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Drachenloch.

Drachenloch.


Beschreibung merkwürdiger Höhlen.

Ein Beitrag zur physikalischen Geschichte der Erde. Herausgegeben von Dr. Rosenmüller und Tilesius von Tilenau. 1799.

Das Drachenloch auf dem Vogelgebirge in der Landgrafschaft Hessen Darmstadt*
* Versuch einer mineralogischen Beschreibung des Vogelsgebirgs in der Landgrafschaft Hessen Darmstadt. Berlin 1790. 8.

Wenn man von Schotten aus, den sogenannten Bildstein, einen prächtigen konischen Basaltberg, besuchen will, führt der Weg über einen Bergrücken, in welchem sich das Drachenloch befindet. Es ist der erste Bergrücken, der dem Bildstein westwärts dem Oberwalde herab gegen Südwest hinzieht.

Um die benannte Höhle, das Drachenloch zu besehen, besuchte ich den Berg von Eichelsachsen aus. Ich war umso neugieriger, da ich bisher noch nichts von einer natürlichen Höhle in unserem vulkanischen Gebirgen gehört hatte. Sie befindet sich in einem dicken Gebüsche, auf der Grenze, welche die Gemarkung Rainrod und Eichelsdorf am westlichen Abhang des Gebirges scheidet. Der Förster, der mich begleitete, hatte sie vor zehn Jahren zum letzten mal gesehen, daher machte es viele Mühe und Beschwerden, bis wir den Eingang in dem dicken und wegen des gefallenen Regens, nassen Gebüsche, fanden.

Unterdessen hatte ich Zeit, die abenteuerliche Tradition von dieser Höhle, wie sie sich unter dem gemeinen Manne fortgepflanzt hatte zu vernehmen. Sie soll von einem Drachen bewohnt worden sein, welcher zu Zeiten hervorgekrochen wäre, aus dem wohl eine halbe Stunde davon entfernten Niddafluss getrunken und dem Müller das Wehr verdorben habe, ohne dass sein Schwanz ganz aus der Höhle herraugekommen sei; und der gleichen mehr.

Das Loch, welches den Eingang macht, ist gang rund, und hat kaum einen Fuß im Durchschnitt. Es geht horizontal in daneben nicht sehr steilen Abhang des basaltischen Gebirges. Ich fühlte mit der Hand hinein, und fand die Wandung so ordentlich, als wäre sie durch die Kunst gemacht. Das Gestein war ein gemischter schwarzer Basalt. Man erzählt, dass mit großen Stangen das Ende nicht erreicht werden könne. Steine, die ich hineinwarf, verursachten einen dumpfen Schall; daher ich vermutete, das inwendig der Umfang größer sein müsse, und in dieser Vermutung wurde ich dadurch noch mehr bestärkt, das diese an sich kleine Öffnung, ungeachtet der von früher hineingeworfenen vielen kleinen Steine, sich doch nicht ganz verstopft hatte. In der Absicht, durch einiges abteufen auf die Richtung dieser Höhle, einen näheren Aufschluss zu bekommen, lies ich es nach meiner Abreise untersuchen; man hat mir geschrieben, das man nach sieben Fuß widerstand gefunden habe, und dabei ist es dann auch bis jetzt geblieben.

Wenn die Spur von alten Ruinen und vergleichen sich vorfände, oder auch am Umfange der Öffnung einige schriftliche Zusammensetzung wahrzunehmen gewesen wären, so würde ich den Ausgang eines unterirdischen Gewölbes vermutet haben; allein davon allen diesem nichts nichts anzutreffen ist: So blieb mehr Wahrscheinlichkeit für die Meinung übrig, das es eine natürliche Höhle sei, wiewohl mir ein Art von bergmännischer Untersuchung hier entscheiden konnte. Einer meiner Freunde, Herr Ingenieur Hauptmann Müller zu Gießen kam nachher im Jahr 1787 mit mir überein, eine solche Untersuchung anstellen zu lassen.

Wir ließen, unbeschadet der Höhle, einen Schacht vorschlagen, und dem Bergmann kurz vor dem Durchschlage sichere Zeugenbeigeben. Dann fand ich, das diese horizontale, vorn etwa einen Schuh weite Höhle, sich in der Länge nicht mehr als etwa sieben Fuß weit in den Berg hinein erstreckte, wo sie sich an einer senkrechten Steinfläche endigte, nachdem sie sich trichterförmig drei Schuh breit und zwei und einen halben Schuh hoch gegen hinten zu erweitern hatte. Das Gestein welches wir davon zugeschickt wurde, bestand in verhärteter grauer Tuff und pulverischer Glimmerei. Selbst habe ich noch keine Gelegenheit gehabt, die Arbeit zu besehen, und konnte deshalb nicht fragen ob das vertikale Gestein ebenfalls verhärtetes Tuff oder Basalt sei. Bei dieser Gelgenheit viel mir ein, von meinem Bruder gehört zu haben, daß er verschiedene Höhlen im festem Gestein angetroffen habe, die unmöglich von den darin befindlichen Raubtieren ausgegraben sein können.

