Band 15. Nidda Eichelsdorf.
1976
Januar 1976
1976 - ein Arbeitgeberjahr?
Wer schreibt das Kalendarium
für "76" noch mal um?
Denn wer dasselbe schon studiert,
der ist geradezu schockiert!
Fast eine Arbeitswoche mehr
beschert es uns! Ich bitte sehr!
Dass dieses nicht so bleiben kann,
der Einsicht beugt sich jedermann
von feiner Arbeitnehmerart,
der Freizeit als "Besitzstand" wahrt!
Der 1. Mai wird uns vergällt,
weil er auf einen Samstag fällt.
Da sind, die meisten doch zu Haus
und müssen morgens nicht heraus.
Am Tag der Einheit ebenso.
Wer wird schon sonntags seiner froh?
Und erst das nächste Weihnachtsfest
gibt Freizeitwilligen den Rest,
weil es am Wochenende liegt!
Das hat man prima hingekriegt!
So stellt sich "76" dar
als reines "Arbeitgeberjahr"!
Wir klagen den Kalendermann
als arbeitnehmerfeindlich an!
Bei seinem "Feiertags-Verschnitt"
macht unsereseins wohl schwerlich mit!
Wer ist - man melde sich geschwind!
dafür, dass wir dagegen sind ...?
10. Februar 1976
Einbrecher im Elektrogeschäft (Dambmann).
Nidda-Eichelsdorf (p). Bisher unbekannte Täter drückten die
Eingangstür eines Elektrogeschäftes auf, drangen in den Innenraum ein und
entwendeten
aus der verschlossenen Ladenkasse 400 DM sowie aus der
Auslage 1 tragbares Farbfernsehgerät Marke Grundig, weißes Gehäuse, 38er Bild,
1 Radiowecker Merke Saba,1 Radiorecorder Marke Philipps,1
Radiorecorder Typ Julia Modell 12 SR und 50 bespielte Kassetten. Der
Gesamtschaden beträgt ca. 2600 DM.
26. Februar 1976
Februar - Schaltjahr.
Närrisch tobend, ausgelassen,
kleinster Monat in dem Jahr;
kurz will ich zusammenfassen,
was ich weiß vom Februar.
Immer wieder nach vier Jahren
wird ein Tag ihm zugefügt.
Ausgleichend ist das Verfahren,
das fürs Schaltjahr voll genügt.
Bringt an einem dieser Tage
noch ein Kind Freund Adebar,
stellt mit Recht man sich die Frage:
Wird das älter jedes Jahr?
Wie steht's mit Geburtstagsfeiern,
welchen Tag wählt man hier aus?
Wer sein Alter will verschleiern,
lässt einfach drei Feiern aus.
Viele sind, nicht recht zufrieden,
dass gerad dem Februar
noch ein Tag wurde beschieden;
's könnt auch anders sein, fürwahr.
Hätte ich etwas zu sagen, wählte ich den Monat Mai,
legt zu den Wonnetagen
diesen einen noch dabei.
Nicht den Winter noch ausdehnen,
sorgt, dass länger wird der Lenz!
Ihm gilt unser ganzes Sehnen,
das ist hier die Quintessenz.
Ilse Zuck
05. April 1976
25 Jahre Weinstube Adolf Möbus.
Nidda-Eichelsdorf (ghw). Die Weinstube Adolf Möbus in der Brandesgasse in Eichelsdorf besteht in diesen Tagen 25 Jahre. Sie entwickelte sich aus einer Wein- und Spirituosenhandlung, die der Besitzer schon einige Jahre zuvor gegründet hatte. Als Spezialität führte Adolf Möbus Rheingauer Weine und er hatte guten Zuspruch von Kennern dieses guten Tropfens. So entschloss sich die Familie 1956 zu einem Neubau, der größere und modernere Gasträume brachte. Am Jubiläumstag kamen die Vertreter der Hotel- und Gaststättenvereinigung im Altkreis Büdingen zur Gratulation. Wilhelm Wagner und Werner Rank überbrachten die Grüße und Glückwünsche auch des Landesverbandes und überreichten eine Urkunde, in welcher der Familie Adolf Möbus Dank und Anerkennung im Bemühen um ein gutes Ansehen des Gastgewerbes ausgesprochen wird.
