geboten, die Vereine und auch die Wirte zogen damals nicht mit. Was groß begann schläft wieder ein, und den Erholungsort sind wir amtlicherseits auch wieder los. Man befasst sich damals auch mit dem Gedanken, ein Bürgerhaus zu bauen. Das Baugebiet Kleeberg wird 1964 als Wochenendgebiet beschlossen. 42 Wohnstätten sollen erbaut werden. Der Bau der Mehrzweckhalle beginnt am 15.11.64, das Richtfest findet am 3.9.65 statt, und die Einweihung ist am 27.08.66. Der große Saal soll auch für den Sport sein und hat deswegen einen Schwingboden. Die Halle kann für alles benutzt werden und hat eine Bühne. Im Nebentrakt befinden sich Umkleide-, Dusch- und Waschräume für die Sportler und Abstellkammern für die Vereine. Daneben ist eine Gefrieranlage, weiter 1 Club- oder Sitzungszimmer und ein Leseraum mit Bücherei (die leider nicht mehr besteht), anschließend Wirtschaftsraum für den Wirt mit Küche und natürlich Toiletten am Eingang und im Sportteil. Im Keller ist eine vollautomatische Kegelbahn, die auch voll genutzt wird. Die Müllabfuhr beginnt im Juni 1965, sie wird wegen allgemeiner Verschmutzung der Landschaft und der Bäche überall eingeführt. Es wird noch ein Hochwasser in diesem Jahr, am 30./31.7. vermerkt, bei dem der Niederschlag 40,8 lt. pro m2 betragen hat. Über das 1940 gewesene große Wasser haben wir keine Unterlagen, das fiel ja alles ins "tausendjährige Reich"!
Auch in der Kirche tut sich einiges. Sie wird renoviert, weil sie teilweise sehr unansehnlich ist. 1964 beginnt man, und am 1. Advent wird sie neu eingeweiht von Herrn Dekan Knieriem. Die Festpredigt hält Herr Oberkirchenrat Landig. Es fehlt allerdings noch die neue Orgel, die Kanzel und der Taufstein. Viele Ehrengäste erscheinen. Bundespräsident Lübke schickt als Gruß die neue Altarbibel und Bundeskanzler Erhard als Gruß die Kanzelbibel. 1965 wird der Taufstein und die Orgel eingeweiht. Die Predigt hält Herr Oberkirchenrat Landig aus Darmstadt. Die Orgel besitzt 12 Register mit 2 Manualen und Pedalwerk. Sie wurde bei dieser Feier von dem berühmten Otto- Jürgen Burba, Organist an St. Nicolai, Frankfurt/M. gespielt. Bei dieser Renovierung 1964 wurde auch der Männeraufgang an der Außenseite der Kirche entfernt. Die Kirche hat nun eine elektrische Orgel und ein elektrisches Läutewerk. Nun musste keiner mehr den Blasebalg an der Orgel treten, und der Kirchendiener musste nicht mehr am Seil ziehen, wenn er läuten wollte, er drückt nur noch auf den Knopf. Allerdings ging damit auch ein schöner alter Brauch zu Ende, das Christläuten am Morgen der ersten Weihnachtstages. Da war es üblich, dass reihum jedes Jahr 4 Männer aus 4 Haushalten der Reihe nach morgens von 5- 6 Uhr läuteten. Dann begann das Christsingen an der oberen Brücke, wie auch heute noch, durch das ganze alte Dorf. Das dauert auch eine gute Stunde, darüber geben wir auch einen Bericht in den Leseteil. Die Zahl der Frühaufsteher zu diesem Brauch war wieder bei 100, hoffentlich bleibt das so, denn dieser Brauch ist sonst nirgends nachgewiesen.
In diesem Zusammenhang muss noch das Eichelsdorfer Weihnachtslied erwähnt werden. Dieses Lied von Paul Gerhardt (-1676) war einstimmig, wie es früher üblich war. In Eichelsdorf singt man nun diesen Choral nach einer anderen Melodie. Seit wann und wie genau weiß man nicht. Es waren wohl keine Noten mehr da, man sang nach einer im Gedächtnis haftenden Melodie. Durch die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Lehrer Wilhelm Würz (damals 1912-1923 in Eschenrod tätig) und dem dort wirkenden Pfarrer lic. Dr. Franz Stumpf (26.11.1919-19.01.1927) hat dieser sich bereit erklärt, die einstimmige Singweise als vollen Akkord ertönen zu lassen. Das geschah 1928, und wir sind glücklich, diesen Originalsatz abbilden zu können (siehe Aufsatz "Fröhlich soll mein Herze springen..." weiter hinten). Diese Weise ist in ganz Deutschland kein zweites Mal nachzuweisen. Es ist unser Eichelsdorfer Weihnachtslied. Dafür ist 1965 etwas anderes eingegangen, die Schwesternstation der Kirche. Sie bestand seit 1918, so ist es belegt, aber nach Aussagen älterer Bürger hat es schon eine Schwester zu Kirchenrat Fischers Zeiten, also vor 1912, gegeben. Es ist schade darum, denn in den alten Heimatglocken wird laufend über die segensreiche Arbeit der Schwestern berichtet.