Die Struktur des Drachenlochs erregt aber doch eine neue Bedenklichkeit, da es nach seiner Trichterförmigen Erweiterung auf einmal senkrecht abgeschnitten wird; so fregt sich: woher dieser Abschnitt? So kann man sich seine Entstehung auch so denken. Als die Masse noch weich war, sammelte sich Luft, und bildete gleichsam eine Blase. Gährung und Hitze dehnten dieselbe so aus, das sie endlich an der Stelle des Drachenlochs, vermutlich dünnsten Rinde, durchbrach, und bei dieser Explosion eine zirkelrund Öffnung bildete, weil die Masse daselbst völlig gleichartig war. Die Trichterförmige Gestalt musste entstehen, weil hinten die Ausdehnung schon vor der Explosion eine solche Weitung angenommen hatte. Nachher mag denn eine verhärtete Masse bei einer zweiten Eruption eingestürzt sein, und die senkrechte Wand erzeugt haben. Auch kann diese erhärtete Masse schon vorhanden gewesen sein, und der Ausdehnung widerstanden, also selbst damit die Explosion befördert haben.

Aus dieser Höhle, auf die Vulkanität der dortigen Gegend zu schließen, findet mir neben vielen anderen Gründen statt, da dergleichen Gänge auch in den unstreitig im Wasser entstandenen Gebirgen vorkommen, nur das wenigstens die zirkelrunde Figur des Ausganges gegen diese, so weit ich sie damit vergleichen konnte, vorzüglich einen wesentlichen Unterschied ausmacht.

Nach Dr. Rosenmüller und Tilesius von Tilenau.


Statistisch-topographisch-historische
Beschreibung des Großherzogthums Hessen.

Von Georg Wilhelm Justin Wagner. Großherzoglich hessischem Geometer. 1830.

Rainrod.

An der Grenze gegen Eichelsdorf, ist das sogenannte Drachenloch, eine tiefe in einem Basaltfelsen befindliche Höhle mit runder Öffnung, von welcher die Sage erzählt, dass sie von einem Drachen bewohnt gewesen, der zu Zeiten hervorgekommen, aus der ½ Stunde entfernten Nidda getrunken, und dem Müller das Wehr verdorben, ohne das sein Schwanz ganz aus der Höhle gekommen sei.


Das Drachenloch zu Rainrod.

Aus einem Bericht von Friedrich Kofler aus dem Jahre 1867.

Vor einer Reihe von Jahren hatten mich Freunde auf diese Höhle aufmerksam gemacht und gebeten, dieselbe zu durchforschen. Ich versprach mir im Stillen eine reiche Ausbeute für die vorgeschichtliche Forschung. Ein Teil des vor der Höhle lagernden Schuttes war auf Wunsch des Oberamtsrichters Fresenius von Schotten weggeräumt worden. Man sah, dass von dem Loche aus ein frisch betretener Dachspfad in die Höhle führte.

Da die Höhle viel zu eng war, um einen Mann durchzulassen, so wurde mittels eines an eine Stange gebundenen Lichtes das Innere derselben beleuchtet, wobei es sich zeigte, dass der vordere Teil der Höhle aus einer 7 bis 8 Fuß langen glatten Röhre bestand, die sich in einer halben Wendung zu drehen schien sich nach vorn etwas senkte und dem sich im Hintergrunde ansammelnden Wasser ein leichtes Gefälle zum Abfluss bot. Am Ende der Röhre bemerkte man einen größeren freien Raum, denn das Licht verschwand, wenn man es nach rechts und linke oder nach oben bewegte. Das feste Gestein hinderte eine Annäherung an diese erweiterte Höhle. Ich ließ daher die Arbeiter von dem oberen Teil der Terrasse aus, wo ein mit Rasen und Gestrüpp bedeckter Hang nach dem Bergrücken in die Höhle stieg und sich eine kleine Vertiefung vorfand, einen Schacht abteufen. Der Boden bestand aus einer lehmigen Erde, die aufgefüllt zu sein schien. Weiter unten stießen die Arbeiter auf einige Stücke moderner Ziegel und ganz unten auf einen kesselförmigen Raum, in welchen die oben erwähnte Röhre einmündete, nach hinten mit einer glatten, senkrechten Felswand abschloss. Die linke, etwas höher liegende Seite des Kessels war mit frisch eingetragenem Moos ausgefüllt.