08. April 1976
Nidda/Eichelsdorf (lk). Wieder einmal habe die Mannschaft
aus Eichelsdorf den Wanderpokal in der Mannschaftswertung des Niddatal- Kegelturniers
errungen, meinte Turnierleiter Helmut Schmollack aus Ober-Schmitten bei der
Siegerehrung dieses Turniers, die im Bürgerhaus des Niddaer Stadtteils
Eichelsdorf stattfand.
Neun Mannschaften aus Stadtteilen Niddas und Schotten hätten sich am Turnier, dessen Vorrunde bereits im Spätherbst des vergangenen Jahres begonnen habe, beteiligt, sagte Schmollack. Eichelsdorf und Nidda seien jeweils mit zwei Mannschaften vertreten gewesen. Die übrigen Teams seien aus "Schmitten" gekommen, eine Kombination aus Ober- und Unter-Schmittener Keglern, aus Rainrod, aus Eichelsachsen, aus Ulfa und aus Schotten. In zwei Gruppen, einer Fünfer- und einer Vierer Gruppe, seien dann die Vorrundenspiele ausgetragen worden, wobei jede Mannschaft auf heimischer Bahn und bei den anderen kegeln musste. In der ersten Gruppe zeigte sich schon bald, dass die Mannschaft aus Eichelsdorf klar dominierte, es war die Mannschaft I dieses Stadtteils. Ungeschlagen ging sie aus den Spielen hervor, die nicht nach Zahl des geworfenen Holzes gewertet wurden, sondern nach der Methode der Fußballtabellen. Durch diesen Wertungsmodus kam es auch, dass in der zweiten Gruppe, in der sich Vorjahrssieger Eichelsachsen mit nur einem Verlustpunkt an die Spitze setzen konnte, um den zweiten Platz ein Stechen durchgeführt werden musste. Dieser zweite Platz der Gruppe, den in der ersten Tabelle Schmitten erreichte, berechtigte nämlich noch zum Spiel um den dritten Platz, der noch mit einem Pokal belohnt wurde. In der zweiten Gruppe also mussten die Mannschaften aus Ulfa und Nidda gegeneinander antreten. Dieses Stechen auf neutraler Bahn gewann Ulfa, es konnte somit am Ausscheidungsspiel um den Pokal für den dritten Platz teilnehmen. Diesen dritten Platz auf der Bahn in Rainrod ausgeworfen, konnte Schmitten mit einem deutlichen Sieg gegen Ulfa erringen.
Die Sieger der beiden Gruppen, die Mannschaften Eichelsdorf
I und Vorjahressieger Eichelsachsen, standen sich dann in Borsdorf im Endkampf
gegenüber, dabei konnte Eichelsdorf I mit 1360 zu 1313 Holz gewinnen und so Revanche
für die Niederlage im Turnier des vergangenen Jahres nehmen. Seit der
Einführung des Niddatal- Wanderpokal- Kegelturniers im Jahre 1966 hatte es nur
drei verschiedene Siegermannschaften gegeben.1966 und 1967 holten die Ober- Schmittener
Kegler sich den Pokal, von 1968 bis zum Vorjahr dann waren es die
Eichelsdorfer, die mit dieser Serie auch zweimal den Wanderpokal endgültig in
ihren Besitz bringen konnten. Im Vorjahr dann wurden sie von Eichelsachsen
geschlagen, aber die Revanche glückte.
In der Einzelwertung, die beim Niddatal- Wanderpokal auch
durchgeführt wird, wurde in diesem Jahr erstmals ein neuer Austragungsmodus
durchgeführt. Während in früheren Jahren jeder Kegler sich bei den
Vorrundenkämpfen erst qualifizieren musste, konnte diesmal jeder der Teilnehmer
aus den neun Mannschaften sich beteiligen. Ausgetragen wurden die
Einzelmeisterschaften in der Gallushalle in Grünberg, die über drei Kegelbahnen
verfügt. Jeder der Teilnehmer musste nacheinander 20 Kugeln rechte Gasse, 20
Kugeln linke Gasse und 20 Kugeln Abräumen werfen. Welche Kraftanstrengung und
Konzentrationsfähigkeit
es bedeutet, 60 Kugeln hintereinander zu werfe, ist leicht
vorstellbar. Lange Zeit sah es bei diesen Einzelmeisterschaften nach einem Sieg
von Hans Schmidt aus der Mannschaft Nidda II aus. Doch dann kam Otfried Blum
Eichelsdorf 1, er konnte Schmidt mit einem einzigen Punkt vorläufig schlagen.