Ich greife nur mal einen Bericht unter vielen heraus: Krankenbesuche 1928
Eichelsdorf: Januar 304, Februar 497, März 281
Ober- Schmitten: Januar 251, Februar 65, März 281
im Vierteljahr: Eichelsdorf 1082, Ober-Schmitten 597 insgesamt 1679 Besuche.
das sind täglich 18 Besuche, dazu noch einige Nachtwachen und Krankentrost bei Alten und Kranken. Trotz all der guten Taten wird sie am 6.9.1968 aufgelöst, in der Zeit als Pfarrer Teichert hier amtierte. Warum?? Ich konnte es nicht in Erfahrung bringen. 1971 beginnt die Restrenovierung der Kirche. Damit hat die Gemeinde Glück gehabt, denn gerade rechtzeitig, ehe auch bei der Landeskirche das Geld knapp wurde, hat sie ihre Kirche in einen mustergültigen Zustand versetzt. Der Glockenturm wird neu geschiefert, und das Kreuz auf dem Turm neu vergoldet. Wer die Giebelwand genau betrachtet, kann kurz unter dem First, über einer Kreuzluke, noch ein merkwürdiges, dreieckiges Stück Sandstein eingemauert sehen. Es zeigt die ursprüngliche Firsthöhe der Kirche an, bevor sie durch den Brand des "gottlosen Schulmeisters Kummer" vernichtet wurde. Das Prunkstück aber ist die Kanzel. Sie war lange Jahre dick mit schwarzer Farbe gestrichen und sollte eigentlich verbrannt werden. Der Kirchenmaler fand aber unter dem Farbgeschmiere herrliche barocke Intarsien von großer Feinheit. Nun wurde sie sorgfältig freigelegt, dabei kam die Zahl 1625 zum Vorschein. Am Baldachin wurden ebenso wertvolle Arbeiten entdeckt. Eine fast gleiche Kanzel, die vermutlich aus der Werkstatt desselben Meisters stammt, steht übrigens in der Lißberger Kirche, auch dort war die herrliche Arbeit dick übermalt. So wurde auch schon früher in unseren Dörfern mit Kunstwerken von so hohem Rang umgegangen. Dann läuft in der Kirche alles seinen gewohnten Gang bis fast 20 Jahre später ein großer Sturm in Eichelsdorf tobt und das Kirchendach herunterwirft. Das war eine große Aufregung am 24.11.1984. Der Schaden aber ist nun behoben, und die Kirche hat dadurch jetzt ein komplett neues Dach, was hoffentlich viele Jahre überdauert. Die großen Fichten, das Wahrzeichen unseres Gotteshauses, mussten vor einigen Jahren leider gefällt werden, sie waren krank. Nun steht die Kirche etwas kahl. Das ist schade, aber Bäume wachsen halt nicht so schnell nach.
Im Dorf gehen Modernisierungsarbeiten weiter. Die Kanalisation wird weiter ausgebaut. In Nidda soll eine Kläranlage gebaut werden und auch Eichelsdorf wird sich da anschließen, wo sowieso die Hauptleitung von Schotten her bei uns mitten durch den Ort geht. 1966 beginnt der Bau der Anlage. Von 1967 wird im Leseteil von dem Hochwasser am Abend des 23.12. berichtet. Der Gesangverein hatte gerade seine Weihnachtsfeier im Vereinslokal Willie Hofmann. Viele konnten nicht mehr durch das Dorf heim, so schnell ging das. Das Wasser stand in der Brandesgasse fast bis zum Hause Luft. 1968, das Dorf dehnt sich, der Betrieb im Baugebiet Kleeberg beginnt, es wird da auch ein neuer Hochbehälter gebaut und für Eichelsdorfer Bauwillige beginnt man, vor dem Weinberg braucht sie nicht mehr. Die Kreissparkasse eröffnet eine Zweigstelle und die Volksbank 2 Jahre später. 1970 ist in Hessengroße Verwaltungsreform, Zusammenlegung der Gemeinden. In Eichelsdorf will man gerne selbst Großgemeinde werden mit Ober- Schmitten und Eichelsachsen zusammen. Nidda und Schotten wollen uns unbedingt einverleiben. Es wird solange daran gerührt, bis der Plan zunichte ist und Eichelsdorf von Amts wegen in Nidda eingemeindet wird. Mit dem 1.8.1972 sind wir nun Niddaer Ortsbürger mit der Zusatzbezeichnung "Nidda 21". Nun sind wir nicht mehr selbständig, und wenn hier was gemacht werden soll, müssen wir die Stadt darum bitten. 1974 wird hier ein Kindergarten gebaut. Natürlich mussten durch die Eingliederung einige Straßennamen geändert werden, damit sie in der Großgemeinde nicht doppelt waren. Es gibt in der BRD noch ein Eichelsdorf und zwar in Unterfranken. Ich hatte in den 60er Jahren mit dem dortigen Bürgermeister Verbindung aufgenommen, und es sollte zu einer Art Verschwisterung kommen mit dem Gesangverein. Da das andere Eichelsdorf aber keinen Gesangverein hatte, zog der hiesige nicht mit. Die Eichelsdorfer waren sogar mit Bussen hier, aber unsere Einwohner kümmerten sich kaum darum. Später hatte der Spielmannszug Kontakte dorthin und jetzt die Feuerwehr. Der Ort ist auch evangelisch, hat gut 250 Einwohner und ein katholisches Kloster. Der Ort ist etwas länger urkundlich belegt. Ich habe die Geschichte hier.
Von Bruno Plitzkow.
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