Sie sind hier: Erzählungen. Was der alte Lein erzählte.
In unserem Dorf gab es 4 Backhäuser. Jedes Backhaus war ein Bezirk (Ortsteil) man konnte nicht einfach wie man wollte Brot Backen. Man traf sich beim Anbäcker der immer montags als erster mit Backen dran war. Bei ihm wurde die Reihenfolge durch Nummern ziehen festgelegt. Als Anbäcker kam jeder einmal dran.
Wichtig war vor allen Dingen der Sauerteig, der wurde von Haus zu Haus weiter gereicht. Beim Brotbacken ging es oft lustig zu, denn da wurde ja auch der berühmte Mirschelplatz mitgebacken. Ein grosser Teil vom Mirschelplatz wurde heiss vom Blech an bekannte und vorbeikommende verteilt. Natürlich kamen auch die Neuigkeiten die im Dorf passiert waren nicht zu kurz.
Erinnerung an die Schulzeit um 1928- 1936.
Im 1. und 2. Schuljahr hatte man die Schiefertafel mit Nassschwamm und Trockenlappen, das war praktisch bei Schreibfehlern, ein wisch und weg war der Fehler. In den nächsten Klassen gab es dann den Bleistift mit Radiergummi, Malstifte und Schreibhefte. Im 7. und 8. Schuljahr wurde es schwieriger, da ging es mit Tinte weiter, so mancher Klecks brachte einem eine weniger gute Note ein. Eine ganz neue Schreibart mussten wir auch noch lernen, man nannte sie Sütterlin.
In Eichelsdorf wurden viele Jahre Gänse gehütet. Für das Treiben war eine ganze Familie notwendig. Mit der Gänseklapper ging es durch die Strassen, dass die Leute merkten die Gänseliesel ist unterwegs. Die Klapper war ein richtiger Krachmacher, in der heutigen Zeit fiel sie unter die Rubrik "Ruhe störender Lärm".
Der Hüteplatz für die Gänse war an der Nidda. Wegen eines Wasserrechts für eine Mühle war hier die Nidda angestaut, dadurch wurde eine Wassertiefe erreicht die für die Gänse zum Tauchen und Pludern geeignet war.
Die Herde hatte eine Grösse von etwa 300 Tieren. An erster Stelle waren die Gänse Federnlieferant für warme Bettdecken und Schlachttiere (Weihnachtsgans). Gänse sind doch flugfähige Tiere, aber es ist keiner Gans eingefallen den Hüteplatz vorzeitig zu verlassen. Scheinbar war es auf dem Hüteplatz schöner als daheim im engen Stall. Nach etwa 3 Stunden Hütezeit gab die Gänseliesel das Kommando, jetzt macht euch heim, da war in der Luft und in den Strassen was los. Tot gefahren wurde keine Gans, womit auch, in Eichelsdorf gab es damals 2 Autos.
Bis in die Jahre 1934-35 gab es in Eichelsdorf einen Schweinehirt. Ausgerüstet war er mit einem Hund und einer Peitsche, die hatte eine lange geflochtene Schnur. Wenn die Schweine beim Treiben einen anderen Weg gehen wollten als den vorgesehenen, dann gab es mit der Peitsche was um die Ohren.
Das Glanzstück seiner Ausrüstung war sein Signalhorn, wenn das in den Strassen ertönte dann gingen die Stalltüren auf. Schweine die schon länger beim Treiben dabei waren fanden den Weg ganz alleine. Das Ziel war in der Regel ein stillgelegter Steinbruch. Der hatte viele Suhlen wo sich die Schweine drin wälzen konnten. Manche Suhle war auch oft hart umkämpft wie das im Leben so ist, nach dem Motto: Ich bin die stärkere Sau. Das Treiben war immer mittags, nach ca. 3 Stunden ging es wieder nach Hause.
Von Richard Lein, Eichelsdorf 04.2007.
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