Nicht nach einem Sieg hatte es für Kurt Gischler, ebenfalls
von Eichelsdorf I, nach den Würfen in die Linke und die
rechte Gasse ausgesehen. Doch mit einer Bravourleistung beim Abräumen (90 Holz
bei 20 Wurf) gelang ihm schließlich der Einzelsieg.
10.06.1976
Nidda-Eichelsdorf (ghw). Der Gesangverein Eintracht
Eichelsdorf 1876 feiert vom 18. bis 21. Juni 1976 sein 100. Jubiläumsfest, das
mit einem Pokal- Wettstreit verbunden ist. Die Festfolge sieht am Sonntag, 13. Juni
76 um 10 Uhr einen Festgottesdienst in der evangl. Kirche Eichelsdorf mit
anschließender Totenehrung am Ehrenmal vor.
Das eigentliche Fest wird dann am Freitag 18. Juni, 20 Uhr im
Festzelt mit einem Kommers eröffnet. Anschließend spielen zum Tanz die
"Silverstones".
Am Samstag, 19. Juni, 20 Uhr ist ein großer bunter Abend auf
dem Programm, das unter anderem die Mitwirkung der durch Funk, Fernsehen und
Schallplatte bekannten Original Kinzigtaler Folkloregruppe vorsieht. Durch das
Programm führt der bekannte Humorist Hörmann Lederer.
Haupttag des Festes ist Sonntag, 20.Juni 1976. Morgens
erschallt bereits um 6.30 Uhr ein Weckruf durch den Spielmannszug Eichelsdorf. Um
7 Uhr ist die Besprechung der Wertungsrichter mit den Chorleitern und
Vorsitzenden und um 8 Uhr beginnt im Bürgerhaus der Sänger- Pokal- Wettstreit. Hieran
nehmen 21 Chöre mit rund 950 Sängerinnen und Sängern teil. Dazu sind auch
Zuhörer willkommen.
Zur gleichen Zeit ist ein Freundschaftssingen im Festzelt
angesetzt. Ab 13 Uhr wird sich dann ein Festzug durch die Straßen von
Eichelsdorf bewegen. Die örtlichen Vereine, beliebte Musik- und Spielmannszüge
sowie Trachtengruppen haben ihre Mitwirkung zugesagt. Danach erfolgt die Überreichung
der Pokale und Plaketten sowie Ehrenurkunden an die Teilnehmer des
Pokal-Wettstreits.
Im Anschluss daran und am Abend ab 20 Uhr spielt die
Münchholzhäuser Blaskapelle zum Tanz auf. Mit einem Frühschoppen am
Montagmorgen ab 10 Uhr und Tanz ab 15 Uhr mit der Festkapelle klingt das
Programm zum 100. Jubiläum des Gesangvereins Eintracht Eichelsdorf aus.
09. Juni 1976
Ruhestörung durch Rasenmäher.
Wetteraukreis (idw). Beim Landrat des Wetteraukreises gingen
in der letzten Zeit zahlreiche Beschwerden über Ruhestörungen, die durch den
Betrieb von Rasenmähern hervorgerufen werden ein. Dies veranlasst den Landrat, nochmals
auf die Bestimmungen der Polizeiverordnung vom 8. Dezember 1970 über die
Bekämpfung des Lärms hinzuweisen.
Danach ist es verboten, Rasenmäher an Sonntagen und
gesetzlichen Feiertagen sowie an Werktagen in der Zeit von 20 bis 7 Uhr und von
13 bis 15 Uhr in Betrieb zu nehmen. Dieses Verbot gilt auch für sonstige im
Garten benutzte Maschinen und Geräte, wenn zu ihrem Betrieb Motorkraft
verwendet wird.
Zuwiderhandlungen so heißt es in der Pressemitteilung des
Landrates, gegen diese Vorschrift können nach Paragraph 13 der oben angeführten
Polizeiverordnung mit einer Geldbuße bis zu 1000 DM geahndet werden.
16. Juni 1976
Bekanntmachung der Stadt Nidda.
Betr.: Bachschau an verschiedenen Gewässern im Gebiet der Stadt Nidda.