Nachdem der Kessel vollständig von Schutt befreit war, konnte man an den Wänden oberhalb sowie auch teilweise in der Tiefe zahlreiche Spuren von Einritzungen wahrnehmen, die mit eisernen Werkzeugen hervorgebracht waren und den Beweis lieferten, dass die Höhle schon früher einmal untersucht worden war. Dies bestätigte sich, denn ich fand in einem Buche, das mir in Schotten geliehen ward und sich betitelte "Klippstein, Versuch einer mineralogischen Beschreibung des Vogelsgebirges S. 36 und ff." dass Klippstein mit einem Freunde aus Gießen im Jahre 1787 die Höhle hatte untersuchen lassen. In diesem Schriftchen heißt es: "Wir ließen unbeschadet der Höhle einen Schacht durchschlagen und dem kurz vor den Durchschlag sichere Zeugen beigeben. Nun fand sich, dass diese horizontale vorn etwa 1 Fuß weite, zirkelrunde Höhle sich in der Länge nicht weiter als 7 Fuß in den Berg hinein erstreckt, wo sie an einer senkrechten Steinfläche endigte, nachdem sie sich trichterförmig 3 Fuß breit und 2 1/2 Fuß hoch gegen hinten zu erweitert hatte."

Als Erklärung für die Bildung des Drachenloches schreibt er folgendes:

"Als die Masse noch weich war, sammelte sich Luft und bildete gleichsam eine Blase, Gärung und Hitze dehnte dieselbe so aus, dass sie endlich an der Stelle des Drachenloches, vermutlich der dünnsten Rinde, durchbrach und bei dieser Explosion eine zirkelrunde Öffnung bildete, weil die Maße daselbst völlig gleichartig war. Die trichterförmige Gestalt musste entstehen, weil hinten die Ausdehnung schon vor der Explosion solche Weitung angenommen hatte…"

Zu der Mutmaßung Kofler will ich die eigene hinzufügen: Der Kessel ist nicht trichterförmig, sondern eher ovalrund, der Boden glatt, die Rückwand senkrecht und vielfach gespalten. Den Spalten entströmte selbst in trockenen Jahren reichlich Wasser. Das Rohr, das aus dem Kessel abwärts nach außen führt, ist durch Wasser ausgeschliffen. Allem Anschein nach war früher hier eine starke Quelle, denn von dem Loche aus zog früher ein Wasserriss den Berghang hinab nach der Nidda, in welchen die Grenze zwischen Eichelsdorf und Rainrod gelegt wurde. Es mag die Quelle vielleicht selbst den Grund zur Sage gelegt haben, denn wenn bei starken Regengüssen das von den Berghängen zusammenströmende Wasser in dem Rinnsal der Quelle zufloss floss, war es wohl im Stande, das entgegenstehende Wehr zu beschädigen und zu zerstören, wodurch dem Müller das im Mühlgraben strömende Wasser abgeschnitten wurde. Das Wasser war mithin der Drache der das Wehr des Müllers zerstörte, ohne dass sein Schwanz aus der Höhle herausgekommen wäre.

Die unausgeschmückte Sage, wie sie uns der Volksmund bewahrt hat, lautet:

In der Höhle bei Rainrod dem Drachenloch, wohnte einst ein Drache, welcher verborgene Schätze bewachte, zuweilen hervorkam, den Müller unten das Wehr verdarb, und aussoff, ohne dass sein Schwanz ganz aus der Höhle hervorgekommen wäre. Der Drache ist tot, aber die Schätze liegen noch im Berge.


Deutung nach Friedrich Kofler, Darmstadt, 1923.

Der Kessel (der Höhle) ist ovalrund, der Boden glatt, die Rückwand senkrecht und vielfach gespalten. Den Spalten entströmte selbst im trockenen Hochsommer reichlich Wasser. Allem Anschein nach war früher hier eine starke Quelle, denn von dem Loch aus zieht oder zog vielmehr einst ein Wasserriss den Berghang hinab nach der Nidda, in welchen die Grenze zwischen Eichelsdorf und Rainrod gelegt wurde. Da die Stelle nicht nur eine 40-50 Fuß (12-15 m) hohe Bergwand, sondern auch den 4 bis 5 Stunden langen Bergrücken hinter sich hat, so wird bei Regenzeiten dem Loch auch heute noch eine bedeutende Wassermenge entströmen. Es mag die Quelle selbst den Grund zur Sage gelegt haben, denn wenn bei starken Regengüssen das von den Berghängen zusammenströmende Wasser in dem Rinnsal der Quelle zu Tal floss, war es wohl imstande, das entgegenstehende Wehr zu beschädigen und zu zerstören, wodurch dem Müller das im Mühlgraben strömende Wasser abgeschnitten wurde. Das Wasser war mithin der Drache, der das Wehr des Müllers zerstörte, ohne dass sein Schwanz aus der Höhe herausgekommen wäre.

Nach W. Würz.


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