Bei der Durchführung der Bachschau an der Nidda, Laisbach,
Hohensteiner Bach, Eichelbach, Ulfa, Massohlgraben und Rambach wurde durch die
Vertreter der zuständigen Wasserbehörden sowie durch die Vertreter der
Fachbehörde (Wasserwirtschaftsamt Friedberg) festgestellt, dass innerhalb der
Ortslagen Jauche und häusliche Abwässer eingeleitet und von den Anliegern der
Bachparzellen die Böschungen mit Gartenabfällen, Unrat, Müll, Bauschutt usw. verunreinigt
werden. Diesen Ablagern von Stoffen ist gem. S 41 WHG und 0 116 HWG eine
Ordnungswidrigkeit und kann mit einer Geldstrafe bis zu 10.000 DM geahndet
werden.
Die betroffenen Personen werden hiermit aufgefordert die
ordnungswidrigen Handlungen sofort zu unterlassen und den Unrat an den
Uferböschungen bis zum 15. August 1976 zu beseitigen. Von den jeweils
zuständigen Wasserbehörden (Regierungspräsident in Darmstadt und Landrat des
Wetteraukreisen) werden ab diesem Zeitpunkt Nachkontrollen durchgeführt und
entsprechende Maßnahmen gegen die Verursacher unternommen.
Nidda, den 16. Juni 1976, Der Magistrat der Stadt Nidda. Bürgermeister
Juni 1976
100 Jahre Gesangverein "Eintracht" Eichelsdorf
1876 - 1976
(Abschrift aus der Festschrift zum 100 jährigen Jubiläum
verbunden mit einem Pokal-Wettstreit)
Festtage: Freitag, 18. Juni bis Montag, 21. Juni 1976 Schirmherr: Hessischer Ministerpräsident Albert Oswald
Grußwort
Gern übernehme ich die Schirmherrschaft zum 100 jährigen
bestehen des Männergesangvereins "Eintracht" Eichelsdorf. Ich
übermittle Ihnen zu diesem seltenen Jubiläum meine herzlichsten Grüße und
Glückwünsche.
Mit dem Gesang haben Sie sich nicht nur einen
schönen und sinnvollen Hobby verschrieben, Sie haben auch mit Ihrer
Sangeskunst zahlreichen kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen erst
den festlichen Rahmen gegeben. Dank des Fleißes und der intensiven Arbeit ihrer
Mitglieder konnte ihre Gemeinschaft zu einer der ältesten und bekanntesten
Sängervereinigungen unseres Landes werden.
Ich bin davon überzeugt, dass Ihre Mitbürger an Ihrem
Jubiläum regen Anteil nehmen und wünsche Ihnen für die Zukunft weiterhin viel
Erfolg.
Albert Oswald Hessischer Ministerpräsident
Die Frühzeit des Männergesangvereins "Eintracht" Eichelsdorf.
Wir schreiben das Jahr 1852. Ein Lehrer namens Wolf versah
die hiesige Lehrerstelle. Da er aber kränklich war, konnte er sein Amt nicht
voll ausüben. Wenn der Ort auch nicht groß war, so musste doch etwas geschehen.
Er bekam also einen Gehilfen, dessen Name Friedrich Bach war, er wer der lohn
des Lehrers der Nachbargemeine Ober- Schnitten und studierte in Friedberg.
Friedrich Bach gefielen damals schon die Eichelsdorfer Mädchen so gut, das er sich eine zur Frau erkor, das war die Scholtese Katarine,
wie der Dorfname sagt. Ihr Elternhaus war
die Eichelstr. 45, jetzt Wohnhaus Pfad. Bach war sehr
musikalisch und sang mit seinen Schülern schon dreistimmig. Da er große Freude
am Lied hatte, gründete er einen Gesangverein, wo er treue Anhänger fand. Er
brachte den Verein in kurzer Zeit zum Aufschwung und sang mit ihm des Öfteren
in der Kirche. Von den vorgetragenen Liedern konnten wir noch zwei erfahren:
"Hier auf diesen frohen Höhen"
und "Wer hat dich du schöner Wald".
Von den Mitgliedern, die heute so um die 150 Jahre alt
wären, konnten wir auch einige in Erfahrung bringen. Es waren
da Fridrich Würz, Kaspar Repp, Ludwig Mitze, Karl Nagel, Würz (Zörkels Liese), Johannes
Biedenkapp (Bremasse Hannes),
Karl Vöhl, Heinrich Konrad Möser.
Leider bestand der Verein nur kurze Zeit, denn Lehrer Bach
erhielt nicht, wie er gehofft hatte, die hiesige Lehrerstelle. Er wurde nach
Langsdorf versetzt, und das war damals eine halbe Weltreise. Mit dem Weggang Bachs
löste der Verein sich wieder auf, denn der neue Lehrer Kleer hatte kein
Interesse am Gesang. Viele Jahre zogen durchs Land bis sich wieder ein Verein
bildete.
1876 wechselte der Lehrer wieder und Eichelsdorf bekam den
Lehrer der Gemeinde Ober-Schmitten, den in Borsdorf geborenen Johannes Döll. Zu
damaliger Zeit betrieb der Lehrer auch noch eine umfangreiche Landwirtschaft, denn
von der Vergütung allein konnte er nicht leben. Er benötigte also zur
Verrichtung einiger Arbeiten Tagelöhner. So waren eines Tages Heinrich Bechtold
und Gustav Möser im Flegeldrusch bei ihm beschäftigt. Frohgemut bei der Arbeit,
sangen sie manches wunderschöne Lied. Übrigens wurde beim Flegeldrusch meistens
gesungen damit man im Takt blieb, denn ohne Takt konnte man schlecht dreschen. Vom
schönen Gesang angezogen, eilte Lehrer Döll in die Scheune und im Laufe des
Gesprächs einigte man sich darauf, wieder einen Gesangverein zu gründen. Der
Lehrer versprach, wenn 20 Mann beisammen kämen, dann wollte er den Verein
unentgeltlich leiten. Siehe da, die Werbung brachte großen Erfolg.
Die Gründung des Vereins geschah im Herbst 1876. Zum Zeichen
der Sangesbrüderschaft und zur steten Mahnung an Treue und Einigkeit legte man
demselben den Namen "Eintracht" bei. Wir wissen auch die Namen der
ersten Sänger;
I. Tenor: Karl Nagel, Karl Möser I, Gustav Möser, Ludwig
Mitze, Schreinermeister Freymann, Peter Schäfer, Wilhelm Würz, Gustav Wolf und
Johannes Möser.
II. Tenor: Johannes
Heun, Gustav Knodt, Georg Hainer, Joh. Konrad Löffler, Joh. Konrad Rau, Karl
Möser, Otto Freymann, Ludwig Freymann und Konrad Nagel.
I. Baß: Christian Würz, Peter Freymann 4., Ludwig Zörkel, Georg
Joh. Möser, Karl Möser (Spengler) und Gustav Möser.
II. Baß: Heinrich Bechtold, Joh. Zörkel, Gustav Müller, Georg
Meuer, Wilhelm Spangenberger, Johannes Stöhr und Wilhelm Repp.
Nach einigen Jahren freudigen und fleißigen Wirkens
verlangte es den Verein nach einem äußeren Zeichen der Zusammengehörigkeit, nach
einem Symbol der Eintracht. So konnte der Verein 1886 das schöne Fest der
Fahnenweihe begehen. Der Festplatz befand sich auf dem Weinfuhrtsgarten. Die
Fahne im Festzug wurde von sieben Jungfrauen getragen, so wird uns berichtet.
Es waren die Jungfrauen Elise Döll, Katarine Zörkel, Berta
Blum, Berta Zörkel, Berta Schudt und Lina Böcher.
Die Festrede in Prologform hielt Elise Döll. Weil der
damalige Pfarrer Fischer sich weigerte, die Weiherede zu halten, wurde die
Fahne von dem im Ruhestand befindlichen Pfarrer Münch aus Ulfa geweiht und
ihrer Bestimmung übergeben. Die Fahne hatte damals 170 Mark gekostet und wurde
von der Firma Hisschen in Lich bezogen. Auch einige auswärtige Vereine waren zu
der Fahnenweihe erschienen, welche es aber waren, ist uns leider nicht
überliefert.
Als erstes Lied des Chores ist uns überliefert:
Dunkel wirds, die Sterne steigen
Leise rauscht der Abendwind
in der Myrteblütenzeiten
Liebchen öffne mir geschwind.
Laß mich ein, Liebchen mein
bei der Sterne Zauberschein.
Liebchen öffne mir die Pforte,
laß den treuen Sänger ein.
Liebchen noch zwei kleine Worte
und dann will ich stille sein.
Laß nicht ein ...
Laß mich nicht vergebens warten.
Deine Blumen schlafen all.
Schlafe nicht in deinem Garten
seufzet noch die Nachtigall.
Laß mich ein ...
Der Verein blühte unter der bewährten Leitung seines
tüchtigen Dirigenten rasch auf. Die Singstunden wurden wöchentlich zweimal im
Schulsaal gehalten. Eine Zeitlang haben wir dann wenig Anhaltspunkte. Protokoll
wurde noch keines geführt. In der Zwischenzeit übernahm der Junge Lehrer Reinig
als Dirigent den Chor.
Erst ab 1894 liegen wieder schriftliche Unterlagen vor; ein
Vereinsstatut in einer Schrift wie gestochen, leider fehlt ein Teil. Es stammt
wahrscheinlich aus dem Jahre 1893. Ab dieser Zeit liegen alle
Jahresrechnungsabschlüsse vor. Auch private Rechnungen sind vorhanden. Das
waren noch Zeiten, aber unsere Altvorderen hatten auch ihre Last, auch wenn der
Sängerbeitrag 10 Pfennig im Monat betrug. Das Faß Bier kostete 4 Mark 25,
der Liter 22 Pfennig. Für wöchentlich zwei Singstunden verbrauchte man im Jahr siebeneinhalb Maß Petroleum und das machte 3 Mark 38. Für die Reinigung des Schulsaales nach den Singstunden bekam der Vereinsdiener monatlich 80 Pfennige. Beim Fastnachtsball im Jahre 1897 zahlte man für große Musik 10 Mark und für das "Einrücken in das Niddaer Blatt" 1,28 Mark. Es blieb da ein Reinerlös von 7,30 Mark, ein schöner Betrag bei einer jährlichen Gesamteinnahme von 68,30 Mark.
Alle zwei bzw. drei Jahre mussten die Sänger unterschreiben,
dass sie für eben diese Zeit sich für den Chor verpflichten, sonst setzte es
Strafe.
Der Dirigent Lehrer Reinig verfasste am 29.11.1906 ein neues
Vereinsstatut. Der Schrift nach hat er auch wohl das erste Statut verfasst. Das
neue Statut umfasst 24 Paragraphen. Einige Auszüge daraus sind sehr
interessant: so z. B. nach § 1 Der Zweck des Vereins: Der Gesangverein
Eintracht ist ein Verein von Männern und Jünglingen und bezweckt die Pflege des
Gesanges usw. § 3 Mitglied konnte nur werden, wer mindestens 18 Jahre
überschritten hatte und unbescholtenen Charakters war. Die Aufnahme erfolgte
nur, wenn nicht mehr als 5 Sänger dagegen waren.
5 Pflichtverletzungen und ihre Folgen:
a) Wer eine Singstunde oder eine vom Dirigenten angeordnete
Probe versäumt, wird mit 10 Pfg. bestraft.
b) Wer bei einer vom Verein bestimmten öffentlichen
Aufführung
von Gesangstücken, bei Ausflügen, Festen usw. fehlt, wird
mit 1 Mark bestraft.
c) Wer bei der Beerdigung eines verstorbenen Mitgliedes fehlt,
1 Mark.
d) Wer innerhalb der festgesetzten Dauer aus dem Verein
austritt, 5 Mark.
§ 16 Wer zum Singstundenbeginn nicht pünktlich ist, wird mit
5 Pfg. bestraft.
§ 18 Wer von den aktiven Mitgliedern ohne triftigen Grund
austritt, bleibt für immer aus dem Verein ausgeschlossen und kann nie mehr aufgenommen
werden.
§ 19 Jedes Mitglied hat ein Buch anzuschaffen und werden die
Lieder vom jeweiligen Schreiber eingeschrieben.
§ 21 Mitglieder, die dreimal unentschuldigt fehlen, werden
vom Verein ausgeschlossen.
§ 22 Wer innerhalb der Singstunde oder vor Schluss derselben
das Vereinslokal verläßt, wird mit 50 Pfg. bestraft.
§ 24 Rauchen im Vereinslokal während der Singstunde ist
strengstens untersagt.
In der darauf folgenden Singstunde verpflichteten sich
darauf 43 Sänger, Das waren nur Auszüge. Zu § 19 ist noch zu sagen:
Es wurde nur die Partitur gekauft, die kostete etwa 1,25
Mark, und der Schreiber schrieb die durch Zahlen ersetzten Noten und den Text
jedem in sein Buch. Ab diesem Jahr 1906 wurde dann bis heute ein durchgehendes
Protokollbuch geführt. Wir lesen da von der ersten großen Weihnachtsfeier 1906,
von den ersten Ausflügen, anfangs noch zu Fuß bis Eichelsachsen oder Geiß- Nidda
an Himmelfahrt. Später dann schon mit dem Wagen zu den Sängerfesten nach Dauernheim
zur Fahnenweihe usw. Dazwischen die Berichte über die Geburtstagsfeiern Seiner
königlichen Hoheit unseres geliebten allverehrten Landesfürsten des Großherzogs
von Hessen. Mai 1913 steht im Protokoll das erste Wertungssingen in Nidda
verzeichnet, an dem der Verein 236 Punkte mit heimnahm. 14.6.1914
Gesangswettstreit in Nidda unter Dirigent Dapper. Erfolg: 2. Preis - 1 Pokal
und 50 Mark- damals ein beachtlicher Preis.
Dann kam der erste Weltkrieg, das Vereinsleben verstummte.
12 Sänger waren es, die den Weg in die Heimat nicht mehr antreten konnten. Freund
Hein hatte sie behalten, ihr junges Leben war zu Ende.
Die Heimgekehrten aber taten sich wieder zusammen und am 25.01.1919
fand die erste Singstunde statt. Lehrer Reinig übernahm trotz schwerer
Krankheit nochmals den Chor und 1920 standen immerhin wieder 54 Sänger auf der
Bühne.
Es kommt die verrückte Zeit der Inflation. Chorleitervergütung
je Singstunde 80 Mark, am 02.12.1922 schon 100 Mark, am 02.02.1923 500 Mark.
Der aktive Beitrag monatlich 80 Mark, Strafe für Fehlen 50 Mark. 1923 wurde
sogar auf einen Jahresabschluß des Rechnungsführers verzichtet.
Als der Geldwert wieder normal war, begannen allerorts die
Sängerfeste. Eintracht Eichelsdorf hatte damals schon einen guten Namen, da
geht schon aus den vielen Einladungen hervor, die nicht nur aus der engeren
Heimat, sondern von weit her kommen. Wir wollen sie nicht aufzählen, sondern
als Beispiel nur ein paar herausgreifen: 1924 Friedberg, Wiesbaden; 1925 Klein-
Linden, Groß Gerau, Heldenbergen. Weiter Wächtersbach,
Bad Orb, Garbenteich, Oberau, Büdingen, Butzbach, Bergen b. Frankf.
Lieblos, Frankfurt-Eschersheim, Wiesbaden- Erbenheim, Rumpenheim, Wiesbaden- Bierstadt,
Frankfurt-Preungeshain, Leihgestern und viele andere. Viele Pokale, Plaketten, sonstige
Preise und Urkunden hat der Verein in zäher Arbeit erworben, nicht zuletzt
durch die Arbeit unseres verehrten Ehrenchorleiters Adolf Rau, der aus unseren
eigenen Reihen stammt und als Laie diesen Chor übernommen hat. In zäher Arbeit
lernte er Noten und Harmonium- Spielen. Alles in seiner freien Zeit nach des
Tages schwerer Arbeit. In zäher Arbeit führte er auch den Chor von Wettstreit zu Wettstreit und die Eintracht war ein erstzunehmender
Gegner. Hohe Ehrungen wurden ihm dafür zuteil, über Adolf Rau möchte ich hier
nur zwei Zitate bringen. Das erste ist aus dem Jahre 1933 aus einem Fragebogen
über Chorleiter von Rudolf Repp: "Trotzdem der hier genannte Chorleiter
keinerlei Vorbildung genossen hat, besitzt er aus eigenem Antrieb eine
besondere musikalische Fähigkeit und Auffassungsgabe. Seinen Leistungen gegenüber
kann untenstehende Vergütung nicht als Bezahlung angesehen werden. Seine
Tätigkeit im Verein geschieht aus Liebe zum Männergesang und zum deutschen
Volkslied." Das zweite Zitat ist aus einem Zeitungsartikel das Jahres 1951
über das 75 jährige Sängerfest unseres Vereins: "...Nicht nur der
Gesangverein Eintracht Eichelsdorf, sein 1. Vorsitzender Rudolf Repp, sein
Ehrenvorsitzender Theodor Schäfer feierten Triumphe, sondern Adolf Rau in
erster Linie. Adolf Rau wirkt nun schon seit Jahrzehnten als Dirigent der
Eintracht. Er ist ein Chorleiter aus Passion. Ihm hat der Männergesangverein
Eintracht Eichelsdorf zu verdanken, dass der Chor auf einem solchen Niveau sich
bewegt und zu einem wahren Förderer und Träger des Volksliedes geworden
ist."
Wir wollen nicht die Neuzeit ansprechen, sonst könnte einer auf
den Gedanken kommen, wir wollten Selbstlob betreiben. Deshalb soll unsere
Abhandlung über den Jubelverein schließen mit der Feststellung, dass wir, nachdem
Adolf Rau aufgrund schwerer Krankheit
den Stab niederlegen musste, einen Mann als Dirigenten bekommen haben, der den
Chor weiter auf diesem Wege führt und die Anforderungen an das Können der
Sänger immer noch erhöht. Dieser Mann ist unser verehrter Chorleiter Musikdirektor
Hans Krippner.
B. Plitzkow
Eichelsdorfer Heimatlied
Text und Melodie: Rudi Eckrich
Fassung und Satz: Hans Krippner
O Eichelsdorf, du schönes Dörflein,
geteilt wirst du durchs Eichelbächlein.
Liegst zwischen grünen Fluren schön,
umgeben dich doch Tal und Höhn.
O du Eichelbach, du nur die Hälfte siehst,
weil vom Osten her die Nidda dich nach Westen zieht.
Und stehest du auf Bergeshöhen,
Liegt das Dörflein dir zu Füßen.
Dann wirst du sehn im Sonnenschein,
das Bächlein munter, funkelnd fließen.
O du Eichelbach, du nur die Hälfte siehst,
weil vom Osten her die Nidda dich nach Westen zieht.
O Eichelsdorf, du schöne Heimat,
vergessen werde ich dich nie.
Wo ich auch bin in weiter Fern,
ich schwöre dir: Ich hab dich gern.
O du Eichelbach, du nur die Hälfte siehst,
weil vom Osten her die Nidda dich nach Westen zieht.
10.07.1976
Wasser.
Wenn die Menschheit lechzt nach Regen
merkt se erseht waß er fiere Segen
doch wenn der dann werklich kimmt
brummt mer driwwer ganz bestimmt.
Wenn iwwer Trockenheit mir klage
sollte mir uns endlich sage
daß wenn deß Wetter us näid huld
doch mir selwer sinn dran schuld.
Waß an Wasser werd verbraucht
sorgt daß die Erde ausgelaugt.
Dort wo die Technik ihre Wiege
Drohn die Flüsse zu versiege.
Wir verseumse usre Pflicht
wenn die Wälder mer vernicht
was sie an Flüssigkeit enthalten
weicht den menschlichen Gewalten.
Die Industrie bringt us in Drapp
wenn langsam werd deß Wasser knapp
un waß die Schwingingbuls verschlinge
kann us kaan Mehr an Wasser bringe.
Drum sollt endlich mir erkenne
deß mir in user Uglick renne
wem das Wasser mir verschwende
un dann uff dem Trockne ende!
20.07.1976
Wasserentnahme aus der
Nidda verboten
Schotten (ghw). In den letzten Tagen wurde von der Stadtverwaltung und von Fachbehörden festgestellt, dass eine sehr große Zahl von Anliegern der Nidda und Nidder sowie des Eichelbaches Wasser zu Beregnungszwecken entnehmen. Die Verwaltung weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass ab sofort kein Wasser mehr ohne Genehmigung gefördert werden darf. Die von dem früheren Kreis Büdingen ausgestellten Erlaubnisscheine für die Entnahme von Wasser aus Gewässern II. Ordnung hätten keinerlei Rechtswirksamkeit und Gültigkeit mehr.